Temeswarer Stadtpolizisten mieden das Fachstudium

Ausbildung könnte auch in Sonderlehrgängen erfolgen

Mittwoch, 24. Oktober 2012

Viele der Kommunalpolizisten, in der direkten Übersetzung, „Lokalpolizisten“, oder „Stadtpolizisten“ genannt, haben in Temeswar eine Jurastudium hinter sich. Bei ihrem Einsatz auf der Straße ist ihr Job der gleiche, doch manchem „Diplomierten“ winkt eventuell der berufliche Aufstieg. Foto: Zoltán Pázmány

„Was? Eine spezielle Hochschule braucht der auch noch?“, kommt die überraschte Frage. Dass der Knöllchenverteiler an der Straßenecke eine Hochschule absolviert haben könnte, das kann der Bürger auf der Straße noch irgendwie nachvollziehen, dass es sich dabei jedoch um eine eigens eingerichtete Fachabteilung für Kommunalpolizisten handelt, ist ihm nicht bekannt. Die Möglichkeit, sich in Temeswar als Diplom-Kommunalpolizist ausbilden zu lassen, war in den letzten Jahren gegeben, doch diese ist nun vorerst vom Tisch. Marilen Pirtea, Rektor der Temeswarer staatlichen West-Universität, hat diesen Studiengang aufgehoben. Aufgrund mehrerer Aspekte habe dieser Ausbildungsweg das Niveau der Rechtsfakultät in der Punktewertung heruntergezogen, sagt Pirtea. In einem Drei-Jahres-Studium konnten Interessenten ihr Diplom zum Kommunalpolizisten machen. „Es ist ja nicht so, dass sie nur Diebe verfolgen müssen.

Kommunalpolizisten müssen ja auch guten Umgang mit den Bürgern haben, Gesetze kennen und kommunizieren können“, argumentiert Pirtea die Entscheidung seines Vorgängers, eine solche Abteilung an der Rechtsfakultät zu gründen. Trotzdem gibt er zu, dass die Studenten an der Abteilung für Kommunalpolizisten meist schwächer waren, als jene anderer Studiengänge. Die Pikanterie am Ganzen ist jedoch, dass keiner der Absolventen oder Studenten der Abteilung an der West-Universität bei der Kommunalpolizei in Temeswar eingestellt ist. „Seit Jahren sind auch bei uns die Stellen aufgrund von Sparmaßnahmen blockiert“, erklärt Dana Seracin, Sprecherin der Temeswarer Kommunalpolizei der Banater Zeitung gegenüber. Und die bereits Eingestellten zogen andere Ausbildungswege vor.

Dass diese Abteilung nun abgeschafft wurde, hängt mit den Anforderungen zusammen, die Pirtea stellt. Um einen Studiengang zu rechtfertigen, bedarf es ersteinmal an Nachfrage und dann kommt das Leistungskriterium. Auch die Tatsache, dass es ein neuer Studiengang „ohne Historie und ohne wissenschaftliche Tätigkeit“, gewesen sei, habe zur Auflösungsentscheidung beigetragen, sagt Rektor Pirtea.

Der entscheidende Faktor scheint jedoch die Tatsache gewesen zu sein, dass „die Lehrkräfte an der Rechtsfakultät sich unter der gegebenen Situation auch auf andere Bereiche, wie öffentliche Administration und Kommunalpolizei, konzentrieren mussten“. Der Aufwand für die Rechtsfakultät sei daher „geschmälert“ gewesen, sagt Pirtea. 20 Jahre nach Gründung der Fakultät für Rechtswissenschaften und Administration wurden nun die Studiengänge für Kommunalpolizei und Administration aufgelöst. In der Abteilung für öffentliche Verwaltung hielt sich das Interesse ohnehin in überschaubaren Grenzen: Ganze 13 Kandidaten waren im Sommer aufgenommen worden – dann  wurde die Abteilung aufgelöst und die Studienanfänger mit deren Einverständnis zu den Rechtswissenschaften transferiert.

Ganz abgehakt ist das Thema der aufgehobenen Studiengänge für Marilen Pirtea dann doch nicht. „Die Kassierin und der Pförtner können ohne Hochschule auskommen, im mittleren Management der Verwaltung ist eine solche Hochschule wichtig, zumal Privatwirtschaft und öffentliche Verwaltung zwei verschiedene Bereiche sind“, sagt Pirtea. Er denkt dabei an eine separate Fakultät, der auch zukünftige Kommunalpolizisten einverleibt würden. Sollten sich solche Studiengänge nicht begründen lassen, wäre es noch immer möglich, auch dem Knöllchenverteiler für ein besseres Auftreten über spezielle Ausbildungslehrgänge zu Wissen und Diplom zu verhelfen.

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