Tauchen wäre auch was für Mark Kovacs

Für extreme Sportarten spart der Wahlkronstädter nicht mit Geld und Freizeit

Montag, 25. Juni 2012

Auch im Winter zieht es Mark in die Natur: diesmal aufs Bucegi-Plateau.

Mark Kovacs (links) und Alexandru Samoilă mit ihren KTMs in der Mongolei.

Fester Boden unter den Füßen nach einem Flug mit dem Gleitschirm.
Fotos: privat

Endurosport, Gleitschirmfliegen, Tourenskilauf – das sind nicht gerade alltägliche Hobbys. Noch seltener ist es, wenn sie von ein und derselben Person praktiziert werden. Einer der wenigen, der das tut, ist Mark Kovacs. Seit Januar des Vorjahres ist der 30-Jährige nun zum Kronstädter geworden.

Gleitschirmfliegen kam zuletzt hinzu

Neben beruflichen Gründen waren für diesen Umzug auch die vielfältigen Freizeitgestaltungsmöglichkeiten in Kronstadt und die nahen Berge ausschlaggebend. „Mir gefällt es, mich zu bewegen“, lautet Kovacs lakonische Erklärung für seine Hobbys – Bewegung auf Rädern (motorisiert oder auch nicht, im Falle des Fahrrads), auf den Skibrettern, wenn es genug Schnee im Hochgebirge gibt, oder mit dem Gleitschirm vom Boden abheben und durch die Luft schweben. All dies wäre in seiner Geburtsstadt Bukarest nicht so leicht möglich wie in Kronstadt, wo die natürlichen Gegebenheiten sowie die Abgeschiedenheit mancher Gebiete seinen Hobbys entgegenkommen. Nur mit dem Tauchen klappt es nicht so richtig in Kronstadt, bedauert Kovacs, der gerne auch diesem Sport nachgehen würde.

In seinem karg eingerichteten Kronstädter Wohnblockappartement, wo Mark zurzeit allein lebt, lehnt neben einem voluminösen Rucksack ein Mountainbike an der Wand. „Ein nicht gerade billiges Fahrrad, so dass ich es besser hier aufbewahre als im Treppenhaus“, kommentiert Mark. Was auf den ersten Blick ein Rucksack schien, entpuppt sich als Gleitschirmausrüstung. Fliegen ist das jüngste Hobby des Wahlkronstädters, der in der Zinnenstadt für einen Motorrad-Dealer arbeitet.

Im Vorjahr hatte er mit István Ferencz aus Săcele bei Bolnoc Flugstunden genommen und noch im selben Jahr die Lizenzprüfung bestanden. Nun fliegt er am Lempesch bei Petersberg, am Schuler, am Ciucaş und auch am Bucegi. Eigentlich ist es gar nicht so gefährlich, wie es auf den ersten Blick aussieht, meint Kovacs. Man müsse nur einige Grundregeln beherrschen, vor allem aber die Wetterbedingungen vor Ort richtig einschätzen und dementsprechend handeln.

Von seinem Fluglehrer hat er gelernt, auch aufzugeben, ohne dies als Schande oder Niederlage zu empfinden. „Wenn die meteorologischen Bedingungen dich und deine Flugtechnik überfordern, dann heißt es eben: verzichten!“ Einen Schritt zurück – das liegt ihm eigentlich nicht. Im Gegenteil, Mark gibt zu. Er sei oft ein Draufgänger, Risikos sieht er als Herausforderungen an und weicht ihnen eigentlich nicht aus.

Ausschließlich für Waldwege gedacht

Beim Enduro, das Mark nun seit fünf Jahren mit seinem KTM-Motorrad betreibt, ist er inzwischen einen Schritt weiter gegangen. Er nimmt seit 2010 an der Landesmeisterschaft teil, allerdings nicht in der Profi-Kategorie, sondern in der B-Kategorie für Fortgeschrittene. Heute tut er es für einen Bukarester Verein, nachdem er anfangs für einen Verein aus Buzău angetreten war.

Dabei ist Kovacs recht erfolgreich: mehrere Male erklomm er das Siegerpodest, so dass nun auch einige Pokale seine Wohnung schmücken. 2010 war er Vize-Landesmeister in seiner Kategorie. Die Ausstattung der KTM sowie die Vorbereitungen für die Enduro-Rennen sind richtig kostspielig. Mark ist zwar sein eigener Mechaniker, aber der Verschleiss der Ersatzteile ist trotzdem deutlich in seiner Geldbörse zu spüren.

Allein ein Reifen kann, wenn stark beansprucht, nach einem Tag bereits untauglich sein. Und der allein kostet 50 Euro. Deshalb ist es viel zu schade, mit dem Rennrad durch die Stadt zu fahren. Mit seinen Enduro-Kollegen bevorzugt der Kronstädter abgelegene Gebiete, wo Touristen kaum auftauchen. Das ist zum Beispiel am Ostende der Fogarascher Berge (Rudăriţa, Comisu, Ciuma) der Fall. Selbstverständlich wird, wie gesetzlich vorgesehen, nur auf Forststraßen und Pfaden gefahren und nicht quer durch den Wald.

Echte Enduro-Fahrer handeln auch umweltbewusst, fügt Mark hinzu, der im massiven Abholzen und anderen – leider nicht seltenen – naturfeindlichen menschlichen Eingriffen viel schwerwiegendere Sünden an der Umwelt sieht, als das Off-Road-Motorradfahren.

Für seine neue Heimatstadt hat sich Mark, trotz knapper Freizeit, voll bei der Vorbereitung des ersten Kronstädter Berg-Halbmarathons eingesetzt. Er trat dem veranstaltenden Verein „Cetatea Braşovului“ bei und hatte eine Hauptrolle bei der Vermessung und Markierung der Renntrasse, bei der Öffentlichkeitsarbeit und Logistik, sowie beim Fundraising für dieses Rennen, das am 7. April stattfand und den erhofften Erfolg verbuchen konnte.

Der lange Weg in die Mongolei

Was kann einen bewegen, sich auf eine Tausende Kilometer lange Reise zu begeben(genauer: rund 23.000 km), in Gebiete, die für uns Europäer nach wie vor als Neuland gelten? Wenn man Mark Kovacs heißt, ist es leidenschaftliches Motorradfahren, Abenteuerlust, Neugierde auf fremde Länder und Kulturen, jugendlicher Enthusiasmus.

Im Juli 2009 starteten Kovacs und sein Freund Alexandru Samoilă in dieses Abenteuer, das sie über die Ukraine und Russland in die Mongolei und auf dem Rückweg durch die zentralasiatischen Republiken Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Turkmenistan in den Kaukasus, nach Georgien mit einem kurzen Abstecher nach Armenien, in die Türkei und schließlich via Bulgarien wieder nach Hause führte.

Ursprünglich war die Expedition zu dritt geplant. Der Dritte im Bund, Mihai Barbu, entschied sich in letzter Minute für eine Alleinfahrt. Seine Eindrücke und Erlebnisse schilderte er gekonnt in einem mit zahlreichen Fotografien illustrierten Band („Vând kilometri“, Editura ART, 2010). Auszüge davon sind auch auf www.mongolia.ro zu lesen. Barbu portionierte seine Reise in je 500 km-Teilstrecken, deren Beschreibung er für 50 Euro pro Episode zunächst einer Fach-Webseite zur Verfügung stellte.

Der Band wurde zum Bestseller. Samoilă und Kovacs vermarkteten ihre Reise bescheidener - mit Samoilăs Fotoausrüstung  wurden eine Menge einprägsamer Fotos geschossen, die eine uns fremde Welt mit atemberaubenden Landschaften, mit neugierigen, aber gastfreundlichen Menschen und ihren Lebensverhältnissen vor Augen führen. Sie dokumentieren eine Reise ins Unbekannte, ein heute immer seltener erlebbares Abenteuer. Die Ausstellung war in Bukarest zu sehen.

Kovacs erzählt nach drei Jahren von der 100-Tage-Reise mit einer gewissen Distanz und ohne den Anschein zu erwecken, dass ihm diese Leistung den Status eines Rekordinhabers verleihen würde. Etwas  anderes bedeutet ihm heute viel. Die lange Fahrt hat ihn auch in die Nähe jener Berge geführt, wo 1975 sein Vater als Mitglied der rumänischen Hindukusch-Expedition dabei war. Zehn Jahre nach dem Tod seines Vaters – dem aus Schirkanyen/Şercaia stammenden Bergsteiger Zoltan Kovacs – während eines Lawinenabgangs am Königstein, konnte nun der Sohn die Orte sehen, über die er bisher in Ionel Comans Buch zu dieser Expedition („Aventura H 75“) lesen konnte.

Die Reise wurde eingehend vorbereitet. Die beiden fuhren auf zwei gleichen KTM (Hubraum 640 cmc), damit technische Probleme leichter behandelt werden konnten. Die notwendigen Visa wurden beschafft, vorbeugende Impfungen durchgeführt, der Weg auf Landkarten einstudiert.

Und noch etwas wurde in Betracht gezogen: auf so einer langen Fahrt, bei extremer Belastung durch Müdigkeit, Hunger und Kälte, kann es erfahrungsgemäß auch zu Spannungen und Streit kommen. „Nach zehn Tagen kann es schon passieren. Du kannst ja deinen eventuellen Frust nur an deinem Kollegen los werden“, sagt Kovacs. Um gelegentlich einige Stunden auch allein verbringen zu können, nahm sich jeder sein eigenes Zelt mit. Es kam aber, außer einem heftigeren Wortwechsel, zu keiner Auseinandersetzung, sodass ab Tadschikistan eines der Zelte per Post nach Hause geschickt wurde. So waren weniger Kilogramm zu transportieren und man konnte Sprit einsparen.

Die russische Etappe der Reise dauerte rund drei Wochen. Von Vorteil war, dass in dem Land mit den Dimensionen eines Erdteils, bei tausenden Kilometern von der ersten Grenze, Mark sein Russisch gut zur Geltung bringen konnte. Russisch kann er von seiner Mutter, die in Ismajil/Ismail an der Donau (heute Ukraine) geboren ist. Englisch, Deutsch und Ungarisch – Sprachen, die er ebenfalls gut beherrscht – konnte er in Russland nicht und erst recht nicht in der Mongolei nutzen, weil dort praktisch keine Fremdsprachen gesprochen werden. Von morgens bis abends ging es durch Russland, wobei rund 400 Kilometer pro Tag zurückgelegt wurden.

In der Mongolei, ein großes Land mit einer der kleinsten Bevölkerungsdichten der Welt  – 2,8 Millionen Einwohner auf einer Fläche von rund eineinhalb Millionen Quadratkilometern, von denen rund 1 Million in der Hauptstadt Ulan Bator leben – war es eigenartig, wie schnell, praktisch von nirgendwo, Kinder und auch Erwachsene um sie auftauchten und sie, manchmal störend nah, stundenlang umgaben.

Die Reise konnte nicht bis zum eigentlichen Ziel Ulan Bator fortgesetzt werden, weil technische Probleme bei den Kolbenringen von Samoilăs Motorrad, infolge eines Sturzes in einen Bach im Altai-Gebirge, den beiden zu schaffen machten. Ihnen standen noch 1000 Kilometer bevor, ohne mit  einer sicheren Kfz-Werkstätte rechnen zu können. Deshalb musste die russische Grenze erneut überquert werden, um  zu einem ihnen bekannten und wohlgesinnten Mechaniker zu gelangen, bevor dann der Rückweg durch Zentralasien angetreten wurde.

Mark hatte für sein ungewöhnliches Unterfangen den vollen Rückhalt seiner Mutter, sowie den seiner Schwester und seiner damaligen Freundin. Das Abenteuer hat ihn an die 6000 Euro gekostet. Aber das war es ihm wert. Für Erinnerungen bleibt ihm jedoch heute wenig Zeit. Dafür ist er noch zu jung und auch zu aktiv – sei es auf dem Motorrad, mit dem Gleitschirm oder mit den Tourenski im Schnee.

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