Synthese über die deutsche Minderheit nach 1918

Die rumänischsprachige Dokumentation für Historiker aber auch Laien gedacht

Sonntag, 30. Dezember 2018

Unter dem Titel „Un veac frământat. Germanii din România după 1918“ (Ein bewegtes Jahrhundert. Die Deutschen aus Rumänien nach 1918) ist kürzlich die von Ottmar Trașcă und Remus Gabriel Anghel koordinierte Synthese  im Klausenburger Verlag  des Institutes  für die Erforschung der Probleme der nationalen Minderheiten erschienen und wurde von diesen bei Begegnungen mit Lesern vorgestellt.  Praktisch umfasst der über 460 Seiten starke Band  außer Beiträgen der beiden Herausgeber auch Referate als Forschungsergebnisse anderer namhafter Historiker und  Journalisten: Vasile Ciobanu, Florian Kührer-Wielach,  Hannelore Baier, Laura Gheorghiu, Ulrich Andreas Wien, Rudolf Poledna, Claudiu Mihail Florian, Ovidiu Oltean.
Das Erscheinen dieses aufklärenden und sehr gut dokumentierten Bandes ist ganz besonders jetzt willkommen und zu begrüßen, eine Periode in der wiederholt grobe, unberechtigte  Anschuldigungen gegen den Staatspräsidenten, das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien als angeblicher  Nachfolger der Deutschen Volksgruppe erhoben werden. Trotz der wiederholten Proteste einschließlich aus dem Ausland, dem gerichtlichen Vorgang gegen Personen oder Formationen, um derartige Aussagen zu dementieren, wiederholen sich immer wieder solche  Attacken.  Ottmar Tra{c² als Historiker und Remus Gabriel Anghel als Soziologe haben in in- und ausländischen Archiven sich dieser Problematik gewidmet und haben vor zwei Jahren begonnen, diesen Band zu dokumentieren und weitere Mitarbeiter heranzuziehen, wie sie bei der am Freitag, dem 14. Dezember stattgefundenen Begegnung mit einer sehr interessierten Leserschaft im Festsaal der Kronstädter Kreisbibliothek „George Barițiu“ betonten.  
Die Geschichte der seit über 800 Jahren eingewanderten Sachsen und der über 200 Jahren eingewanderten Schwaben ist nach 1918 nicht immer nur unter den besten Voraussetzungen gekennzeichnet, hatte auch dramatische Perioden. Nachdem sich diese für die Vereinigung Siebenbürgens, des Banats, der Maramuresch mit Rumänien ausgesprochen hatten, folgten anfangs Jahre des Aufblühens dieser Minderheit zwischen den beiden Weltkriegen, bis zur politischen Radikalisierung eines Teil dieser Minderheit unter dem national-sozialistischen Einfluss. Nach Kriegsende folgten die Repressalien gegen diese Minderheit, die als profaschistisch gestempelt wurde.
Deportation in die ehemalige Sowjetunion, Enteignung, Evakuierung, Auswanderung nach 1978, und der  massive Exodus nach der Wende von 1989. So ist es dazu gekommen, dass von den fast 800.000 ehemaligen Angehörigen dieser Minderheit, heute noch etwas über 40.000 in Rumänien leben. Vasile Ciobanu bietet eine diesbezügliche Übersicht  der Stellung der deutschen Minderheit in den Jahren nach der Vereinigung von 1918  bis 1933, wobei er auch auf die deutschen Angehörigen aus der Bukowina, Bessarabien, den anderen vereinzelten Gruppierungen wie die Zipser, außer den Sachsen und Schwaben eingeht.

Die beiden nächsten Kapitel des Bandes widmen sich einer sehr komplexen Periode aus der Geschichte der deutschen Minderheit. Florian Kührer-Wielach  bezieht sich auf die Radikalisierung und die Anpassung an die Ideen des National-Sozialismus innerhalb eines Teils der deutschen Angehörigen aus dem Land.  Als sehr guter Kenner  bietet Ottmar Tra{c˛  Daten über die Deutsche Volksgruppe in der Ära von Andreas Schmidt in der Zeit vom September 1940 bis August 1944. Unter seiner Leitung kam es zu der Unterstützung der deutschen Kriegshandlungen, er arbeitete verschiedene politische Projekte aus, die einschließlich von der Regierung Antonescu in Zweifel gezogen wurden. Über 66.000 junge Männer wurden in die Waffen SS eingezogen, Kirche und Schulen kamen unter die Kontrolle der Deutschen Volksgruppe. In der anschließenden Aussprache stellten mehrere Teilnehmer Fragen an den Autoren, wobei Ottmar Tra{c˛ betonte, dass es auch noch viele Dokumente gibt, zu denen er sich noch keinen Zugang schaffen konnte. Er bezeichnete diese Periode als einen Riss in der Geschichte der deutschen Minderheit.
Im nächsten Kapitel bezieht sich Hannelore Baier als autorisierte Kennerin  der Zeitspanne nach dem Zweiten Weltkrieg und den Folgen für die deutschen Angehörigen auf die Willkürmaßnahmen, denen diese ausgesetzt worden sind. Die Deportation der arbeitsfähigen Männer und Frauen in die Sowjetunion zur Zwangsarbeit  wird laut den damaligen Beschlüssen dokumentiert. Rund 70.000 Personen wurden unter unmenschlichen Bedingungen in den Jahren 1945 – 1949 für die „Wiederaufbauarbeit“ in Bergwerken, Steinschlägen, in der Landwirtschaft eingesetzt. Auch im Land wurden viele in Arbeitslager interniert. Die Diskriminierung fand kein Ende, was auch durch die Agrarreform ersichtlich wurde.  Laura Gheorghiu  geht in ihrem Beitrag auf die  Anfangsjahre des kommunistischen Regimes in Rumänien ein, auf die  Deportation in den B˛r˛gan, auf die Gerüchte, die um sich griffen, einschließlich dem, dass die deutschen Angehörigen ausgesiedelt werden, ein.  Ulrich Andreas Wien analysiert die Rolle der Evangelischen Kirche A.B. und ihre Stellung in den Jahren nach 1918. Rudolf Poledna unternimmt eine soziologische Studie bezüglich der Umwandlungen, die nach dem Zweiten Weltkrieg innerhalb der deutschen Bevölkerung stattgefunden haben.
Claudiu Mihail Florian sowie auch  Remus Gabriel Anghel gemeinsam mit Laura Gheorghiu beziehen sich auf die Aussiedlung, auf die diesbezüglichen Abkommen zwischen der Bundesrepu-blik Deutschland und Rumänien. Abgeschlossen wird der Band mit der Studie von Ovidiu Oltean bezüglich der gegenwärtigen Situation der deutschen Minderheit, auf die Rolle des Demokratischen Forums der Deutschen als deren Vertretung.
Sämtliche Materialien sind mit einer reichen Bibliographie versehen, was einen zu weiteren Quellen führt. Im Anhang  ist eine Liste  der Autoren mit ihren biographischen Daten, eine Auswahlbibliographie, ein Namensregister sowie ein reicher Bildanhang einzusehen. Ein Dokumentation, die zu begrüßen ist und hoffentlich vor allem in den in der Geschichte der deutschen Minderheit wenig bewanderten Kreisen zur Kenntnis  kommt.

Kommentare zu diesem Artikel

dan, 16.01 2019, 14:17
Sicher eine notwendige Arbeit.
Anderseits werden seit 2000 vermehrt Publikationen zum gleichen Theme veröffentlicht.
Die meisten Beiträge wurden schon in anderen Büchern veröffentlicht.
Es geht immer um die Vergangenheit.
Heißt das, das die Existenz der Deutschen in Rumänien abgeschlossen werden soll?
Warum werden keine Bücher und Arbeiten zur Zukunft der Deutschen in Rumänien veröffentlicht?

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