Stadt Arad steigt in den Immobilienmarkt ein

Ankauf und Sanierung wertvoller Bauten

Dienstag, 24. November 2015

Die Stadt Arad plant auch den Kauf des in Privatbesitz befindlichen alten Kasinos.
Foto: Zoltán Pázmány

Die Stadt Arad kündigte kürzlich durch ihren amtierenden Bürgermeister Gheorghe Falcă ein ehrgeiziges und hierzulande nicht alltägliches Vorhaben an. Die Verwaltung der Maroschstadt möchte in nächster Zeit gezielt einige wertvolle und repräsentative Altbauten ankaufen und diese auch sanieren. Es ist bestimmt ein lobenswertes Unterfangen: Wie fast alle Städte des Landes hat auch Arad viele seiner wertvollen Bauten nach der Wende durch die Rückerstattung an die ehemaligen Eigentümer oder durch Verkauf verloren. Desgleichen hat das Stadteigentum durch den massiven Verkauf aus dem staatlichen Wohnungsfonds viel verloren, darunter auch wertvolle architektonische Stadtsymbole. Vor allem aus Geldmangel hat es die Arader Stadtverwaltung, wie auch die Verwaltungen anderer Städte, bisher nicht gewagt, in den hektischen Immobilienmarkt einzusteigen und gar teure Ankäufe zu tätigen.

Das Vorhaben ist ein Teil des gleichfalls angemeldeten städtischen Großprojekts im Rahmen des Wettbewerbs um den Titel der europäischen Kulturhauptstadt 2021. Arad möchte für den heißbegehrten Titel – man befindet sich mit weiteren zehn Städten des Landes im Wettbewerb – gar 100 Millionen Euro aus seinem Haushalt bereitstellen. 17 Millionen davon sollen für die  Immobilienankäufe zur Verfügung gestellt werden. Laut den Aussagen von Bürgermeister Falcă stehen bei diesem Vorhaben nicht Geschäft und Gewinn im Vordergrund, sondern großzügigere Ziele wie die Änderung des Stadtimages, Bewahrung des Kulturerbes und Förderung der Stadtkultur. Diese Ankaufsaktion soll bis spätestens 2026 abgeschlossen werden. Nichts Näheres ist bisher über diese Transaktionen bekannt, vor allem über die Summen, die die Kommunalverwaltung für den Ankauf der Bauten im einzelnen ausgeben möchte und kann.

Obwohl sich ein Großteil der anvisierten Altbauten in einem beklagenswerten Zustand befindet, wird es höchstwahrscheinlich zu aufreibenden, langwierigen Verhandlungen mit den derzeitigen Privatbesitzern dieser Gebäude kommen. Obwohl man im Rathaus diesmal auf „angemessene“ Preise hofft, ist das schwerlich zu erwarten: Etliche frühere Versuche hatten keinen Erfolg, da die Privateigentümer bei derartigen Verhandlungen mit dem Staat stets höchstmöglichen Profit machen wollten und auf Preisen bestanden, die weit über dem realen Wert auf dem Immobilienmarkt lagen. Es ist also abzuwarten, wie diese mehrjährige Aktion verlaufen wird – schließlich ist auch der Immobilienmarkt von den eigensinnigen Gesetzen der Marktwirtschaft abhängig. Auf jeden Fall, so Bürgermeister Falcă, werde die Kommunalverwaltung die Ankaufs- und Sanierungspläne auch in dem Fall beibehalten, wenn Arad nicht europäische Kulturhauptstadt 2021 werden sollte.

Auf der Ankaufsliste stehen bisher das alte Theater (Hirschl-Haus), der Wasserturm, das Casino, die ehemalige TEBA-Fabrik und das Marta-Haus. Der wohl älteste und berühmteste Bau ist das alte Theater in der Gheorghe-Lazăr-Straße 3. Das auch als Hirschl-Haus bekannte Gebäude, das heute unter Denkmalschutz steht, wurde 1817 im Barock-Stil von dem ehemaligen Händler Jakob Hirschl errichtet. Seine alte Fassade ist noch gut erhalten, sehenswert sind auch die drei Tore im Parterre. Es gilt als eines der ältesten Theatergebäude des Landes. Ab 1817 spielten auf seiner Bühne zahlreiche deutsche Wandertheatergruppen, als erste im November 1817 die Theatergruppe des Christoph Kun, später die des Mihai Pascaly und Matei Millo (1868). 1847 konzertierte hier Johann Strauss Sohn mit seinem Orchester. 1907 wurde hier das Kino „Urania“ als erstes Lichtspielhaus der Stadt eingerichtet. Der Bau wurde den Hirschl-Erben rückerstattet, die nach ersten Nachrichten einem Verkauf zustimmen würden.

Der Wasserturm (Str. Ceaikovski 9 a) wurde 1896 von dem Architekten Miklos Ybl zur Wasserversorgung der Stadt und für die Meldung von Bränden errichtet. Mit seinen 35 Metern war er damals das höchste Gebäude der Stadt. Der Wasserturm war bis 1956 in Betrieb. Seit 1990 ist er in Privatbesitz und in ihm befindet sich eine Kunstgalerie.
Das alte Casino oder Seccession-Park-Haus (Neu-Klassizismus und Neubarock) wurde 1872 errichtet. Mit einem malerischen Sommergarten und einer stark dekorierten Fassade war es lange Jahre ein beliebter Ort für Unterhaltung und Spaziergänge für die Arader Gesellschaft. In der TEBA-Fabrik, einem der ältesten Fabrikgebäude des Landes, werden schon seit einigen Jahren mit Erfolg Kulturevents organisiert. Das Marta-Haus, früher die erste Automobilfabrik auf dem Gebiet Rumäniens, soll zu einem Museum umgestaltet werden. Im Rahmen dieser Stadtpläne zum Ankauf und zur Sanierung wertvoller Altbauten sollen, wie angekündigt, auch weitere zur kulturellen Infrastruktur der Stadt gehörende Gebäude saniert werden, so das klassische Stadttheater im Zentrum, das schon seit längerer Zeit einer gründlichen Restaurierung bedarf, und das Kino im Stadtviertel Grădişte.


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