Stadtsymbol dem Verfall überlassen

Samstag, 17. Mai 2014

Die ehemalige Zigarettenfabrik in Temeswar
Foto: Zoltán Pazmány

Temeswar - Das Gebäude der ehemaligen Temeswarer Zigarettenfabrik, heute eines der baulichen Stadtsymbole, scheint leider das gleiche triste Schicksal wie andere architektonisch wertvolle alte Industriebauten der Stadt, siehe auch der alte Schlachthof, die Strumpffabrik, aus dem 19. Jahrhundert, zu ereilen: Der Altbau, heute Eigentum einer GmbH aus der Hauptstadt, steht in der Temeswarer Josefstadt, Titulescu-Zeile-Pop-de-Băseşti-Straße Nr. 2,verlassen und ungenützt da und wurde seit der Wende dem Verfall überlassen. Mehrere Mahnungen von der Temeswarer Lokalpolizei betreffend den gesetzlichen Schutz und die Instandhaltung dieses unter Denkmalschutz stehenden Baus fanden bei den derzeitigen Eigentümern leider keinerlei Beachtung. Laut dem Temeswarer Vizebürgermeister Traian Stoia beabsichtigt nun die Temeswarer Stadtverwaltung zum nächsten gesetzlichen Level überzugehen bzw. nach einer neuen Mahnung und einer gesetzlich vorgeschriebenen Geldstrafe  Strafanzeige zu erstatten. Erforderlich wäre eigentlich eine gründliche Sanierung des gesamten Gebäudes (Parterre und zwei Stockwerke), die laut Schätzungen von Vize Stoia wegen den hohen Kosten vom Besitzer kaum vorgenommen werden würde. Dringend und unumgänglich für den Erhalt des Altbaus wäre jedoch die Reparatur der Fassade und des Daches.

Die Zigarettenfabrik, anfänglich Tabakfabrik, wurde 1846, noch vor Einführung des Tabak-Staatsmonopols im östereichisch-ungarischen Kaiserreich,  als erster Industriebau der Josefstadt errichtet und Ende des 19. Jahrhunderts mehrmals ausgebaut. Die erste Tätigkeit mit einer Belegschaft von etwa 300 Arbeitern (1850) war ausschließlich die Tabakverarbeitung, in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts ging man zur Herstellung von Zigaretten und Zigarren ( bis zu jenem Jahr im Dikasterialgebäude erzeugt) über. Vor dem Ersten Weltkrieg waren 90 Prozent der nahezu 2000 Arbeitnehmer Frauen aus den Temeswarer Stadtvierteln Josefstadt und Mehala. Die Fabrik galt vor dem Ersten Weltkrieg nach jener aus Budapest als zweitgrößte Tabakfabrik des Königreichs Ungarn. Die Fabrik produzierte damals jährlich etwa 200 Millionen Zigaretten und Zigarren.

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