Süße Erinnerungen

Ausstellung zur Geschichte der Schokoladenproduktion in Konstadt

Samstag, 14. Januar 2017

Die Kronstädter können sich mit Sicherheit an die „CIBO“-Schokolade erinnern, die in der Stadt unter der Zinne hergestellt wurde.
Foto: die Verfasserin

"Es ist schade, dass Industie zu Geschichte wird”. Mit diesen Worten eröffnete in der Vorweihnachtszeit 2016 Liliana Fulga, Leiterin des Museums für städtische Zivilisation, die Ausstellung „Caramels. Bonbons et chocolat. Die Geschichte der Schokolade in Kronstadt“. An der Vernissage nahmen viele ehemalige Angestellte der Schokoladenfabrik “Cibo” (nach der Wende “Kraft Jacobs Suchard”) teil. Mehr als ein Jahrhundert lang war die Herstellung von Schokolade eine Tradition in der Stadt unter der Zinne. Viele Kronstädter erinnern sich auch heute: wenn man auf der Mittelgasse spazieren ging, duftete es nach Kakao.

Inzwischen wurden die Fabrikgelände abgerissen. An der Stelle, wo früher Schokobonbons vom Fließband kamen, sollen in Zukunft Supermärkte, Hotels und Büros entstehen. Die über hundertjährige Tradition hat im Jahr 2009 ein Ende gefunden. Am 19. November wurde die letzte Schokolade hergestellt. Doch die Erinnerungen bleiben wach. Bei der Vernissage sprachen sowohl Christel Berbec, ehemalige langjährige Angestellte der Schokoladenfabrik, als auch Dorian Lungu, in dessen kleinem Unternehmen „Luado“ Schokopralinen hergestellt werden.

Von der “Schokoladenzeit“ zeugt eine kleine Ausstellung mit Infotafeln, Werbematerialien und Schokoladenverpackungen, die bis April im Museum für städtische Zivilisation besucht werden kann. Eine interessante Ausstellung sowohl für Touristen als auch für Nostalgiker.
 

Hundert Jahre Geschichte

Ob als Milchschokolade oder zartbitterer Riegel, ob als heißes Getränk oder Praline – es gibt kaum jemanden, der nicht süchtig nach Schokolade ist. Früher galt Schololade als Delikatesse und wurde nur vom höchsten Adel konsumiert. Heute ist sie zur Massenware geworden. Wenn heute der ganze Herstellungsprozess automatisiert ist, erfolgte früher 90% der Arbeit manuell. Für ein Produkt arbeitete man fast 100 Stunden. Bei der Ausstellungseröffnung erzählte Kuratorin Camelia Neagoe über die Anfänge der Schokoladengeschichte in Kronstadt. „Der vielleicht prominenteste Kronstädter Feinbäcker aus dem 19. Jahrhundert war Josef Montaldo, der in der Stadt wegen seiner Ähnlichkeit mit Napoleon III. bekannt war. Er war der wichtigste Lieferant von Torten für alle großen Feste. Auch sein Haus auf der Purzengasse Nr. 14 ist als Tortenhaus bekannt. Auf dem Marktplatz gab es zwei Konditoreien, Zum türkischen Kaiser und Zum weißen Löwen, wobei letztere der Familie Hesshaimer gehörte. Später sollten die Nachkommen dieser Familie die Siebenbürgische Kanditen- und Schololadenfabrik gründen“. Nach kurzer Zeit erscheint auch die zweite Schokoladenfabrik der Stadt, Teil der Stollwerck-Werke aus Köln. Nach der Übertragung des sowjetischen Stollwerck-Eigentums an Rumänien im Jahr 1953 werden die beiden Schokoladen-Fabriken unter dem Namen „Dezrobirea“ zusammengelegt. 1966 erfolgt die Umbenennung in „Cibo“.
 

Die Tradition ist nicht kompeltt verschwunden
 

Nach der Wende 1989 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und erhielt den Namen „S.C. Poiana – Produse Zaharoase S.A.“ Als eines der ersten Kronstädter Unternehmen wird die Schokoladenfabrik an einen ausländischen Investor veräußert. Neuer Eigentümer wird Kraft Foods, die spätere Kraft Jacobs Suchard. Deren Hausmarke „Poiana“ wird Marktführer bei Schokoladen in Rumänien und in 15 Länder exportiert. Andere bekannte Marken waren „Silvana“, „Smash“ oder „Sugus“.

Dieser Erfolg bedeutete leider ein Ende für die Produktion in Kronstadt. Es war keine Erweiterung an den bestehenden Standorten möglich. Einen weiteren Standort wollte das Unternehmen in Kronstadt nicht einrichten. 2008 wurde der Entschluss gefasst, die Produktion nach Bulgarien zu verlagern. 2009 schloss die Fabrik für immer ihre Tore.
Und trotzdem wird in Kronstadt weiterhin Schokolade hergestellt. Luado Chocolate kann man in einem kleinen Geschäft in der Appollonia- Hirscher-Gasse oder an einem Stand im „Star“-Kaufhaus kaufen. Manche Cafes der Stadt bieten außerdem heiße Schokolade der Marke Luado an- es sind eigentlich Pralinen am Stiel, die sich in heißer Milch auflösen. Für die Dauer der Ausstellung können die Pralinen von Luado auch beim Museum für städtische Zivilisation gekauft werden. Die Ausstellung kann bis Ende März dienstags bis sonntags zwischen 9 und 17 Uhr besucht werden. Der Eintrittspreis für das gesamte Museum beträgt 7 Lei, ermäßigt 3 Lei für Rentner und 2 Lei für Schüler und Studenten.

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