SPORTECHO: Südamerika oder Europa

Donnerstag, 10. Juli 2014

Wer wird am Sonntag (in Europa bereits Montagnacht) Fußballweltmeister? Nach dem 1:7 Desaster von Brasilien im ersten Halbfinalspiel gegen Deutschland scheint es, dass erstmals in der Fußballgeschichte eine europäische Mannschaft auf amerikanischen Boden diesen Titel gewinnen kann. Wenn die Niederlande sich im zweiten Halbfinale gegen Argentinien behaupten konnten (das Spiel begann gestern um 23 Uhr), dann haben wir sogar ein europäisches Weltmeisterendspiel.

Brasilien, allgemein als Hauptfavorit in dieses WM-Turnier im eigenen Land gestartet, ist kläglich untergegangen und hat seine zahlreichen Fans maßlos enttäuscht. Es handelt sich wohl um die schmerzhafteste Niederlage in der Geschichte dieser Fußballnation (vergleichbar nur mit dem 1950 gegen Uruguay verlorenen WM-Titel),  die bereits vom sechsten WM-Titel träumte. Der deutschen Elf steht nun die Tür zum vierten WM-Titel offen.

Bisher konnte die Elf von Joachim Löw eigentlich nur im ersten Gruppenspiel gegen Portugal mit dem klaren 4:0-Sieg richtig überzeugen. Im Spiel gegen Brasilien gingen sie aber hochmotiviert zur Sache und hatten nichts zu verlieren. Ihre Gegner waren dem immensen Druck seitens des Heimpublikums und der Medien nicht gewachsen und versagten total. Lahm, Schweinsteiger, Klose, Müller, Khedira und ihre Kollegen spielten sie schonungslos gegen die Wand und verbuchten ein Ergebnis, mit dem niemand gerechnet hatte und das  ihr Selbstvertrauen gewaltig gesteigert haben dürfte. So sonderbar es klingen dürfte, sie zeigten kein Verständnis, d.h. kein Mitleid, mit ihren Gegnern, obwohl sie bereits nach einer halben Stunde einen Fünftore-Vorsprung hatten. Den Gegner zu bemitleiden wäre in der Sportethik die höchste Beleidigung. Deutscher Trost kam für die brasilianischen Spieler und ihren Trainer Scolari nur nach dem Schlusspfiff des Schiedsrichters, weil es nicht schwer war, den Schmerz und die Ausmaßen der Niederlage zu begreifen und weil wohl im Fußball und im Sport niemand vor so einem rabenschwarzen Tag gefeit sein kann.

Vielleicht bleibt gerade deshalb der Fußball so spannend. Alles ist möglich, der Ball ist rund. Der südamerikanische Fußball zeigte auch bei dieser WM seine Stärken: technische Virtuosität in der Ballführung, Kreativität und eine Vorliebe zum offensiven Spiel (Überfall-Fußball) aber auch seine Schwächen im Abwehrspiel und in der Disziplin betreffend Spieltaktik aber nicht nur (rüde Fouls und Spielverzögerungen mit allen Mitteln). Was die Argentinier noch hinzubringen sind Superstar Lionel Messi mit seinen doch etwas seltenen aber spielentscheidenden Aktionen und Einfällen sowie ein Mannschaftsgeist geprägt von Willen, Durchhaltevermögen und kämpferische Einstellung. Für Brasilien wäre es aber ein weiterer Wermutstropfen, wenn ausgerechnet Erzrivale Argentinien im Maracana-Stadion seinen dritten WM-Titel gewinnen würde.

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