Temeswar unter der Lupe

Europäische Kulturhauptstadt 2021 bietet viele Möglichkeiten zum Freizeitvertreib

Sonntag, 26. März 2017

Die Stadt an der Bega verfügt seit geraumer Zeit über ein abwechslungsreiches Ausgeh-Angebot, wenn wir von Restaurants, Cafés oder Kultureinrichtungen sprechen. Seit Herbst des vergangenen Jahres steht es fest: Temeswar wird Europäische Kulturhauptstadt 2021. Doch die Vorbereitungen auf das Kulturhauptstadt-Jahr haben bereits begonnen. Die Temeswarer Innenstadt wurde saniert und neu gestaltet und die Zahl der Kulturevents erlebt einen Aufwärtstrend.

Wenn am Anfang der 2000er Jahre sehr viele Restaurants auf ihrer Speisekarte hauptsächlich Gerichte aus der lokalen Küche anboten, so wuchs das Angebot im Laufe der Zeit bemerkbar. Heutzutage findet man alles, beginnend mit asiatischen und orientalischen Gerichten bis zur klassischen Mittelmeer-Cuisine. „Little Hanoi”, „Riviere Brasserie” „Locada del Corso”, „Al Duomo”, „Sky Restaurant”, „The Drunken Rat”, „Grătarul cu ştaif”, „Restaurant Dinar”, „Caruso” oder das bekannte „Lloyd” am Opernplatz sind nur ein paar der beliebtesten Restaurants in Temeswar.

Diese werden gern nicht nur von Touristen, sondern vor allem von den Temeswarern selbst aufgesucht. Bei „Grătarul cu Ştaif” kann man „mariniertes Schweinesteak mit Kräutern” für 16 Lei bestellen, wobei eine Portion BBQ-Rippchen mit Soße 27 Lei kostet. Bei „Little Hanoi” kostet eine Portion Reis, auf verschiedene Arten zubereitet, gebraten oder mit Garnelen, zwischen 14 und 20 Lei, je nach der Zutatenmischung. Möchte man lieber etwas aus dem Bereich „Fine Dining”, so kostet eine Portion Lendenfilet mit Gorgonzola, Mascarpone, Parmesan, Trüffelbutter und Sahne bei „Al Duomo”, einem der besten italienischen Restaurants Temeswars, 89 Lei - das „Marchigiana Lendenfilet” ist im „Locada del Corso” zu 125 Lei erhältlich.

Der Bistro-Bereich hat sich in den letzten Jahren stark entwickelt. Die meisten Bistros befinden sich im Stadtzentrum und verwenden die feinsten Rezepte für „Burger”, ein Trend der Küche des 21. Jahrhunderts, Pasta-Gerichte und Fleischzubereitungen. „Yamy Bistro” (dessen Sandwichangebot neben Fleisch auch Obst enthält), „Suppa Bar” (ein Bistro mit reicher Auswahl an Suppenspezialitäten), „La Strada-The Food Architects”, „Zai Áprés Café”, „Lucas Super Sandwich” sind nur ein paar der beliebtesten Bistros in Temeswar. Gerichte aus frischen Bio-Zutaten gibt es in einigen Restaurants auch: „Bio Fresh”, „Salad Box”, „The Sandwich Factory” bieten ihren Kunden gesundes Essen und Getränke.
Was die Kaffeehäuser angeht, so umfasst Temeswar eine vielfältige Palette. Von den kleinen, gemütlichen, eleganten Stuben am Domplatz bis zu den etwas feineren Cafés am Opernplatz: Ganz bestimmt wird jeder einen Platz finden, um einen Kaffee in einer gemütlichen Atmosphäre zu genießen.

Und da der Kaffee ganz gut zur Lektüre passt, bieten immer mehr Buchhandlungen ihren Kunden auch Kaffee oder Tee an. Bei  „Cărtureşti”, „Librarium-Cartea de nisip” und „La Două Bufniţe”, eine der jüngst eröffneten Buchhandlungen Temeswars, kann man nicht nur Tee oder Kaffee trinken, sondern auch solchen kaufen. Alle zwei Wochen veranstaltet das Deutsche Kulturzentrum Temeswar eine Filmvorführung in der Teestube der „Cărtureşti“-Buchhandlung in der Mercy-Straße Nr.7. Der Eintritt zu der deutschen Filmreihe ist frei. Die Buchhandlung „La Două Bufniţe” veranstaltet viele Buchvorstellungen mit den jeweiligen Autoren, aber auch Lesevormittage für Kinder sowie Spielnachmittage für Groß und Klein stehen hier auf dem Programm.

Auch an Kulturangeboten mangelt es nicht in der Stadt an der Bega. Da Temeswar die einzige Stadt Rumäniens mit drei Staatstheatern, in rumänischer, ungarischer und deutscher Sprache, ist, so kommt man manchmal in die Situation, dass man nicht weiß, welche Aufführung man zuerst besuchen soll. Alle drei Theater versuchen, die besten Inszenierungen vorzustellen, so dass sich Persönlichkeiten der Welttheaterelite sehr gern zu den Temeswarer Künstler gesellen. Das Gleiche gilt auch im Fall der Oper und der Philharmonie. Für alle Vorstellungen zeichnen Profis verantwortlich, vom Orchester bis zu den lyrischen Künstlern. Eine neue Premiere wird in diesem Frühling auf der Opernbühne gezeigt. Die Oper „Carmen“ von Georges Bizet, in der Inszenierung von Silviu Purcărete und der musikalischen Leitung des italienischen Dirigenten David Crescenzi, wird am 2. und. 3. April vorgeführt. Es wirken Sänger der Temeswarer Nationaloper, das Temeswarer Ballett-Ensemble und der Chor, sowie Sänger aus Serbien mit. Eine Vorstellung für Kinder, aber auch für Erwachsene, die im Herzen jung geblieben sind, feierte vor Kurzem ihre Premiere am Deutschen Staatstheater Temeswar. Das Musical „Das Dschungelbuch“, nach Rudyard Kipling, wurde vom rumänischen Choreographen und Tänzer Răzvan Mazilu inszeniert und soll Anfang April erneut vorgeführt werden.

Festivals und Konzerte an unkonventionellen Orten prägen das Stadtbild. Beginnend mit dem Graffiti- und Straßenkunst-FISART-Festival, über Tanz- und Theaterfestivals in den Straßen Temeswars, bis zum Folklore-Festival der Herzen und dem Opern- und Operettenfestival im Rosenpark oder dem bekannten „Bega Boulevard“, haben sowohl Temeswarer als auch Touristen die Gelegenheit, das kulturelle Leben der Stadt unter freiem Himmel zu genießen. Besonders beliebt sind Musikfestivals wie „Revolution“, „JazzTM”, „Made in TM”, „Timişoara Rocks” und das „PLAI“-Weltmusikfestival, die im Sommer und Herbst veranstaltet werden. China Moses, Bill Laurence und The Cheek Corea Electric Band sind nur ein paar Namen des diesjährigen JazzTM-Lineups, welches zwischen dem 30. Juni und dem 2. Juli am Opernplatz und in zwei weiteren Parks in der Innenstadt von Temeswar über die Bühne geht. Im Rahmen des Programms „Temeswar - Rumänische Hauptstadt der Jugend” soll zwischen dem 29. April und dem 1. Mai zum ersten Mal das „CheckOut”- Festival stattfinden.

Jeden Frühling gehen Kaffee und Kultur Hand in Hand in Temeswar. „Cafékultour“, die Woche der Kaffeehauskultur, entstand durch die Zusammenarbeit zwischen dem Französischen Kulturinstitut und dem Deutschen Kulturzentrum Temeswar. Die 13. Ausgabe findet zwischen dem 3. und dem 9. April in verschiedenen Temeswarer Kaffeehäusern statt.
Man sagt, dass die Bildung eines Individuums im Kindesalter beginnt und sich stetig entwickelt. Die Temeswarer Kultur scheint sich gerade auf diese Aussage zu stützen, denn zahlreiche Vorführungen richten sich an das junge und sehr junge Publikum, sei es Theater, Konzerte oder interaktive Veranstaltungen. Der Preis einer Theater-, Oper- oder Konzertkarte bei der Banater Philharmonie schwankt in Temeswar zwischen 10 und 60 Lei. Ermäßigungen gibt es für Schüler, Studierende und Rentner. Was das Museumsangebot betrifft, so wäre in Temeswar definitiv Platz für mehr. Das Hunyadi-Schloss, das heutige Banater Museum, ist seit mehreren Jahren wegen Sanierungsarbeiten geschlossen. Eine gute Alternative ist das sehenswerte Kunstmuseum am Domplatz mit monatlichen Ausstellungen rumänischer und internationaler Künstler, oder man kann die zeitweilige Ausstellung des Banater Museums in den Räumen der Theresien-Bastei besichtigen. Zu einer Reise in die Vergangenheit bieten das Dorfmuseum am Rande des Jagdwalds oder die Gedenkstätte der Revolution in der Oituz-Straße Gelegenheit.

Außerdem erkennt man in Temeswar eine breite Palette an Möglichkeiten zur aktiven Freizeitgestaltung. Bogenschießen bei  „TM Archery”, Gedächtnisspiele wie zum Beispiel „Escape the room”, Fitness-Studios wie „Smartfit“ und „WorldClass“ sind nur ein paar der beliebtesten Varianten. Eine Dauerkarte mit vier Eintritten bei „TM Archery“ kostet 50 Lei, wobei ein Jahresabo mit unbegrenzten Eintritten zwischen 600 und 1.000 Lei kostet. „TM Archery“ bietet auch Ermäßigungen für Familien oder Gruppen. Ein Monatsabo bei den Temeswarer Fitness-Studios liegt zwischen 100 und 1500 Lei – je nach Angebot. „Indoor-Cycling”, Kangoo Jumps, Aerobic, Schwimmen oder das Ganzkörper-Workout  TRX sind nur einige der am meisten besuchten Sportklassen in Temeswar. Ein Manko sind die fehlenden Schwimmhallen. Die wohl bekannteste ist „Arena Aquasport“ an der Lugoscher Straße, auch Smartfit Studio bietet in zwei seiner drei Sportsäle ein Schwimmbecken.
Wer also die Stadt an der Bega besichtigen und sich hier wohl fühlen möchte, der muss lediglich Augen haben, um zu sehen, und Ohren, um zu hören. Interessante Möglichkeiten, um ein paar nette Stunden in Temeswar zu verbringen, gibt es für jedermann.

Oana Eremie studiert Germanistik und Latein an der West-Universtität Temeswar. Die 19-Jährige hat ein Praktikum in der Temeswarer ADZ-Redaktion absolviert.



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