Temeswar – Kulturhauptstadt Europas 2021

Interview mit Călin Petcană, dem Inhaber der Galerie „Calpe“

Mittwoch, 01. Februar 2017

Călin Petcană, Inhaber der Galerie „Calpe“
Foto: Zoltán Pázmány

Eine der Temeswarer Galerien mit regem Programm ist „Calpe“, in der Theresienbastei. Über Ausstellungen, Besucher und Kunst in einer Stadt, die demnächst den Titel einer Kulturhauptstadt tragen wird, sprach die BZ-Redakteurin Ştefana Ciortea-Neamţiu mit dem Inhaber und Manager der Galerie Călin Petcană.

 

Was bringt das neue Jahr für die Galerie „Calpe“?

Der Teil der Theresienbastei, wo auch die Galerie „Calpe“ existiert, wird wiedergezeichnet. „Jazzissimo“ funktioniert nicht mehr, die Galerie „Calpe“ hat sich durch einen neuen Teil erweitert, die eine multimediale Galerie werden soll. Wir hoffen, besser mit der Stadtverwaltung zusammenzuarbeiten und dass dieser Teil der Bastei als Kulturzentrum erklärt wird, wo vielfältigere Projekte entwickelt werden sollen. Auch einen besseren Zugang der Jugend zur Kunst wünsche ich mir. Vielleicht ein Kulturzentrum für Jugendliche. Sicher werden wir mit Ausstellungen der bildenden Künste weitermachen, sowohl in der „Calpe“-Galerie als auch in dem Temporären Museum für Gegenwartskunst. Für den Jahresanfang habe ich zwei Ausstellungen mit ausländischen Partnern programmiert, in der „Calpe“-Galerie mit einem Partner aus Serbien und in dem Museum für Gegenwartskunst will ich ein Projekt mit Graffiti-Erstellern durchziehen. Das bedeutet nicht, dass wir Mauern zerstückeln und die Mauerstücke hier ausstellen werden, sondern, dass diese Graffiti-Designer ins Museum kommen und hier auf einem anderen Material arbeiten werden.

Welches sind die wichtigsten Institutionen, mit denen Sie zusammenarbeiten? Unsere Leser kennen bereits die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Kulturzentrum.

Ja, wir haben Projekte mit dem Deutschen Kulturzentrum, auch mit dem Konsulat Spaniens, mit der Kunstfakultät an der West-Universität Temeswar sowie der Kunstfakultät aus Bukarest, mit mehreren nichtstaatlichen Organisationen, Stiftungen und Vereinen, auch mit anderen Konsulaten, zurzeit mit dem Konsulat Serbiens und dem bulgarischen Konsulat. Mit diesen beiden letzteren wird auch die Ausstellung organisiert, die demnächst eröffnet wird.

Wie würden Sie den Markt der Kunstgalerien heute in Temeswar im Hinblick auf die Anzahl und die Größe der Galerien charakterisieren? Sind es ausreichend Kunstgalerien für das Temeswarer Publikum oder wünschten Sie sich mehr Konkurrenz?

Es wäre besser, wenn es mehr Kunstgalerien in Temeswar gäbe. Ich glaube, das wäre besser für das Temeswarer Publikum.

Es soll 19 Kunstgalerien in Temeswar geben.

Ich habe mich auch gefragt, wo diese 19 Kunstgalerien sind. Ich habe mir alle durch den Kopf gehen lassen, an die 17 Räumlichkeiten, in denen Kunst ausgestellt sind, habe ich zusammengezählt. Wenn es 19 sind, umso besser. Es wäre besser, wenn es mehr Räume gäbe, denn es sind viele Künstler in Temeswar und landesweit und auch aus dem Ausland würden gerne welche kommen, vor allem jetzt im Hinblick auf die Kulturhauptstadt. Es gibt mehrere Versprechen seitens der Stadtverwaltung, dass sich viele Sachen tun werden, dass neue Räume für die Gegenwartskunst eröffnet werden. Ich kann nur hoffen, dass Räume nicht geschlossen werden. Kommerzielle Galerien gibt es wenige, das Publikum, das Kunstgegenstände kauft, ist zahlenmäßig gering. Wir brauchen ein Publikum, das wir ausbilden oder weiterausbilden, ein junges Publikum vor allem, das wir in die Kunstgalerien bringen sollen. Das junge Publikum fehlt. Wenn wir es nicht ausbilden, wird in einigen Jahren das jetzige Publikum zahlenmäßig halbiert.

In diesem Sinne der Ausbildung eines jungen Publikums sind Sie den Schulen und den Lehrern entgegengekommen, die Kunst an den Schulen unterrichten?

Wir hatten Ausstellungen, in denen die Leute von der Stiftung „First“ gekommen sind und die Kinder haben in der Galerie gemalt. Bei den Biennalen ist die Ausbildung eines breiten Publikums möglich. Die Biennale für Jugendliche, die in diesem Jahr organisiert werden soll, wird sehr gut sein, „Art Encounters“ wird bereits zum zweiten Mal veranstaltet. Es werden auch weitere Ausstellungen für die Woche organisiert, die unter dem Titel „Schule anders“ verläuft.

Wie ist das heutige Besucherpublikum in Temeswar? Sie haben schon einiges angedeutet.

Zahlenmäßig ist es gering und wenn Sie zu den meisten Vernissagen gehen, werden Sie dasselbe Publikum antreffen. Viel zu oft sind im Publikum nur Künstler anwesend. Das ist auch der Grund, warum ich glaube, dass wir ein junges, ein neues Publikum und Mittel finden müssen, um es in die Ausstellung zu bringen. Es könnte auch ein Problem sein, dass die meisten Galerien Gegenwartskunst ausstellen und diese ist dem breiten Publikum nicht so zugänglich. Aber auch nicht immer. Wenn das Publikum kommen würde, könnte man es auch ausbilden. Mit den Kunstlehrern könnten die Schüler diskutieren, sie könnten ihnen eine Präsentation machen, die auf ihrem Niveau zugeschnitten ist. Ich glaube, das ist die Lösung für das Publikum der Zukunft.

Wie sehen Sie dem Jahr 2021 entgegen, in dem Temeswar Kulturhauptstadt werden soll?

Ich sehe dem Jahr mit weit geöffneten Augen und mit vielen Hoffnungen entgegen, Hoffnungen auf ein internationales Publikum, das vielleicht besser ausgebildet ist, auf ein großes Publikum, das an rumänische Kunst interessiert ist. Die Vorbereitung verläuft schrittweise, was mich betrifft. Mit jeder Ausstellungssaison machen wir einen weiteren Schritt in Richtung dieses Moments. Ein Programm habe ich noch nicht zusammengestellt, aber es gibt Diskussionen und diese werden dann auch bekannt gegeben.

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