Tanja Dückers ist neue Dorfschreiberin von Katzendorf

Eingebettet war die Ehrung in das Katzendorfer Dorfschreiberfest

Samstag, 11. Juni 2016

Der Künstler Daniel Răduţă übergibt die Katze mit der Feder an die Dorfschreiberin Tanja Dückers. Neben ihr der Organisator Frieder Schuller.
Foto: Manuel Stübecke

Hermannstadt – Es ist Freitagmorgen, der 3. Juni 2016, als der rumäniendeutsche Schriftsteller Frieder Schuller orakelt: „Jetzt setzen sie sich in Bewegung, die Autos aus Bukarest und Hermannstadt. Alle wollen sie nach Katzendorf.“ Und tatsächlich: Im abgelegenen Katzendorf/Caţa bei Reps/Rupea versammelten sich Künstler, Journalisten und Intellektuelle. Geladen hat Schuller selbst, zum Dorfschreiberfest. Gekommen sind sie auch, um der Ehrung der Schriftstellerin und Journalistin Tanja Dückers als neue Dorfschreiberin beizuwohnen. Bereits zum vierten Mal wurde das Literaturstipendium vergeben. Eine Auszeichnung und Unterstützung gleichermaßen. In den kommenden zwölf Monaten erhält die Dückers die Gelegenheit, vor Ort zu recherchieren und an einer journalistischen, literarischen oder wissenschaftlichen Publikation über Siebenbürgen zu arbeiten, und sie wird die Gelegenheit mit ihrem Talent nutzen. „Im deutschen Diskurs ist sie eine Stimme geworden“, lobte Frieder Schuller die Berliner Autorin, die sich regelmäßig in der Wochenzeitung DIE ZEIT in einer Kolumne zur Gegenwart äußert. Michaela Nowotnick betonte in der Laudatio, dass sich die Autorin aktiv in gesellschaftliche und gesellschaftspolitische Debatten einbringe und so das Überdenken eingefahrener Muster forciere. Überreicht wurde ihr die bekannte Katzenskulptur des Künstlers Daniel Răduţă, mit der schon Elmar Schenkel, Jürgen Israel und Carmen Francesca Banciu ausgezeichnet wurden.

Eingebettet war die Preisverleihung in das Katzendorfer Dorfschreiberfest. Dabei hat Frieder Schuller auf Abwechslung gesetzt. Die Berliner Literaturwissenschaftlerin Michaela Nowotnick sprach über Schätze auf Dachböden, genauer über Notsicherungen historischer Quellen. Viele wüssten gar nicht, welche alten Briefe und Dokumente bei ihnen daheim verstaubten und für die Wissenschaft von großem Wert seien. Um Geschichte ging es auch beim Vortrag von Manuel Stübecke. Auf dem Katzendorfer Friedhof sprach er über den historischen Aberglauben an Wiedergänger. Ein kulturgeschichtliches Phänomen, das aber mit Bram Stokers „Dracula“ nichts zu tun hätte, wie Stübecke deutlich machte. Gezeigt wurde auch der rumänische Film „03.ByPass“ von Nap Toader, der im Mai seine Kinopremiere feierte. Die Londoner Regisseurin Marie Schuller wiederum hatte einen besinnlichen Kurzfilm dabei, den sie im Auftrag des amerikanischen Fernsehsenders MTV im Dorf gedreht hatte, und der deutsche Filmemacher Titus Faschina zeigte seinen Schwarz-Weiß-Dokumentarfilm „Dem Himmel ganz nah“ über Hirten im Karpatenbogen.

Generell war die Aufarbeitung von Geschichte ein zentrales Element beim diesjährigen Dorfschreiberfest. Die Schriftstellerin Dagmar Dusil stellte eine Kurzgeschichte über Adoptionen nach Deutschland in der Nachwendezeit vor und Claudiu Florian, stellvertretender Leiter des Rumänischen Kulturinstituts in Berlin, las aus „Zweieinhalb Störche“. In dem Roman verarbeitet Florian seine Kindheit in Reps. Auch die neue Dorfschreiberin las aus eigenen Texten. Ein Vorgänger Tanja Dückers’, der Leipziger Literaturwissenschaftler und Anglist Elmar Schenkel, hat die Zeit in Katzendorf bereits literarisch verarbeitet. Sein Buch „Mein Jahr hinter den Wäldern: Aufzeichnungen eines Dorfschreibers“ erschien im März dieses Jahres. Für Musik sorgte das Duo Anamaria und Daniel Csikos, die neben Jazz auch die mehrsprachige Folklore Siebenbürgens erklingen ließen. Außerdem gab der Künstler Mircea Florian eine Vorstellung, der seine Computermusik aus Düsseldorf über Bukarest nach Katzendorf brachte. Werke von Daniel Răduţă, Zeichnungen und Aquarelle, waren währenddessen in der Scheune des Pfarrhofes ausgestellt.

Kommentare zu diesem Artikel

Tourist, 14.06 2016, 01:51
in Katzendorf sieht man ganz gut, was aus einem Sachsendorf wird, wenn alle Sachsen weg sind, nämlich ein Z...-Dorf. Als ich das letzte Mal dort war, waren gerade 18 oder 19 ganz junge Z.-Frauen gleichzeitig schwanger, während die letzte sächsische Taufe irgendwann in den 90er-Jahren stattfand und es bei den Rumänen und Ungarn im Dorf vielleicht ein oder zwei Kinder pro Jahr gibt. Auch so funktionier Demographie.

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