Straßenproteste gegen umstrittenes Projekt Roşia Montană gewinnen an Intensität

Großdemos in Bukarest, Klausenburg, Kronstadt und anderen Städten

Montag, 09. September 2013

Zur größten Demo seit Ausbruch der Protestbewegung gegen das umstrittene Goldförderprojekt Roşia Montană kam es am Sonntagabend in Bukarest, wo etwa 10.000 Menschen auf die Straße gingen.
Fotos: Christian Binder

Bukarest (ADZ) - Die Proteste gegen den in den Westkarpaten geplanten und von der Regierung abgesegneten Goldabbau im Zyanid-Verfahren haben am Wochenende einen neuen Höhepunkt erreicht: Landesweit gingen Zehntausende Menschen auf die Straße – neben der Hauptstadt auch in Klausenburg/Cluj, Kronstadt/Braşov, Karlsburg/Alba Iulia, Sfântu Gheorghe, Suceava und Jassy/Iaşi.

Allein in Bukarest beteiligten sich am Sonntagabend geschätzte 10.000 Menschen an einem Protestmarsch quer durch das Stadtzentrum; in Klausenburg gingen mehr als 6000 Menschen auf die Straße und forderten „Natur, nicht Zyanid“. In Karlsburg wurde indes nicht nur wider, sondern auch für die Goldförderung in Roşia Montană demonstriert.

Dass die Dauerproteste die aktuellen Machthaber gehörig unter Druck setzen, zeigt sich diese Tage anhand der immer widersprüchlicheren Politikeraussagen. So ließ Umweltministerin Rovana Plumb am Sonntag wissen, dass ihr Ministerium das Goldprojekt noch nicht genehmigt habe – es werde dazu erst nach den einschlägigen Parlamentsdebatten befinden, so die Ressort- und PSD-Vizechefin. Plumbs Angaben stehen allerdings in krassem Widerspruch zu den Aussagen des Regierungschefs – Victor Ponta hatte nämlich letzter Tage hervorgehoben, dass sein Kabinett die Gesetzesvorlage betreffend das Roşia-Montană-Projekt erst nach Einnahme sämtlicher Genehmigungen aller zuständigen Ministerien abgesegnet habe.

Senats- und Liberalenchef Crin Antonescu lobte in einem Fernsehgespräch indes den „Bürgersinn“, der dieser Tage demonstrierenden Menschen und erklärte, dass ein gemischter Ausschuss der beiden Parlamentskammern einberufen werden müsse, um mit den Vertretern der Zivilgesellschaft umgehend Gespräche aufzunehmen.

Trotz der massiven Straßenproteste scheint sich der Großteil der Bürger jedoch weiterhin für das umstrittene Goldprojekt auszusprechen. Laut Ergebnissen einer im Zeitraum 6. - 7. September erfolgten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts CSCI befürworten zurzeit vier von fünf Rumänen das Goldförderprojekt – 79 Prozent der Befragten sprachen sich dafür und nur 9 Prozent entschieden dagegen aus.

Kommentare zu diesem Artikel

Tourist, 09.09 2013, 22:45
es haben sich tatsächlich viel mehr Leute als erwartet an den Protesten beteiligt und nicht nur die studentische Jugend, auch Familien mit Kindern, Senioren, Leuten denen die Natur am Herzen liegt, Leute denen die Korruption auf die Nerven geht, oder Leute die aus patriotischen Gründen den Ausverkauf des Landes kritisieren. Jedenfalls ein breiter Querschnitt durch die Bevölkerung. Sollte das Minenprojekt doch noch verhindert werden, wäre das wie damals Wackersdorf in Bayern oder Hainburg in Österreich. Bin aber skeptisch. Dazu ist schon zu viel Schmiergeld an die Entscheidungsträger geflossen.
Ottmar, 09.09 2013, 16:09
Kehrt doch noch demokratisches Handeln in Rumänien ein. Respekt. Schaun mir mal wie es so schön in Bayern heisst.

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