Staatsphilharmonie: Diskussionen gehen weiter

Mittwoch, 17. Oktober 2018

Momentan hat der Streik der Philharmonie-Mitarbeiter aufgehört. Sollte kein kollektiver Arbeitsvertrag zustande kommen, könnte ein neuer Streik ausbrechen. Foto: Zoltán Pázmány

Temeswar – Die Situation der Temeswarer Philharmoniker ist immer noch nicht gelöst. Dies, obwohl am Montag ein Gespräch zwischen Bürgermeister Nicolae Robu, Philharmonie-Direktor Ioan Gârboni und den Vertretern der Gewerkschaft stattgefunden hat. Infolge des Treffens, das vorläufig nicht zur Versöhnung der beiden Seiten geführt hat, soll eine schriftliche Vereinbarung zustande kommen, in der Lösungen für die Unzufriedenheiten der Philharmoniker festgehalten werden. U.a. wünschen sich die Philharmoniker, dass ein genauer Termin für die Erarbeitung eines kollektiven Arbeitsvertrags festgelegt wird.

Der Bürgermeister hatte den beiden im Skandal verwickelten Seiten bis vergangenen Freitag Zeit gelassen, um über die Anforderungen zu verhandeln und eine Lösung zu finden, damit die Tätigkeit der Staatsphilharmonie „Banatul“ durch den Streik der Musiker nicht mehr beeinträchtigt wird. Da dies nicht geschehen ist und sich die Spannungen verschärft haben, teilte Nicolae Robu den Medien mit, er wolle sich persönlich einbringen, um im Konflikt zu vermitteln. So sollen Treffen stattfinden, bei denen die Gewerkschaft und der Philharmonie-Direktor verhandeln, wobei auch Vertreter des Bürgermeisteramtes bei den Gesprächen dabei sind.

Einige Philharmonie-Mitarbeiter, die Mitglieder der Gewerkschaft sind, haben zu Beginn dieser Spielzeit zum Generalstreik aufgerufen. Ihre Unzufriedenheiten schickten sie in Form einer Pressemeldung auch an die lokalen Medien. Das streikende Personal beschuldigt den Direktor eines diskriminierenden Verhaltens: Die „Hausmusiker“ würden unter dezenten Bedingungen arbeiten, während er die anderen zu Freiluftkonzerten schicken würde. Außerdem dürften einige Musiker nur mit staatlichen Einrichtungen zusammenarbeiten, während es für andere überhaupt keine Restriktionen gäbe. Die Solisten müssten die Anwesenheitsliste nicht unterschreiben. Ioan Gârboni wird vorgeworfen, mit den Angestellten respektlos zu sprechen und disziplinäre Sanktionen an jene zu erteilen, die sich ihm widersetzen. Kostspielige Verträge mit Privatfirmen, NGOs und anderen Vereinen, in denen der Direktor Vorsitzender oder Mitglied sei, würden die Musiker zwingen, kostenlos aufzutreten. Außerdem soll Gârboni öffentliche Gelder verschwendet haben, sagen die Gewerkschafter. Weltberühmte Solisten würden kaum auf der Philharmonie-Bühne auftreten, außerdem hätte auch die Konzertqualität wegen der schlecht ausgewählten Programme und des fehlenden Personals abgenommen. Das wohl wichtigste Anliegen der Gewerkschaft ist zurzeit die Erarbeitung eines kollektiven Arbeitsvertrags, in dem alle Aspekte zur Regelung der Philharmonie-Tätigkeit festgehalten werden.

Seit einigen Tagen gehen die Gewerkschafter vor das Philharmonie-Gebäude, um zu protestieren. Sie erscheinen mit Plakaten in den Händen, die u.a. Aufschriften wie „Die Philharmonie sind wir“, „Rettet die Musik“ oder „Stoppt die Missbräuche“ enthalten, und sie spielen vor den Passanten. Es ist knapp eine Woche her, seitdem Bürgermeister Robu öffentlich ankündigte, er würde alle feuern, wenn es sein müsste. „Es soll klar sein: Wenn sich jemand vorstellt, dass wir es tolerieren, dass eine Gewerkschaft festlegt, wer Direktor sein soll und wer nicht, der täuscht sich. Sie können egal welche Anforderungen im legalen Rahmen haben. Aber der Direktor wird per Gesetz bestimmt“, betonte Nicolae Robu.

Kommentare zu diesem Artikel

Klaus, 17.10 2018, 23:09
"Aber der Direktor wird per Gesetz bestimmt" - und ein verantwortungsvolles Gesetz berücksichtigt auch die Meinung der Mitglieder der Gewerkschaft. Die bezahlten Musiker der Temeswarer Staatsphilharmonie sollen nicht alleine entscheiden dürfen, wer mit der Intendanz der Philharmonie beauftragt wird oder nicht beauftragt wird. Aber der Wunsch nach Mitspracherecht ist berechtigt. Wenn sich verschiedene Personen und öffentliche Abteilungen zu ein und demselben Zeitpunkt an einen einzigen Tisch setzen, um gemeinsam zu beraten, hat die Gewerkschaft der Philharmoniker das gute Recht, an genau diesem Beratungstisch mit vertreten sein zu dürfen. Wer sich die Freiheit gönnt, sämtliche Diskussionen über die Köpfe der Gewerkschaft hinweg zu führen, tut genau das, was die im Beitrag erwähnten und zitierten Orchestermitglieder nicht mehr zu tolerieren bereit sind. Die Musiker wollen nicht mehr Geld, nein sie wollen gerecht verteiltes Geld. Es liegt ihnen nicht an der Menge der Finanzen, nein, sondern an der Transparenz der Abrechnungen. Und letztere ist im staatlichen Kunst- und Kulturbereich Rumäniens einfach zu selten gegeben. Das gleiche Problem wie in Schule und Gesundheit: es ist ausreichend Geld vorhanden, aber es kommt nicht dort an,wo es am dringendsten gebraucht würde.

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