Stichwahl knickte PSD-Selbstvertrauen

Nur noch zwei PSD-Festungen blieben Sonntag Ponta treu

Montag, 17. November 2014

Reschitza - Das Zentrale Wahlbüro des Verwaltungskreises Karasch-Severin wurde um ein Uhr in der Nacht von Sonntag auf Montag versiegelt und die Medien damit vertröstet, dass die offiziellen Ergebnisse der Stichwahl für die Präsidentschaft im Banater Bergland Montag vormittags bekanntgegeben werden. So waren die Medien darauf angewiesen, sich die Infos zum historischen Wahlsonntag des 16. November 2014 von den Wahlkampfstäben der PSD und der ACL zu holen, wo die einen in verkrampftem Trübsinn wieder und wieder ihr Parallelmonitoring überprüften, und das, was sie nicht wahrhaben wollten, während die anderen den Champagner genossen, den die PDL-Vorsitzende und ACL-Ko-Präsidentin Valeria Schelean für 3 Uhr früh versprochen hatte, „wenn dann schon einiges klar sein wird“.

Selten ist es einem vergönnt, Lokalpolitiker so verdattert dasitzen zu sehen wie Sonntag in Reschitza die von der PSD nach Schließung der Wahllokale und Bekanntgabe der ersten Schätzungen zum Wahlausgang. Der Reschitzaer Bürgermeister Mihai Stepanescu, gleichzeitig einer der beiden Leiter des PSD-Wahlkampfes und in Parteisachen ein immer großmauliger PSD-Chef der Stadt, und sein Chef in der PSD, der Abgeordnete Ion Mocioalcă, gleichzeitig PSD-Organisator für die drei Banater Verwaltungskreise, versuchten beide extrem wortreich, aber mit leeren Worthülsen um sich schmeißend, allen etwas zu erklären, was ihnen selber nicht in den Kopf ging: sie hatten den sicher geglaubten Wahlsieg für  V.  Ponta vergeben und auch ihr gutes Ergebnis der ersten Wahlrunde im Banater Bergland nicht halten können.

Mehr noch, in Reschitza haben in der Stichwahl geschätzte 12.000 Wähler für Johannis und nur 9000 für Ponta gestimmt („ungefähr 56 zu 44 Prozent“, sagte der Reschitzaverantwortliche Stepanescu richtig belämmert), aber, laut der auch in dieser Wahlrunde sehr aktiven und auf Aufdeckung von Wahlbetrug erpichten Valeria Schelean, hat Klaus Werner Johannis in nahezu allen Städten des Banater Berglands den Wahlsieg errungen, auch in fast allen, wo es PSD-Bürgermeister gibt. In Reschitza, Ferdinandsberg/Oţelu Roşu, Bokschan/Bocşa, Karansebesch, Anina und Herkulesbad/Băile Herculane lag Klaus Werner Iohannis vorne. Nur Orawitza und Neumoldowa stimmten mehrheitlich für Ponta, während es in der ersten Wahlrunde alle Städte, außer Bokschan und Karansebesch, waren.

Bei einer Wahlbeteiligung von über 57 Prozent sind diesmal im Banater Bergland gute zehn Prozent mehr Wähler zu den Urnen gegangen als vor zwei Wochen und auch das Gesamtergebnis kann sich, laut Ion Marcel Vela, dem ACL-Ko-Präsidenten seitens der PNL, im Banater Bergland sehen lassen: die ACL-Spitzen tippten auf 52 zu 48 Prozent zugunsten von Johannis. Für Karansebesch erwartete Bürgermeister Vela ein Pro-Johannis-Ergebnis „das um die 60 Prozent liegen könnte“. Sorin Frunzăverde, der nach wie vor der (offene und geheime) politische Strippenzieher des Banater Berglands ist, erklärte den Medien, nachdem er das Wahllokal verlassen hatte: „Ich stimmte vor zwei Wochen und auch jetzt für den Beginn der Re-Demokratisierung Rumäniens, für einen Präsidenten, der diesem Land den unternehmerischen Geist wiedergeben möge. Wenn wir realistisch sind, müssen wir uns bewusst sein, dass diese Wahl die erste und einzig wirkliche Fortsetzung und Erfüllung der Revolution von 1989 ist, der Abschluss einer der schmutzigsten und hässlichsten Perioden der Gegenwartsgeschichte, die bereits, nicht zufällig, mit einer der schlimmsten Perioden der Nachkriegszeit, dem stalinistischen Jahrzehnt, verglichen wird. Jetzt muss der Polizeistaat vom neuen Präsidenten aufgelöst werden.“

Kommentare zu diesem Artikel

Tourist, 18.11 2014, 15:04
Was der mit Polizeistaat meint ist mir nicht klar. Die Polizei ist total unterfinanziert und personell ausgedünnt, in manche entlegenen Dörfer kommt sie nur, wenn man ihnen Geld fürs Benzin gibt. Damit sind manche Gegenden praktisch gesetzlose Zonen, wie im wilden Westen. Auch auf den Hauptverkehrsstraßen gibt es nur ganz selten Kontrollen, weshalb sich kein LKW-Fahrer an die 50 kmh-Beschränkung innerhalb von Ortschaften hält, wirklich keiner. Rumänien hat nicht zu viel Polizei, sondern zu wenig.

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*