Steppenbrand und prügelnde Hirten

Feuerwehrmann am Löschen und Alarmschlagen gehindert

Donnerstag, 03. September 2015

Orawitza - Vor knapp einem Jahr wurde im Dorf Ticvaniu Mic, Gemeinde Ticvaniu Mare bei Orawitza/Oraviţa, ein Mann beim nächtlichen Nachhausegehen in einer Nebengasse mit aus einem Zaun gerissenen Hartholzlatten totgeprügelt. Der Täter, ein Schafherdenbesitzer, der seine Herde zwischen den beiden Ortschaften auf die Weide trieb, ist inzwischen verurteilt und sitzt eine lange Gefängnisstrafe ab. Doch seine Neffen, die Brüder Victoraş und Ionuţ Răuţ – Nomen est Omen, denn „rău“= böse – terrorisieren weiterhin die Bevölkerung dieser Ortschaften. Vergangenen Sonntagabend wurde der beim Gemeindeamt in Ticvaniu Mare angestellte Verantwortliche für Katastrophenschutz, Ilie Stăneci, vom Betreiber der örtlichen Mühle verständigt, dass die Weiden in Ortsnähe brennen und dass das Feuer seine Mühle bedroht, seine Existenzgrundlage. Ob das, in der nachträglichen Betrachtung, eine Falle war oder nicht, das müssen diejenigen feststellen, welche den Vorfall zu untersuchen haben. Auf alle Fälle sagt Stăneci heute, dass er erst eine Weile gezögert hat und überlegte, ob er nicht doch besser zuhause bleibt, bevor er aktiv würde. Er möge entweder mit der örtlichen freiwilligen Feuerwehr etwas unternehmen, forderte der Mühlenbetreiber, oder über 112 die Berufsfeuerwehr zum Löschen herbeibitten.


Stăneci begab sich erst mal in seinem eigenen Pkw an den Ortsrand, um die Lage in Augenschein zu nehmen. Begleitet wurde er vom freiwilligen Feuerwehrmann Ionuţ Cătălin Stejar und dessen Freundin, der in der zehnten Woche schwangeren 17jährigen Elena Popovici Rodica. In der Nähe der Feuerwalze stieg Stăneci aus seinem Wagen. Da tauchten auf einem Motorrad und einem Quad die beiden Brüder Răuţ auf, Hirten und Herdenbesitzer, die in der Gegend etwa 1000 Schafe auf den Weiden halten. Sie warnten Stăneci davor, über 112 das Feuer zu melden und einen Löscheinsatz auszulösen, worauf sie auf ihren Fahrzeugen verschwanden. Kurz danach erschienen zehn Tschobane und kreisten Stăneci und sein Fahrzeug mit den beiden Mitfahrern ein. Sie begannen auf ihn mit Fäusten und Füßen einzuprügeln, traten ihn und zerrissen ihm die Kleider. Ob der eine von den zehn Aggressoren, der mit einem Holzprügel bewaffnet war, auf ihn eingeschlagen hat, weiß Stăneci nicht zu berichten, weil sowohl er als auch sein Begleiter Stejar zusammengeschlagen am Boden lagen. Die Aggressoren prügelten dann auch noch auf das Fahrzeug von Stăneci ein und zerstörten dessen Karosserie. Als sie auch noch auf die 17jährige Schwangere einschlagen wollten, begann diese zu weinen und angesichts ihres Zustands um Schonung zu bitten, worauf sie nur noch Flüche und Grobianismen zu hören bekam. Sie war es dann auch, die über 112 die Polizei, die Ambulanz und die Feuerwehr rief, als sich die Aggressoren verzogen, die sämtlich den Zusammengeschlagenen bekannt sind. Die Polizei kam allerdings erst nach 50 Minuten an, die Ambulanz und die Feuerwehr waren prompt.

Stăneci hat eine Einlieferung ins Krankenhaus verweigert, hat jedoch die Dienste des Gerichtsmediziners in Anspruch genommen und benötigt 14 Tage ambulante ärztliche Behandlung. Er erstattete bei der Staatsanwaltschaft Anzeige gegen die Aggressoren und gab seine beiden Mitfahrer als Zeugen des Vorfalls an. Der Vorfall ist interessant, weil es das erste Mal seit vielen Jahren der Brandrodung mit unbekannten Tätern ist, dass die Brandstifter sich selber verraten haben, indem sie aggressiv auf die zur Brandlöschung Berufenen losgegangen sind. Zumal sie erst auf Stăneci einzuschlagen begannen, als dieser ihnen sagte, dass er gekommen sei, um über 112 Hilfe herbeizuholen zur Brandlöschung. Man darf gespannt sein, wie die Staatsanwaltschaft reagiert, aber auch, wie die Berufsfeuerwehr nun vorgeht. Wie bereits wiederholt berichtet, gehört die Brandrodung im Banater Bergland zu den „Bräuchen“, die trotz aller gegenteiligen Regelungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen im Herbst und im Frühjahr unverändert betrieben wird, vor allem, seit die Besitzer von Grund und Boden sich davon überzeugt haben, dass die EU-Zahlstelle APIA zwar Brandrodung verbal und dokumentarisch strikt verbietet, doch noch nie das Offensichtliche brandgerodeter Felder beispielhaft geahndet hat, indem den Grundstücksbesitzern ihre Subventionen gestrichen worden wären.

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