Tarnname „Adebar“

Erlebnisse des Luftschiffers Paul Biber auf dem Luftschiffhafen Sanktandreas. 1915 und 1916 (2)

Mittwoch, 27. Februar 2019

Paul Biber -in der 2. Reihe, zweiter von links - beim Gewehrreinigen in der Kaserne auf der Alaunstraße in Dresden im August 1914. (Foto: privat)

Luftschiffhafen mit -halle bei Temeswar

Die strategische Aufklärung und Bombenangriffe sollten aus Sicht der Heeresleitung auch durch Luftschiffe unterstützt werden. Zur schnellen Umsetzung bat deshalb der Chef des deutschen Generalstabs, General von Falkenhayn, am 29. Juli 1915 beim k.u.k. Generalstabchef General Conrad von Hötzendorf um Zustimmung zum Bau einer Bergehalle für Luftschiffe in Südungarn. Daraufhin beauftragte die k.u.k. Luftschiffabteilung Hauptmann Mannsbarth, die Errichtung einer Luftschiffhalle voranzutreiben. Schnell wird entschieden, die Luftschiffhalle und die zum Betrieb erforderlichen Gebäude auf einem flachen Gelände ca. 2 km südöstlich der Bahnstation Sanktandreas in unmittelbarer Nähe von Temeswar zu errichten. Das entsprechende Gelände wurde angepachtet (Ploes, 2018, S. 16). Der Luftschiffhafen wurde auf einer großen Weidefläche zwischen den damaligen Dörfern Szentandrás und Szentendre errichtet. Um die Luftschiffhalle schon im Rahmen der geplanten Offensive gegen Serbien nutzen zu können, sollte deren Fertigstellung innerhalb von 3 bis 4 Wochen erfolgen. Unverzüglich wurde am 3. September mit dem Anlegen des Luftschiffhafens begonnen. Um die Termine einhalten zu können, wurde die Luftschiffhalle aus transportablen Fertigteilen errichtet. Gleichzeitig werden Werkstätten zur Wartung und Instandsetzung von Luftschiffen, Depots für Ersatzteile und Munition sowie eine Gasanstalt errichtet.

Zu dieser Zeit entfalteten serbische Flieger eine rege Aufklärungstätigkeit im Raum zwischen Grenze und Temeswar. Deshalb ersuchte General Conrad am 4. September 1915 den Generalstabschef des deutschen Feldheeres, G.d.I. von Falkenhayn in Pleß, den Bau des Luftschiffhafens durch Beistellung von Abwehrkanonen zu sichern. In kurzer Folge wechseln die Verantwortlichen für den Aufbau des Luftschiffhafens (Oberst-leutnant Graf Breda/ab 1. September: Hauptmann Pachner von Zobor/ab 21. September: Hauptmann Hirsch/später: Hauptmann Lumbe Edler von Mallonitz) (Ploes, 2018, S. 16).

Der Bau der Luftschiffhalle wurde militärisch bestens abgesichert und so konnte der Luftschiffhafen in Sanktandreas im Oktober 1915 für die militärische Nutzung eingerichtet werden.

Die Luftschiffhalle wurde nach Südwesten ausgerichtet – das ist an diesem Standort die vorherrschende Windrichtung. Nach dem Ausheben von Baugruben zum Einbringen der angelieferten und endmontierten Fundamentsegmente wurden die Hallensegmente aus vorgefertigten Metallverstrebungen mittels Schraubverbindungen gefügt. Anfang Oktober konnte dann nacheinander mit dem Aufrichten der Hallensegmente begonnen werden. Dafür wurde ein Rollgerüst genutzt, welches entlang der Hallen-Mittellinie verschoben wurde. Die Halle wurde unter Aufsicht der K.u.K. Militär-Bauabteilung errichtet.

An die unterstellten Armeen erging am 29. September 1915 der Angriffsbefehl gegen Serbien und am 6. Oktober 1915 begann der Feldzug mit dem Übergang über die Donau. Am 9. Oktober 1915 fiel Belgrad. Bulgarien trat am 14. Oktober in den Krieg ein. Vereint wurde die Serbische Armee Ende Oktober bis Kragujevac zurückgeschlagen (Kustan&Penz, S. 13-15).

3.       Königlich Sächsischer Feldtrupp für Luftschiffe Nr. 14 – „LT 14“ –      Ausbildung in Schneidemühl und Dennewitz

Um die Einsatzbereitschaft der vielen Luftschiffe und Luftschiffhallen zu sichern mussten viel Bord- und Bodenpersonal ausgebildet werden. Eine gute Ausbildungsstätte war der Luftschiffhafen Schneidemühl, der zugleich ein wichtiger Startpunkt der Kriegszeppeline für Kriegsfahrten im Osten war.  

Aus der Sächsischen Luftschiffer-Kompanie wurde der Königlich Sächsische Feldtrupp für Luftschiffe Nr. 14 (LST 14) (siehe Abb. 2). Dieser verließ im Februar 1915 Sachsen und fand bis Sommer 1917 Verwendung auf verschiedenen Luftschiffhäfen in Deutschland, Ungarn (Temesvár) und Bulgarien (Jamboli). Durch Feldpost ist bekannt, dass Dislozierung (Truppenverteilung) von „LST 14“ im März 1918 in Weiterstadt/Kreis Darmstadt erfolgte. (siehe: Stadtwiki Dresden)

(Fortsetzung folgt)

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