Tarnname „Adebar“

Erlebnisse des Paul Biber auf dem Luftschiffhafen Sanktandreas. 1915 und 1916 (1)

Donnerstag, 21. Februar 2019

Paul Biber am 2. Juli 1915 auf Wache am Bombenschuppen, mit Luftschiffhalle Dennewitz im Hintergrund (Biber). Der umgebende Sandwall war wochenlange Nebenbeschäftigung von LT 14. Foto: privat

Vorbemerkungen

Die folgenden Beiträge verwenden Fotos und Notizen aus dem Kriegs-Album von Paul Biber, die seine Erlebnisse während des 1. Weltkriegs dokumentieren. Sie sind der Anlass, um den Luftschiffhafen Sanktandreas bei Temeswar im damaligen Ungarn (heute Sânandrei/Timi{oara, damals Szentandrás) und dessen Nutzung von 1915 bis 1918 zu dokumentieren. Der Luftschiffhafen trug zwischenzeitlich den Deck- bzw. Tarnnamen „ADEBAR“. Er soll im Kontext des ersten Weltkriegs etwas näher vorgestellt werden, zumal wir immer noch innerhalb eines Jahrhunderts seit dessen Beendigung sind.

Mein Vater Paul Biber wurde am 6. Juli 1891 in Dresden geboren. Nach dem Besuch der Grund- und Bürgerschule absolvierte Paul Biber, ab April 1906, eine Lehre als Feinmechaniker bei der Messwerkzeugfirma Gebr. Keilpart in Dresden. Die Gesellenprüfung bestand er im Mai 1910 mit „sehr gut“. 1912 wechselte er zur Dresdner Firma Georg Rosenmüller in die Fertigung von Messgeräten für die Strömungsmessung, wo er ab Oktober 1913 als Techniker arbeitete. Die Firma G. Rosenmüller stellte u.a. Windmesser (Anemometer und Fahrtmesser) für das Flugwesen (Flugzeuge und Luftschiffe) her. Am 22. August 1914 wurde Paul Biber zum Kriegsdienst eingezogen.

Um seine Erlebnisse im Zusammenhang mit dem umfangreichen Bildmaterial, das größtenteils von ihm stammt, richtig in die militärischen Zusammenhänge einordnen zu können wurde neben verschiedenen Literaturstellen eine Erlebniszusammenstellung zu Hauptmann Max Macher (Kustan&Prenz, https://scharekf.hu/zeppelin.html, Max Macher) einbezogen. In der Zusammenstellung sind detaillierte Sachverhalte zum Luftschiffhafen Szentandrás/Sanktandreas/Sânandrei (im Weiteren: Sanktandreas) ausgewiesen, die hier an gegebener Stelle genutzt werden. Max Macher wurde am 8. Februar 1882 in Gutenstein (Kärnten) geboren. Er maturierte in Marburg und studierte anschließend sieben Semester Technik und zwei Semester Philosophie. 1905 schloss er die Reserveoffiziersprüfung und 1906 die Ergänzungsprüfung zum Berufsoffizier ab. Am 1. November 1908 wurde er zum Leutnant befördert. 1910 absolvierte er einen Luftschiffkurs. Am 8. Oktober 1911 erwarb Leutnant Max Macher das Diplom des Österreichischen Aero-Clubs Nr. 12 für Lenkballonfahrten und am 19. Oktober 1912 das Diplom des Österreichischen Aero-Clubs Nr. 71 für Freiballonfahrten. 

Weiterhin wurden Erlebnisse von Kornél Poppe, dem Kommandeur des Luftschiffhafens Sanktandreas mit genutzt (http://scharekf.hu/zeppelin.html, Kornél Poppe).

Kornél Poppe wurde am 10. Oktober 1884 in Budapest geboren. Nach einem Jahr als Freiwilliger wird er 1904 Offizier. Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges gehört er als Kommandant einer Festungsballonabteilung der Luftwaffe an. Nach einer Ausbildung am Luftschiffhafen Nordholz übernimmt er 1916 und 1917 das Kommando über den neuen Luftschiffhafen bei Temeswar. Am 16. Januar 1918 absolviert Kornél Poppe erfolgreich einen Fallschirmsprung. 1941 stirbt Oberstleutnant Kornél Poppe.

„Die großen Verluste an Kriegszeppelinen an der Westfront zwangen die deutschen Militärstrategen dazu, ihre Luftschiffeinsätze nach dem Osten und auf den Balkan zu verlegen, weil dort die gegnerische Luftschiffabwehr weitaus schwächer war als im Westen. Außerdem versuchte die deutsche Heeresleitung, durch Angriffe auf das gegnerische Hinterland die Moral der Bevölkerung zu schwächen.“ (Bélafi, 1988, S. 116) Dementsprechend wurden binnen kürzester Zeit in mit Deutschland verbündeten Ländern des Ostens Luftschiffhallen errichtet, so auf dem Balkan in Jamboli/Ostrumelien/Bulgarien und in Sanktandreas bei Temeswar oder in Warschau und Kowno. (Bélafi, 1988, S. 114)

 

Literatur zum mehrteiligen Beitrag, der in den kommenden Wochen auf der Magazin-Seite erscheinen wird:

Bélafi, Michael (1988): Graf Ferdinand von Zeppelin. Leipzig: BSB Teubner; Biber, Jörg (1918): Luftschiffhafen Temeswar. In: FliegerRevue X74. PPVMEDIEN GmbH, S. 10-21; Kustan, Alexander und Penz, Gerald: Hptm. Max Macher bei der Deutschen Luftschiffer-Abteilung – Teil 1-3, siehe: scharekf.hu/dotroll/hauptmann Max Macher-Teil 1-3/Hauptmann Max Macher_Arge_Feldpost_Austria_Teil3_neu.pdf; Marine-Luftschiffer-Kameradschaft: Zeitgeschichtliche Forschungsdokumentation der ehemaligen deutschen Marine- und Heeresluftschiffahrt, Heft I/1990 - Überlassen zur Einbeziehung von Fregattenkapitän a.D. Ulrich Israel; Ploes, Hans-Günther: Zeppeline über den Balkan – Temesvár-Szentandrás 1915-1917. In:
Luftwaffen-Revue. Nr. 1/März 2018, Netteverlag, Nettetal 2018, S. 16-23.

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