Statt Gai die Betonplattform

Ferdinandsberg sucht nach einem Standort für Industriehallen

Mittwoch, 01. März 2017

Zur kommunistischen Zeit war das Stahlwerk Ferdinandsberg der größte Umweltverschmutzer des Banater Berglands, gab aber über 3.000 Menschen des Bistra-Tals Arbeit.

Ferdinandsberg/Oţelu Roşu verfügt nach Aussagen von Fachleuten (u.a. Romulus Ioan, der Direktor des Reschitzaer Stahlwerks TMK) über das modernste Stahlwerk Rumäniens. Trotzdem sind alle Privatisierungsversuche, die nach 1990 stattfanden, gescheitert, bzw. an die Wand gefahren  worden. Der jüngste Anlauf, durch eine Gruppe serbischer Investoren, die das Stahl- und Walzwerk 2015/16 für rund 25 Millionen Euro kaufen wollten (zusätzlich die etappenweise Begleichung der Schulden des Werks in nochmals etwa der gleichen Höhe), startete erst mal gar nicht, nachdem der Vermittler des Geschäfts, der zwielichtige Unternehmer Josif Arma{, von den DNA-Staatsanwälten im Frühjahr 2016 verhaftet worden war.

Inzwischen hat selbst einer der größten Optimisten bezüglich einer Wiederaufnahme der Tätigkeit beim ehemals wichtigsten Arbeitgeber im Bistra-Tal, der Ferdinandsberger Bürgermeister Luca Mălăescu (PSD), seinen Optimismus bezüglich des zuletzt den Russen von Mechel gehörenden Werks auf Eis gelegt. Und seine Suche nach anderen Unternehmern intensiviert, die bereit wären, im Bistra-Tal Arbeitsplätze zu schaffen.

Seine Ausgangslage ist nicht rosig: „In den viereinhalb Jahren, seit ich in Ferdinandsberg Bürgermeister bin, musste ich mit Betrübnis feststellen, dass von allen potenziellen Investoren, die sondierungsweise zu uns in die Stadt bekommen sind, um das Terrain in Augenschein zu nehmen, kein einziger geblieben ist. Wegen der Grundstücke.“

Die Kleinstadt Ferdinandsberg verfügt als Stadtbesitz nur noch über Grundstücke im Ortsteil Gai, wo Investitionen getätigt werden könnten. Dorthin gibt es aber keine gefestigten Zufahrtsstraßen, die auch von Fernlastern genutzt werden könnten. Die Reaktion aller potenziellen Investoren nach Kenntnisnahme der Situation: Nein, danke!

Dazu nun Bürgermeister Luca Mălăescu: „Wir haben verzweifelt nach Lösungen gesucht. Unsere Schlussfolgerung: eine sehr gute Variante für die Stadt wäre der Kauf des betonierten Plateaus unmittelbar neben dem Stahlwerk, am Bistra-Ufer, wo wir gewöhnlich unsere Sommerfeste abhalten. Dort gibt es rund 5000 Quadratmeter. Dafür bin ich nach Bukarest gereist und habe mit dem Finanzminister der Grindeanu-Regierung, Viorel Ştefan, verhandelt. Der hat mir versprochen, in dem Maße, wie es ihm das Gesetz erlaubt, uns dabei zu unterstützen, dieses vollkommen erschlossene Grundstück in Besitz zu nehmen. Das Finanzministerium ist der größte Gläubiger der Mechel-Gruppe. Das wäre die Grundlage für die Transaktion.“

Mălăescu gab sich überzeugt, nach Klärung der Besitzlage am dortigen Standort – er liegt quasi mitten in der Stadt, ist vollkommen erschlossen und mit (fast) jedwelchen Transportmitteln gut zugänglich – „in kürzester Zeit“ dort „zwei-drei Produktionshallen“ sehen zu dürfen. Konzessionieren würde er die Grundstücke „vorerst“ gratis. „Bei Gai haben die Investoren abgewinkt. Hier wäre es etwas ganz anderes.“

 

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