Temeswar – Kulturhauptstadt Europas 2021

Interview mit Mona Petzek, der Leiterin des Deutschen Kulturzentrums Temeswar

Mittwoch, 26. Oktober 2016

Mona Petzek, die Leiterin des Deutschen Kulturzentrums Temeswar
Foto: Zoltán Pázmány

Vor einem Jahr hat Mona Petzek die Leitung des Deutschen Kulturzentrums Temeswar übernommen. Für die „Banater Zeitung“ erzählt sie von den Erfahrungen in diesem Jahr sowie über Projekte und über das Kulturhauptstadt 2021. Das Interview führte die BZ-Redakteurin Ştefana Ciortea-Neamţiu.

 

Es ist ein Jahr vergangen, seitdem Du die Leitung des Deutsche Kulturzentrums übernommen hast. Wie war dieses Jahr?

Ich kann es gar nicht glauben, dass schon ein Jahr vorbei ist. Als ich gekommen bin, habe ich ein etabliertes Kulturzentrum vorgefunden, eine Kulturinstitution, die in der Kulturszene Temeswars fest verankert war, zum einen durch die eigenen Veranstaltungen, zum anderen durch die Vernetzung mit den lokalen Partnern. Ich habe ein verantwortungsvolles, eingespieltes Team vorgefunden. Nach wie vor ist das Anliegen des Kulturzentrums, deutsche Künstler nach Temeswar zu bringen, aber auch diese mit rumänischen Künstlern in Verbindung zu setzen, damit Kooperationen entstehen. In dieser Richtung bin ich weitergegangen. Es war auch wenig Zeit zwischen Oktober und Dezember 2015, als wir das Programm für 2016 festgelegt haben. Da wollte ich auch nichts ändern, ich wollte auch nicht das Rad neu erfinden. Das Zentrum war auf einer aufsteigenden Bahn. Wie gesagt, das wollten wir beibehalten. Es gab in diesem Jahr Personalwechsel, was wir zum Glück gut überstanden haben. Was wir versucht haben, in diesem Jahr besser zu machen, war verstärkt die Präsenz in den Medien.

Vergangenes Jahr hast Du viel über die Deutschkurse gesprochen, nämlich, dass da einiges noch verbessert werden kann, vor allem, was das Online-Angebot angeht. Wie steht es darum?

Wir sind jetzt dabei, dieses Angebot weiter zu entwickeln. In dieser Woche haben wir mit der Firma gesprochen, die diese Plattform anbietet. Seit dem Sommer haben wir auch wieder die Kinderkurse, die sehr, sehr gut besucht sind. Wir freuen uns, sie wieder anzubieten. Die Besucher sind ab Kindergartenalter bis zu 11-12 Jahren. Diese sorgen dann auch für unseren Nachwuchs.

Kommen sie aus deutschen Kindergärten und Schulen oder sind es vorwiegend Kinder, die Deutsch zusätzlich lernen wollen?

Meist sind es Kinder, die aus deutschen Kindergärten kommen. Aber wir haben auch einige, die Deutsch dazu lernen. Wir bieten auch zwei Theaterkurse, für Kinder und Jugendliche an. Der eine wird von Olga und Silvia Török geleitet, der andere von Simona Vintil².

Du hast bereits ein bisschen von dem Kulturprogramm gesprochen. Was nehmt ihr euch für das nächste Jahr vor?

Das Programm steht noch nicht fest. Wir versuchen einen großen Videokünstler aus Deutschland einzuladen, aber ich möchte den Namen noch nicht verraten. Denn mit seiner Einladung sind auch ziemlich große Kosten verbunden. Wir suchen noch Partner, die das unterstützen. Es wird eine große Veranstaltung, mit großem Nachhall.

Wie laufen die Partnerschaften mit anderen Institutionen, etwa mit dem DSTT und dem Französischen Institut?

Sowohl mit dem DSTT als auch mit dem Französischen Institut kooperieren wir im Rahmen des Festivals für performative Künste, das am 5. und 6. November stattfindet. Mit dem Französischen Institut dann auch im nächsten Jahr, wie jedes Mal, bei „CaféKultour“.

Das Deutsche Kulturzentrum hat auch mit der Germanistik für die 60-Jahr-Feier zusammengearbeitet. War das die erste Kooperation dieser Art?

Wir haben uns diesmal auch an der Germanistiktagung beteiligt. Ich empfinde es als wichtig, die Germanistik als Partner zu haben, überhaupt jetzt, beim großen 60-jährigen Jubiläum. Unsere Partnerschaft war bisher vorwiegend auf das Praktikum der Studenten ausgerichtet, die Germanistikstudenten können nämlich bei uns ein Praktikum absolvieren. Für die Tagung haben wir den Besuch des Schriftstellers William Totok in Temeswar gefördert.

Temeswar ist vor über einem Monat zur Kulturhauptstadt Europas 2021 ernannt worden. Was bereitet ihr in dieser Hinsicht vor?

Ich glaube, dass sich die anfängliche Begeisterung etwas gesetzt hat und dass wir alle jetzt nüchterner und der Aufgaben bewusster sind, die auf uns zukommen werden. Staatspräsident Klaus Johannis hat bei seinem Besuch hier gemeint, dass er uns empfiehlt, dass wir „Divas“ bringen. Das wollen wir auch tun. Das wäre unsere Strategie: Dass wir nicht mehr kleinere Veranstaltungen mit kleineren Namen haben. Es wäre von Nutzen für die Stadt, dass es Namen großer Künstler sind, dass die Künstler etwas in der Kulturlandschaft zu sagen haben. Das wollen wir auf jeden Fall machen. Wir werden im Dezember eine Diskussion am Goethe-Institut in Bukarest darüber haben, wie wir weiter vorgehen wollen. Das ergibt sich jetzt. Ich freue mich auf jeden Fall auch, dass auch Novi Sad ausgewählt wurde, denn so werden nicht nur die Kulturhauptstädte haben, sondern eine ganze Region. Ich würde auf jeden Fall mit Serbien kooperieren.

 

 

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