Temescher Wahlergebnis: alles nur eine Sache der Interpretation

Bürgermeister Nicolae Robu glaubt, die Liberalen hätten die Wahlen gewonnen

Dienstag, 04. Juni 2019

Temeswar (ADZ) – Obwohl die Allianz USR-PLUS sowohl im Kreis Temesch/Timiş als auch in der Stadt Temeswar/Timişoara gewonnen hat und deutlich vor der Nationalliberalen Partei in der Gunst der Banater Wähler steht, ist der Temeswarer Bürgermeister und PNL-Kreisverbandsvorsitzende Nicolae Robu anderer Meinung: Ende voriger Woche erklärte Robu dem PNL-Kreisparteivorstand, dass der große Gewinner der Wahlen in Temeswar und im Kreis die PNL sei. In absoluten Zahlen nämlich, da zwischen Altbeba/Beba Veche und Coşava deutlich mehr Bürger für die PNL gestimmt hätten als anderswo. Der Kreis Temesch belege, was die Anzahl der PNL-Stimmen anbelangt, den vierten Platz im Land, so dass es eindeutig sei, dass die Liberalen hier die Gewinner der Europawahl seien.
Dass das prozentuale Ergebnis der PNL im Kreis Temesch deutlich unter jenem liegt, den die Liberalen in ehemals PSD-treuen Landkreisen wie Vrancea, Botoşani oder Vâlcea erzielt haben, wurde von Bürgermeister Robu einfach verschwiegen. Genauso wie die Tatsache, dass der Kreis Temesch etwa 650.000 Wahlberechtigte zählt und somit zu den bevölkerungsreicheren Landkreisen gehört, so dass die absolute Zahl der PNL-Wähler selbstverständlich höher war als in Kreisen mit einer geringen Bevölkerung. Für den PNL-Politiker, der vor der Wahl die Allianz USR-PLUS als zweitrangige, bedeutungslose Gruppe von „Hassern“ („Haters“) abgetan hatte, schmeckt die nicht zu bezweifelnde Niederlage sehr bitter. Auf Kreisebene lag die Allianz USR-PLUS um vier Prozentpunkte vor der PNL, in der Stadt Temeswar bekam sie 41 Prozent der Stimmen, die Liberalen dagegen nur 23.
Der Kreisparteivorstand der Temescher Liberalen sollte nicht nur eine Wahlanalyse durchführen, die mit Robus eigenartiger Interpretation der endgültigen Ergebnisse schnell beendet wurde, sondern auch über die Absetzung des für das eigentliche Desaster verantwortlich gemachten Alin Popoviciu debattieren. Die Abgeordneten Ben-Oni Ardelean und Pavel Popescu sowie der Vorsitzende der Temescher Jungliberalen, Cosmin Şandru, denen auch andere Vorstandsmitglieder beipflichteten, sprachen sich für die Absetzung von Generalsekretär Popoviciu aus. Der ehemalige PDL-Abgeordnete Popoviciu, ein umtriebiger Unternehmer, der mehrmals unter dem Verdacht dubioser Geschäfte gestanden hatte, wollte dem Temeswarer Vizebürgermeister Dan Diaconu, einem Robu-Vertrauten, die Schuld in die Schuhe schieben. Doch just als der Vorstand über die Absetzung von Popoviciu abstimmen sollte, platzte der Arader Bürgermeister und künftige EU-Abgeordnete Gheorghe Falcă in den Sitzungssaal herein und erklärte, man müsse nun die Sektkorken knallen lassen und nicht die Mitglieder hinrichten. So dass er ganz einfach mit Popoviciu aus dem Saal verschwand, er soll diesen angeblich auf ein Bier mitgenommen haben. Die Rettung Popovicius durch Falcă wurde dann von Robu als Rechtfertigung für die Aussetzung der Abwahl des umstrittenen Generalsekretärs genutzt, der Kreisparteivorstand der Liberalen ging mit der Gewissheit des Wahlsiegs auseinander.

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