Staatsarchiv klärt Arbeitsinspektorat auf

98 Jahre seit der Grubenkatastrophe von Anina, ein lehrreicher Rückblick

Samstag, 09. Juni 2018

Reschitza – Laurențiu Roșu, der Leiter der Staatsarchive Karansebesch, hielt dieser Tage, da sich 98 Jahre seit der größten Grubenkatastrophe in der Geschichte Rumäniens jähren, vor dem Personal des Territorialen Arbeitsinspektorats ITM in Reschitza einen Vortrag, der als „lehrreiche Rückblick“ aufgefasst wurde. Dr. Roșu erläuterte den Hütern von Disziplin und Ordnung im Arbeitsprozess die Ursachen der Aninaer Grubenkatastrophe von 7. Juni 1920, die mehr als 200 Tote und über 500 Witwen und Waisen verursacht hatte. U. a. waren die Normen für Arbeitsschutz nicht respektiert worden. In einer aufgelassenen Galerie des Kohlenbergwerks Anina waren drei Tonnen Sprengstoff gelagert worden, die von den Truppen Béla Kúns von der rumänischen Armee (diese war zum Ende des ersten Weltkriegs und während der Aktion zur Niederschlagung der ungarischen Räterepublik bis Budapest vorgedrungen) beschlagnahmt worden waren. Der Sprengstoff war nachweislich teilweise bereits kaputt und grundsätzlich schlecht konserviert.

Am Abend des 7. Juni 1920, als die Frühschicht darauf wartete, an die Oberfläche geholt zu werden und die Nachmittagsschicht einfuhr, explodierte der Sprengstoff. Es gab vier sukzessive Explosionen an den vier Lagerorten in untereinander verbundenen Galerien. Die drei Tonnen Sprengstoff verbrannten in einer Explosion.
Es entstanden große Mengen Giftgase, die von der Grubenlüftung auf das gesamte unterirdische Galeriesystem verteilt wurden, bis auf Sohle 1000, wohin man gerade vorgedrungen war (als die Grube vor sechs Jahren geschlossen wurde, arbeitete man auf Sohle - 1200). Die Gase töteten die meisten der Bergleute blitzartig, viele wurden von den Rettungsmannschaften tot, noch mit ihren Werkzeugen in der Hand aufgefunden.

In den Staatsarchiven von Karansebesch sind zahlreiche Augenzeugenberichte erhalten, aus denen Dr. Lauren]iu Ro{u zitierte. Franz Novak beispielsweise hatte mit fünf weiteren Bergleuten in einer Nebengalerie gearbeitet, als er den Druck der Explosion verspürte: „Wir mussten bis zur Hauptgalerie vordringen, weil das die einzige beleuchtete war, wo es ein Telefon zur Oberfläche gab. Ich allein bin dort angekommen. Meine Genossen starben an Erstickung, unterwegs. Überall lagen die Toten haufenweise, alles meine Arbeitsgenossen. Sie blockierten alle Zugangswege. Ich musste über die daliegenden Körper treten. Auch auf sie. Ich musste ans Telefon, melden, dass es noch Überlebende gibt. Der Aufzugskorb war durch die Explosion blockiert. Es siegte der Überlebenswille über meine Angst.“

170 Bergleute waren auf der Stelle tot, 52 wurden mit schweren Lungenverletzungen an die Oberfläche gebracht, von denen 47 kurz darauf ihrer Lungenverletzung erlagen. Die meisten der Opfer sind, auf Wunsch ihrer Angehörigen, in einem Massengrab auf dem römisch-katholischen Friedhof zwischen Steierdorf und Anina begraben, gemeinsam, so wie sie gearbeitet haben und auch am Arbeitsplatz gestorben sind. Über ihrem Grab gibt es einen Gedenkstein, auf dem ihre Namen eingemeißelt sind.

Die Temeswarer „Arbeiter-Zeitung“, „Deutsches Zentralorgan der Banater Sozialistischen Partei“, veröffentlichte am Sonntag, dem 12. Juni 1920, eine schwarz gerahmte Liste aller Opfer der Grubenkatastrophe von Anina/Steierdorf und mahnte: „Arbeiter! Genossen! Gedenket der hinterbliebenen Witwen und Waisen!“

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