Streit um Tschechisch

Dem Bürgermeister der Tschechengemeinde Gârnic wird Nationalismus vorgeworfen

Donnerstag, 29. Juni 2017

Neumoldowa – In der Tschechengemeinde Gârnic, in den Randgebirgen des Donauengpasses beim Eisernen Tor, wurden zwei Posten für Touristenführer ausgeschrieben. Die Gemeinde hat sich im vergangenen Jahrzehnt einen guten Ruf als touristischer Anziehungspunkt erarbeitet, vor allem in Tschechien – wo man anscheinend die eigene Geschichte wiederentdeckt – von wo geschätzt 3000 Touristen jährlich hierher zu Besuch kommen. Natürlich hat sich hier auch eine rudimentäre Infrastruktur entwickelt, mit Unterkunfts- und Verköstigungsmöglichkeiten in fast jedem Haus.

Bürgermeister Nicolae Tismonariu, der selber aus der Nachbargemeinde Padina Matei stammt und kein Tschechisch spricht, ließ für das touristische Informationszentrum von Gârnic zwei Posten als Touristenführer ausschreiben. Neben Ortskenntnissen sollen die Kandidaten auch rudimentäre Kenntnisse des Englischen, Französischen und Deutschen haben. Tschechisch wird nicht erwähnt und jeder Versuch, den Bürgermeister oder seinen Sprecher, Gemeindesekretär Popescu bzw. Vizebürgermeister Venţel Piecek aufs Thema anzusprechen, endet mit der Abstellung des Mobiltelefons.

Selbst eine Delegation der tschechischen Botschaft in Bukarest, mit Konsul Dr. Roman Posa, die sich nach Gârnic begab, um über die elementare Kommunikationsbedingung, der Beherrschung einer Sprache der örtlichen Gemeinschaft (in Gârnic sind über 95 Prozent der Bewohner Tschechen), zu beraten, brachte keine Begegnung mit Bürgermeister Tismonariu. Ebenso blieb ein Brief des Leiters des tschechischen Kulturzentrums in Bukarest, Frantisek Zachoval, an die Präfektur Karasch-Severin und ans Rathaus Gârnic unbeantwortet. Der Botschafter Tschechiens in Bukarest, Vladimir Valky, der die Situation aufmerksam verfolgt, sagte kategorisch den Medien: „In Gârnic, wo zu 99 Prozent Tschechen leben und wo jährlich tausende Tschechen zu Besuch kommen, können wir nicht akzeptieren, dass die Touristenführer, die angestellt werden, kein Tschechisch beherrschen. Ich wurde über die Lage schon vor zwei Wochen informiert und habe vergangene Woche eine Delegation der Botschaft hingeschickt, die sich vor Ort informieren sollte und mit dem Herrn Bürgermeister ein Gespräch führen wollte. Der war aber nicht zu finden, obwohl er über den Besuch beizeiten informiert worden war. Wir wollen bloß, dass der Besetzungswettbewerb neu ausgeschrieben wird, mit der Klausel der Beherrschung des Tschechischen. Zumindest für einen der beiden Posten.”

Auch die Intervention der Union der Tschechen und Slowaken Rumäniens, Filiale Banat-Süd, durch deren Vorsitzenden Stefan Bouda, brachte bislang nichts. Die rumänischen Medien des Banater Berglands, die den Fall mit überraschender Sympathie verfolgen, sprechen dauernd von einem „übertriebenen Nationalismus” der Rathausleitung/des Bürgermeisters, aber auch vom Verdacht, dass die beiden Posten, die vom Rathaus bezahlt werden, genau auf die beiden Kandidaten zugeschnitten seien, die sich gestellt haben (und kein Tschechisch können): sie sind Landsleute aus Padina Matei des Bürgermeisters Tismonariu...

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