Studentenkunst unter die Leute bringen

Zahlreiche Festivals sind in diesem Jahr angesagt

Mittwoch, 19. März 2014

Grigore Grigoroiu (im Bild) leitet zusammen mit Vlad Gârboni seit einem Jahr das Kulturhaus der Studenten.

Seit fast einem Jahr hat das Kulturhaus der Studenten in Temeswar/Timisoara eine neue Leitung. Vlad Gârboni und Grigore Grigoroiu heißen die jungen Manager, die die Tradition des Kulturhauses der Studenten wiederbeleben und die Tätigkeiten innerhalb des Hauses für die Temeswarer Studenten und nicht nur zugänglicher machen wollen. Seit Ende der 50er Jahre dreht es sich im Kulturhaus um Themenbereiche wie Literatur, Fotografie, Tanzen, Musik, Theater und Folklore.

Im Laufe der Jahre wurde das Kulturhaus zu einer der wichtigsten Institutionen der Stadt für junge Künstler. In den Räumen des Kulturhauses der Studenten wurden zahlreiche bedeutende Gruppen im Bereich der Musik, der Literatur, des Tanzes oder des Theaters gegründet, wie zum Beispiel die Rockbands Phoenix, Celelalte Cuvinte, Blazzaj und viele andere, die Volkstanzgruppe „Doina Timisului“, die Tanzgruppe „Reflex“ oder die Theatergruppe „Thespis“ bzw. die Theatergruppe der deutschsprachigen Studenten aus Temeswar oder der Literaturkreis der „Aktionsgruppe Banat“. Hier waren in der kommunistischen Epoche Literaturkreise tätig. Schriftsteller und Dichter wie zum Beispiel Marcel Tolcea, Viorel Marineasa, Robert Serban und Eugen Bunaru, aber auch Richard Wagner, Johann Lippet, Herta Müller, Anton Sterbling, William Totok begannen ihren literarischen Weg ebenfalls im Temeswarer Kulturhaus der Studenten.

In den vergangenen Jahren konfrontierte sich die Einrichtung mit zahlreichen Problemen – die Rückerstattung des Gebäudes an die römisch-katholische Kirche, die ständige Unsicherheit, ob die Einrichtung weiterhin im Haus auf dem Tineretii-Boulevard ihre Tätigkeit durchführen darf, Versprechungen für den Bau eines neuen Gebäudes und die Verlängerung der Mietfrist – all das verunsicherte die Studenten, hielt einen Teil vom Temeswarer Kulturhaus der Studenten fern. Alles soll sich jetzt aber ändern – das verspricht Grigore Grigoroiu, der stellvertretende Leiter des Hauses – denn das Kulturhaus geht auf die Straße, unter die Leute. Lesen Sie im Weiteren ein Gespräch mit dem stellvertretenden Leiter des Temeswarer Kulturhauses, über die Pläne und Tätigkeit der Kultureinrichtung. Das Interview wurde von der BZ-Redakteurin Andreea Oance geführt.

 

Vor Jahren war das Kulturhaus der Studenten eine sehr wichtige Kultureinrichtung in Temeswar. Ist die Einrichtung heutzutage noch für Studenten attraktiv?

Die Kultureinrichtung ist, meiner Meinung nach, auch heute noch attraktiv. Die Tätigkeit innerhalb des Hauses soll weiterhin als eine Alternative für die Freizeit der Studenten dienen. Sie können unter anderem tanzen lernen, fotografieren, Theater spielen oder ihre Begabung für Literatur ausüben. Sehr berühmt und geschätzt ist die Folklore-Gruppe „Doina Timisului“ – das Folklore-Ensemble feiert in diesem Jahr 55 Jahre seines Bestehens. Im Vorjahr wurde die Gruppe nach China eingeladen, als einziges rumänisches Studentenensemble, bei einem internationalen Festival teilzunehmen. Der Literaturkreis „Pavel Dan“ lädt immer wieder Literaturbegabte im Haus der Studenten ein. Die Temeswarer sind auch eingeladen, Fotos sowohl mit einer digitalen, als auch mit einer Filmkamera zu machen und dabei ihre Fotos auch in unserer Dunkelkammer zu entwickeln. Auch die Tanzgruppe „Reflex“ für moderne Tänze, einst von Marcel Botscheller gegründet, ist bereits eine Traditionsgruppe hier im Haus. Für all unsere Tätigkeiten gibt es nun eine Webseite – www.forum-studentesc.ro. Dort ist auch die Geschichte jeder Gruppe innerhalb des Hauses zu lesen. Ein mobiles Theaterstudio soll demnächst auch gegründet werden. Das Studio kann dann auf der Straße montiert und Theater direkt vor den Passanten aufgeführt werden. Das ist auch eines unserer Hauptziele für die Zukunft: Die Tätigkeit des Kulturhauses auf der Straße, Studentenkunst unter die Leute zu bringen. 

 

Die Strategie des Kulturhauses ist also: wenn die Leute nicht ins Kulturhaus der Studenten kommen, dann kommt das Kulturhaus zu ihnen. Was für Tätigkeiten kann man denn außer Hauses durchführen?

Unser Ziel ist es nun, alle unsere Tätigkeiten auf die Straße zu bringen. Die Studenten sind meistens nicht so gut informiert, dafür haben wir während des letzten Jahres die Zusammenarbeit mit den Studentenligen verstärkt. Jede Woche kommt nun ein Vertreter der jeweiligen Liga und bietet an, unser Partner für die verschiedenen Veranstaltungen zu werden. Das machen wir natürlich gern, auch wenn die Unterstützung dazu nicht finanziell ist. Sie besteht meistens aus unserer kulturellen Hilfe. Es gab bisher viele große Events, wo wir mitgeholfen haben: Das Anna Moura-Konzert, die Lord-Of-The-Dance-Show, das Barock-, das Bega-Boulevard-Festival. Wir haben auch einige Jugendliche beim Drehen des Videoclips „Timi{oara-Happy“ unterstützt.

 

Das Kulturhaus der Studenten wurde als eine Einrichtung für die Freizeitgestaltung der Temeswarer Studenten gedacht. Ist es aber heutzutage noch der Fall? Wer sind eigentlich die Mitglieder der jeweiligen Klubs und Gruppen?

Die meisten sind Studenten, aber wir haben auch Schüler und Kinder, die bei den jeweiligen Gruppen mitmachen. Innerhalb des Kulturhauses haben wir auch die Tanzgruppen „Mini-Reflex“ und „Mini-Matrix“. Diese wenden sich den Kindern bis zehn, zwölf Jahren zu. Es sind aber auch ehemalige Studenten, die unserer Tätigkeit verbunden sind. Die Studenten freuen sich aber über die jeweiligen Gruppen unserer Einrichtung, denn die Kurse sind kostenlos. Wenn zum Beispiel jemand irgendwo anders tanzen oder fotografieren lernen möchte – dort muss er dafür bezahlen. Hier kann er all das kostenlos lernen.

 

Welche der Kulturgruppen ist am meisten gefragt? Welcher Kreis hat die meisten Teilnehmer?

Die meisten Teilnehmer sind bei den Tanzgruppen. Da gibt es auch unterschiedliche Tanzgruppen-Niveaus – Gruppen für Anfänger und Fortgeschrittenen. Beim Fotokurs und bei der Theatergruppe gibt es auch viele Interessenten. Die Wenigsten sind beim Literaturkreis – etwa 20 Mitglieder. Natürlich ist das auch verständlich, nicht alle Leute können Gedichte oder Geschichten schreiben. Der Literaturkreis „Pavel Dan“ hat aber im Vorjahr sogar eine Auszeichnung seitens des Schriftstellerverbandes bekommen.

 

Sie haben als neues Projekt für dieses Jahr das mobile Theaterstudio erwähnt. Wie wird das funktionieren?

Das mobile Theaterstudio ist eigentlich eine Bühne, die an verschiedenen Orten montiert wird. Nach der Vorführung wird sie abgebaut. Das bietet die Möglichkeit, den Leuten näher zu kommen. Denn das Studio kann so an den ausgefallensten Orten montiert werden. Noch haben wir die notwendige Ausrüstung nicht, doch wir haben Versprechungen seitens der Stadt und der West-Univesität, finanzielle Unterstützung dafür zu bekommen. Derzeit haben wir aus eigenen Fonds das Beleuchtungssystem und die Verstärker-Anlage erworben.

 

Das Gebäude des Kulturhauses der Studenten in Temeswar wurde vor einigen Jahren der römisch-katholischen Kirche rückerstattet. Wie sieht es mit der Investition innerhalb des Hauses aus?

Es gibt vieles, was hier im Haus modernisiert oder saniert werden muss, aber gerade weil das Gebäude nicht uns gehört, ist es sehr schwer, eine Finanzierung zu bekommen. Ein Grund dafür ist auch der Mietvertrag, der nur für kurze Zeit geschlossen wurde und immer wieder verlängert wird. Das bedeutet Unsicherheit sowohl für das Kulturministerium, als auch für andere Investoren, die uns in dieser Lage nicht unterstützen wollen, da es keine Sicherheit gibt, dass wir hier im Haus bleiben. Darüber haben wir auch mit den Vertretern der römisch-katholischen Kirche gesprochen – die Miete ist für uns teuer und das Geld vom Kulturministerium ist pro Jahr ziemlich knapp.

Man hat im Laufe der Jahre auch Alternativen gesucht. Das Gebäude des Kulturhauses ist aber ein Gebäude mit viel Geschichte und es wäre nur sehr schwer ersetzbar. Eine Lösung kam vor einigen Jahren auch von der TU „Politehnica“. Der damalige Rektor (und heutige Temeswarer Bürgermeister) Nicolae Robu schlug ein Gelände am Vasile-Pârvan-Boulevard als neuen Standort für das Kulturhaus vor. Die finanzielle Unterstützung für den Bau sollte vom Kulturministerium kommen – das passierte aber nicht. Eine weitere Lösung sollte der Umzug in das Gebäude des Emanoil Ungureanu-Lyzeums sein. Es gab auch Diskussionen über den Umzug ins Temeswarer Jugendhaus, doch es gibt dort nicht genug Platz für uns. Wir bräuchten viele Proberäume für unsere Ensembles, dazu kommen noch die Büros. Auch dass unsere Büros in die Theresien-Bastei umziehen, wurde während der Zeit in Betracht genommen. Der Mietvertrag wurde mit der römisch-katholischen Kirche zwischenzeitlich aber verlängert, so dass wir nun weiterhin im Haus bleiben. Kleinere Investitionen wurden hier getätigt – wie die Sanierung der Toiletten und Bäder, jedoch können wir uns umfangreiche Arbeiten, wie die Neugestaltung des Konzertsaals, nicht leisten, solange das Gebäude nicht unser ist.  

 

Viele Bands machten früher ihr Debüt innerhalb des Temeswarer Kulturhauses der Studenten. Welche Bands sind heutzutage im Haus tätig?

Es gibt etwa zwölf Rockbands, die von uns immer wieder unterstützt und gefördert werden. Unter anderen kann ich folgende Bands erwähnen: Big Brothers Band, Phaser, Sonatic, Implant pentru Refuz, Survolaj, Era Ticalosilor. All unsere Bands können auch auf der Webseite www.ccs-tm.ro gesehen werden. In dieser Hinsicht nehmen wir uns vor, in diesem Jahr das Festival „Replik Rock“ ins Programm aufzunehmen. All unsere Bands sollen dabei auftreten. Die letzte Auflage dieses Festivals fand 2012 statt, damals wurde das Festival im Kulturhaus veranstaltet. Nun wollen wir dieses Festival outdoor veranstalten. Es soll mehr als nur 400 Zuschauer pro Auftritt haben. Auf unsere Wunschliste für die Veranstaltung des Festivals im Freien steht der Capitol-Sommergarten in der Temeswarer Innenstadt. Laut unserer Planung soll „Replik Rock“ Ende Mai oder Anfang Juni stattfinden. Aber nicht nur dieses Festival soll in diesem Jahr stattfinden. Auch ein Festival für Music-Hall wird im Sommer dieses Jahres ins Leben gerufen. Und wenn es um neue Festivals in Temeswar geht: das Bürgermeisteramt kündigte Anfang des Jahres die Veranstaltung der „Woche der Temeswarer Künste“ an. Das Kulturhaus der Studenten wird in fast allen Bereichen der Kunst dabei sein – aus etwa 24 Events innerhalb dieser Woche wird unser Haus an 20 teilnehmen.

 

Sie erwähnten zahlreiche Festivals und Veranstaltungen für das Jahr 2014. Was steht noch an?

Die größeren Events haben eine erhebliche Auswirkung auf das Publikum, so dass wir uns vorgenommen haben, in diesem Jahr mehr solche Veranstaltungen zu organisieren. Neben den bereits erwähnten Festivals wird in diesem Jahr auch eine Feier der 55 Jahre seit der Gründung des Folklore-Ensembles „Doina Timisului“ stattfinden. Ende des Monats wird innerhalb des Hauses das Event „24 Stunden Theater“ stattfinden. Aber wir versuchen, bei je mehr Veranstaltungen in Temeswar dabei zu sein und kulturell beizutragen – wie zum Beispiel am 28. März bei der Box-Gala im Constantin-Jude-Saal, wo unsere Ensembles für modernen Tanz in den Halbzeiten performen werden. Unser Ziel ist von allen, bekannter zu werden und eines der wichtigsten Kulturzentren für die Temeswarer Jugend zu sein.

 

 

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