Temeswar, damals und heute

Ein Händereichen über das Jahrhundert in Bildern

Dienstag, 26. September 2017

„Die Elektrische“ hielt direkt vor dem Hungaria-Bad an – zwei Wahrzeichen der Stadt vor 100 Jahren.
Postkarte: Sammlung Dr. Thomas Remus Mochnacs.

Das Secession-Gebäude hat auch heute seinen Charme. Und die Straßenbahn rasselt auch heute über die Brücke.
Foto: Zoltán Pázmány

Unglaublich, dass schätzungsweise 100 Jahre zwischen den beiden Bildern liegen! Denn so viel hat sich auf den ersten Blick nicht verändert: Die Brücke über die Bega und das Neptun-Bad (ehemals: Hungaria-Bad) erkennt man wieder, sogar eine Tram fährt vorbei. Das ist damals, vor 100 Jahren „die Elektrische“ gewesen, wie man sie etwa in den Seiten der „Temesvarer Zeitung“ liebkoste.

Das damalige Hungaria-Bad war eben an der „Haltestelle der Elektrischen“. So hieß es in den auch während des Ersten Weltkriegs oft inserierten Anzeigen für eine der beliebtesten, schicken Loisir-Adressen der Stadt. Und es war in einem damals sehr modernen Gebäude untergebracht, eines der schönsten Baudenkmäler Temeswarer Secession: das Székely-Haus, das nach Plänen des Architekten Székely László errichtet wurde und als „Hungária Fürdö“, dann als Neptun-Palais oder Neptun-Bad bekannt wurde. Auch heute ist „am Neptunbad“ ein beliebter Ausspruch unter Alttemeswarern und wer das Gebäude betritt, kann noch Elemente erkennen, die die erste Funktion des Gebäudes wiedererkennen lassen.

Das Hungaria-Bad muss den Einwohnern der Stadt wohl so etwas wie ein „Aquapark“ heute vorgekommen sein (den die Stadtverwaltung den Temeswarern versprochen hat). Es gab eine breite Palette wie Dampfbad, Wannenbad, Kaltwasserbad. Allerdings war die damalige Gesellschaft noch eine streng aufgeteilte, wenn man sich die Anzeige genauer anschaut, die Worte wie auch die streng getrennten Uhrzeiten für verschiedene Geschlechter und auch Klassen: „Dampfbad für Herren“, „Dampfbad für Damen“, dann „Volksdampfbad für (trotzdem – N. Red.) Herren“ und „Volksdampfbad für Frauen“ (sic!). Als Mann wurde man, trotz Zugehörigkeit zum „Volk“, auch als „Herr“ angesprochen. Da war der Unterschied zwischen Damen und Frauen schon ein erheblicher. Das würde man (frau) sich heute nicht mehr gefallen lassen.

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