Stalin-Stadt in der Ausstellung des Kreismuseums

Rückblick auf die Zeit, in der Kronstadt diesen Namen trug

Dienstag, 14. November 2017

Kronstadt – Insgesamt 19 Städte weltweit, davon fünf in Europa, außer denen aus der ehemaligen Sowjetunion, haben den Namen des russischen Diktators Stalin tragen müssen. Es war nicht ein Entscheid jeweiliger Stadtverwaltungen, sondern eine Maßnahme, die von Moskau aus aufgezwungen worden ist. Bekanntlich wurde Kronstadt/Braşov in der Zeitspanne 1950 - 1960 umbenannt und musste als Stalin-Stadt in die Lokalverwaltung und in die Geschichte eingehen.

Das Kronstädter Kreismuseum für Geschichte dokumentierte diese Zeitspanne, deren Ergebnis in der am Mittwochabend eröffneten Ausstellung in den Museumsräumen im Alten Rathaus zu sehen ist. Die Ausstellung baut auf das Ergebnis zweier Forschungsprojekte. Einem internationalen, das unter der Bezeichnung „Ich war Bürger der Stalin-Stadt“ durchgeführt wurden und einem nationalen, das sich „Stalin-Stadt zum Verständnis aller“ nannte. Außer Kronstadt mussten die Städte Varna (Bulgarien), Dunajvaros (Ungarn), Katowice (Polen) und Kocova (Albanien) den Namen des Diktators annehmen. In Kronstadt wurde dieser sogar auf dem Kamm des Zinne-Berges durch eine Sonderplantage nach dem Waldbrand von 1946, dem die Vegetation zu Opfer gefallen war, verewigt. Jahre noch, nachdem am 24. Dezember 1960 (Heiliger Abend!) die Stadt ihren alten Namen wieder annehmen konnte, waren die Spuren der Buchstaben ersichtlich.

Die Ausstellung ist in mehreren Zellen organisiert, eben damit der Besucher in die Gefängnis-Atmosphäre damaliger Jahre eingeführt wird. Urkunden, Militäruniformen, Zeitungen, Fotos, Propagandamusik einschließlich Reisekarten u.a. Gegenstände sind da ausgestellt worden. Diese stammen aus den eigenen Beständen des Geschichtsmuseums, des Kronstädter Kunstmuseums, des Nationalen Geschichtsmuseums, von lokalen Institutionen, wie der Direktor des Gastgebermuseums Nicolae Pepene betonte. Es handelt sich nicht um eine Gedenkausstellung, betonte dieser, sondern im Gegenteil. Dadurch soll diese dunkelste Zeitspanne aus der Stadtgeschichte vergegenwärtigt werden, den Besuchern die Folgen totalitärer Regimes in Erinnerung gebracht werden.

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