Tickende Kunstwerke

Für Tudor Petrican wurde die Leidenschaft für Uhren zum Beruf

Sonntag, 10. Mai 2015

Die Gänseblümchen-Uhr

Tudor Petrican in seinem Arbeitszimmer auf der Bukarester Straße

Der Traum von Alice

Kronstadt-Uhr

Scheren-Uhr

Selbst aus einem alten Telefon kann man eine Uhr herstellen.

Es ist ein ganz gewöhnlicher Mittwochvormittag in der Bukarester Straße in Kronstadt/Braşov. In der Busstation neben dem Kreiskrankenhaus warten etwa zehn Leute. Auf einem Balkon im zweiten Stock des gegenüberliegenden Wohnblocks zeigt eine große, bunte Uhr Viertel vor neun an. Manche Leute in der Station bemerken sie und lächeln. Die Uhr hat die Form eines riesigen Gänseblümchens mit weißen Blütenblättern aus Aluminium als Ziffernblatt. Auf den beiden Zeigern sitzen Bienen.

 „Erstens können die Leute sich nach meiner Uhr richten. Zweitens, und das ist viel wichtiger, wollte ich damit ein wenig Farbe in die graue Landschaft bringen“, meint Tudor Petrican. Der Balkon auf der Bukarester Straße gehört zu der Wohnung wo er lebt und arbeitet. Seit 2010 hat der junge Künstler schon über 1000 Uhren in allen möglichen Formen und aus allen möglichen Materialien gebaut. Seine Kreationen hängen jetzt auf Wänden in ganz Rumänien und in einigen Ländern Europas.

Von der blauen Plastikuhr zur Schuhschachtel-Uhr

„Ich erinnere mich noch heute an meine erste Armbanduhr. Sie war blau und hatte einen Plastikriemen. Es war ein schöner Sommertag, ich war in Eforie Nord auf einer Freilichtbühne mit dem Schlagersänger Mihai Constantinescu und vielen anderen Kindern. Wir tanzten zur Musik und ich schaute permanent auf die blaue Uhr, so stolz war ich darauf. Damals war ich sieben Jahre alt“, erinnert sich der heute 32-Jährige. „Es kann sein, dass bei uns zu Hause mehr Uhren waren, als in anderen Häusern. Ich hatte schon immer eine Leidenschaft dafür, da ich die Sache mit der Zeit immer sehr interessant fand“.

Tudor hat in Kronstadt Elektronik studiert. Schon immer wusste er, dass er sich keinen „normalen“ Job  mit Chefs, Bürostunden und monotonem Arbeitsalltag wünscht. Nach ein paar Jahren in Bukarest zog er nach Kronstadt zurück und versuchte sein Glück in verschiedenen Bereichen.

Nichts klappte wirklich. 2010 wohnte er zusammen mit einem Freund, der in Temeswar Kunst studiert hatte. „Wir kamen eines Tages auf die Idee, dass man eigentlich aus allen Gegenständen eine Uhr machen kann, wenn man einen Mechanismus hinzufügt. Wir haben also mehrere Uhrmechanismen gekauft und uns an die Arbeit gemacht“. Jetzt stammen die Uhrmechanismen der „Beclockwise“-Uhren aus Deutschland und aus der Türkei. „Im Handel findet man leider nur billige China-Ware“, meint der Künstler. Die erste Uhr, die Tudor gebaut hat,  liegt noch heute in seinem Wohn- und Arbeitszimmer. Es ist eine alte Schuhschachtel mit aufgeklebten Collagen und Zeigern aus Metall.

Aus allem kann eine Uhr werden

„An dieser Uhr kann man sehen, dass ich inzwischen immer besser geworden bin. Damals kannte ich die Materialien noch nicht. Inzwischen habe ich entdeckt, dass man Uhren aus ganz verschiedenen Stoffen herstellen kann: Vinyl, Karton, Plastik, Holz, Aluminium. Mit der Zeit habe ich langsam angefangen, auch Werkzeuge zu kaufen, wie zum Beispiel Hammer oder Laubsägen“, erzählt Petrican. Eine andere Uhr, die er behalten hat, wurde aus einer Aktentasche hergestellt, die jemand in den Müll geworfen hatte. Tudor hat sie in Papier eingewickelt und bemalt.

Auf den Namen „Be Clockwise“ (übersetzt bedeutet es etwa: „Sei im Uhrzeigersinn!“) kam er nach einer Brainstorming-Sitzung mit seinen Freunden. „Ich finde, der Name klingt gut“. Werbung ist das halbe Geschäft - deshalb muss Tudor nicht nur ausgefallene Ideen für Uhren haben, sondern sich auch um die Webseite www.beclockwise.ro kümmern. „Zuerst war die Seite ein Blog auf Wordpress. Dann hat ein Mitbewohner mich gelehrt, wie man Webseiten gestaltet und so sind die ersten wirklichen Kunden gekommen. Endlich kauften auch Leute, die ich nicht kannte, meine Uhren“, erinnert sich Tudor. Bis zu dem Zeitpunkt hatten nur Freunde oder Bekannte seine Werke bestellt.

Der Kunde kann eigene Ideen mitbringen

Spielkarten, ein alter Radiosender, ein Spiegel, eine Pfeife, ein Fußball, ein Teller, Muscheln vom letzten Urlaub am Strand, die Festplatte von einem alten Computer - alles kann beim Herstellen einer Uhr verwendet werden. Je ausgefallener die Idee, desto origineller das Endprodukt.

„Das hier ist eine Uhr, für die ich ganz viele Kaffeebohnen verwendet habe, die ich auf einen Teller geklebt habe. Jetzt steht sie in einem Bukarester Café. Die „Billard-Uhr“ steht natürlich in einem Billard-Club in Kronstadt. Dafür habe ich mehrere Billard-Kugeln mit Ziffern in die Hälfte geschnitten. Die Uhrzeiger sind Billardstöcke“, erklärt Petrican die Modelle auf seiner Webseite.

Die Uhren von „Be Clockwise“ sind vielfältig. „Bei einigen Modellen habe ich mich aus dem Internet inspirieren lassen und noch etwas hinzugefügt. Ich komme immer mit neuen Ideen dazu“, erklärt der Künstler.

Inzwischen sind auf der Webseite ganze Uhrenkollektionen entstanden, so wie bei großen Marken. Es gibt Küchenuhren, Uhren für Kinder, Uhren fürs Büro, Wecker und spezielle Uhren für Hotels oder Restaurants. Zu jeder Uhr schreibt Tudor eine kurze Geschichte, die dann auf die Webseite kommt. Dabei helfen ihm seine Mutter, seine Großmutter und seine Freundin. „Für die Küche passt zum Beispiel eine Uhr mit Gabel und Messer als Zeiger und einem Teller als Ziffernblatt. Kinderuhren müssen natürlich bunt sein und eine witzige Form haben - zum Beispiel eine Katze oder ein Elefant. Der Kunde kann aber selbst bestimmen. Ich freue mich, wenn er selbst mit Ideen kommt, die wir dann zusammen entwickeln“. Es gab Kunden, die sehr gute Ideen hatten - wie etwa für das Modell „Der kleine Prinz“ mit Luftballons und Flugzeugen, die sich vom Ziffernblatt weg erheben. Ein anderer Kunde hatte die Idee, eine Uhr mit zwei Stundenzeigern zu bauen: einen für die Sommer- und den anderen für die Winterzeit, damit man die Uhr nicht mehr einstellen muss. Die Uhr „Nicu Ban“ trägt jetzt seinen Namen. Auf den beiden Stundenzeigern sind eine Sonne, beziehungsweise eine Schneeflocke aus Plastik angebracht.

„Mechanik des Herzens“ und „Der Traum von Alice“

Jede „Beclockwise“- Uhr hat ihre eigene Geschichte. „Ich hatte einen Nachbarn, der russische Uhrmechanismen sammelte und eine Leidenschaft für russische Staubsauger hatte. Nachdem er gestorben war, hatte mir seine Frau alle Uhrmechanismen geschenkt. Die meisten davon stecken in der Uhr, die ‚Mechanik des Herzens‘ heißt und die ich meiner Tante aus Deutschland geschenkt habe, die als Kardiologin arbeitet“. Einmal saß Tudor zusammen mit einem Freund in der Küche, als ein Glas Wein von Tisch fiel und zerbrach.  „Komm, wir machen eine Uhr daraus“, hatte Tudor vorgeschlagen. Die Uhr „Der Traum von Alice“, inspiriert von Alice im Wunderland, hat später eine Radiomoderatorin gekauft. Sie steht seither auf ihrem Arbeitstisch.

Tonplatten werden zu Weckern, ein Stück Styropor kann gelb gefärbt werden und wird zu einem Käse mit Löchern, auf dem Mäuse tanzen und anschließend zur Wanduhr. Eine Uhr mit Fledermäusen, aus einer alten Schallplatte gemacht und „Transylvania“ genannt, steht jetzt in einer Pension in Österreich. Sogar Klaviertasten, die Tudor auf einem Jazzfestival in Dänemark gefunden hat, wurden zur Uhr. Vor einigen Wochen war der junge Künstler in Fogarasch unterwegs und hat auf einem verlassenen Fabriksgelände den Propeller von einem Ventilator gefunden. „Der wird auch zur Uhr!“, hat er beschlossen.
Jetzt baut Petrican nicht mehr alle Uhren selbst. „Ich arbeite mit Firmen zusammen, die über verschiedene Apparaturen verfügen. Die Uhren aus Holz mache ich selber“.

Die größte Uhr, die Tudor Petrican hergestellt hat, ist zwei Meter breit und einen Meter hoch und ist bei der Rezeption eines Temeswarer Hotels anzutreffen.

Brauchbare Kunst

Für eine Uhr arbeitet er zwischen einem Tag und zwei Wochen - es kommt auf die Komplexität des Modells an. Tudor mag es, den Kunden aus Kronstadt selbst die bestellte Uhr zu liefern. Manchmal macht er es sogar für Kunden außerhalb der Stadt. „Zu Weihnachten hatte ich zwei Bestellungen aus Craiova und habe die Uhren persönlich den Kunden übergeben. Ich habe mich dabei ein wenig wie der Weihnachtsmann gefühlt“, erinnert er sich.

Der Preis einer „BeClockwise“ Uhr fängt bei 100 Lei an. Jetzt arbeitet Tudor daran, seine Webseite auf Englisch zu übersetzen und für Suchmaschinen zu optimieren. Außerdem hat er eine Idee für eine neue Kollektion. Die Ideen kommen meistens während der Arbeit. „Die Leute haben es langsam satt, China-Ware zu kaufen, die in Serie hergestellt wird. Sie haben angefangen, nach handgemachten Sachen zu suchen. Damit Kunst in ein Haus kommt, muss sie jedoch brauchbar sein“- das ist der Grund, weshalb Tudor glaubt, dass seine Kreationen Erfolg haben. „Mit jeder neuen Uhr, an der ich arbeite, lerne ich etwas dazu. Mit den Jahren ändern sich meine Uhren. Das ist normal. Die Zeit vergeht, und in meinen Werken widerspiegelt sich meine Person im Laufe der Jahre“.

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Mehr über Tudors Uhren unter www.beclockwise.ro und www.facebook.com/beclockwise.

Kommentare zu diesem Artikel

vaporeanu, 11.05 2015, 00:04
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