Tierischer Spaß in Wien

Für Zooliebhaber bietet die österreichische Hauptstadt ein breit gefächertes Angebot

Donnerstag, 19. November 2015

Die Eisbärenwelt gilt als neueste Attraktion im Tierpark Schönbrunn.
Foto: Daniel Zupanc

Die Besucher sind am Eingang zum Haus des Meeres eingeladen, die freundlichen Koi-Karpfen zu streicheln.
Foto: Vlad Popa

Viele Europäer kennen und schätzen die alte Kaiserstadt Wien, die weltweit bekannt ist für ihre Architektur, Gastronomie, Museen oder den Lebensstil. Als wichtiger internationaler Kongress- und Tagungsort ist Wien der Sitz von über 30 internationalen Organisationen. Wien war jahrhundertelang kaiserliche Reichshaupt- und Residenzstadt der Habsburger Monarchie und zählt zurzeit rund 1,8 Millionen Einwohner, was sie zur bevölkerungsreichsten Großstadt Österreichs und der zweitgrößten Gemeinde des Landes macht. Was viele über Wien nicht wissen dürften ist, dass es außer für Architekturliebhaber, Kulturbegeisterte und Gourmets auch für Tierfreunde vieles zu bieten hat: der Schönbrunner Tiergarten, das Haus des Meeres oder der Lainzer Tiergarten.

Der Schönbrunner Zoo

Der wohlbekannte Schönbrunner Zoo gilt der Fachliteratur zufolge als der bedeutendste zoologische Garten Europas. Der britische Zooexperte Anthony Sheridan kürte ihn heuer zum vierten Mal zum besten Zoo Europas. Den Titel durfte der Tiergarten bereits 2008, 2010 und 2012 entgegennehmen. Nach Sheridans Auswertung schnitt er unter insgesamt 40 Kriterien wie Artenschutz, Tierhaltung, Zoopädagogik, Artenvielfalt und Besucherzahlen erneut als Bester ab.

Gebaut wurde der erste Wiener Tiergarten 1452 bis 1462 im Wiener Stadtgraben und bereits 1552 war hier ein Elefant zu sehen. Der Schönbrunner Zoo entstand jedoch erst knapp zweihundert Jahre später, nachdem das Habsburger Kaiserhaus den Besitz und die im Park des Schlosses Belvedere eingerichtete Menagerie nach dem Tod des Prinzen Eugen von Savoyen kaufte. Am 31. Juli 1752, der als Geburtstag des Tierparks gilt, hielt sich erstmals Kaiser Franz I. Stephan von Lothringen, der Gemahl der Kaiserin Maria Theresia, mit Gästen in der schon fast fertiggestellten Menagerie im Schönbrunner Schlosspark auf. Der Reihe nach zogen hier im Laufe der Zeit Elephanten, Eisbären, Wölfe, Bären, Pelikane oder Giraffen ein, aktuell zählt der Schönbrunner Zoo insgesamt rund 8.500 Tiere, die über 700 Arten entstammen.

Auf einer Fläche von 17 Hektar, welche inmitten des 160 Hektar großen Schönbrunner Schlossparks liegt, bewundern jährlich rund zwei Millionen Kinder und Erwachsene die Tiere, die beispielhaft eingerichteten Gehege und Anlagen, aber auch die Architektur, die über die Jahrhunderte hinweg erhalten geblieben ist und durch ihre Schönheit weiterhin beeindruckt. Das neueste Schmuckstück des Tiergartens ist die Eibärenwelt. Mit 1.700 Quadratmetern hat sie die dreifache Fläche der alten Anlage und umfasst Wiesen, Fels- und Geröllflächen, Bachläufe, einen Wasserfall und Wasserbecken.

Abgesehen von den Tieren ist das Freizeitangebot des Tierparks schier unendlich: Es gibt Restaurants, man kann mit einer Panoramabahn fahren, an Themen-, Abend- oder Nachtführungen teilnehmen, reiten oder ein Themen-Dinner genießen, um nur einige Angebote zu nennen. Die Kinder stehen, wie es bei den allermeisten Zoos der Fall ist, im Mittelpunkt. Sie können hier ihren Geburtstag feiern, an Pferdeflüsterer-Vorführungen teilnehmen, sich auf Spielplätzen austoben oder sogar an Feriencamps teilnehmen, welche das Technische Museum Wien und der Tiergarten Schönbrunn in den Sommerferien ausrichten. Während dieser Sommercamps werfen die Kinder einen Blick hinter die Kulissen der beiden Einrichtungen, erforschen gefährdete Tierarten, erfahren mehr zum Thema Umweltschutz, Technik und Erfindungen, lernen interessante Haustiere kennen und vieles mehr. Dabei belaufen sich die Kosten auf knapp 300 Euro pro Kind und Woche, wobei teilnehmende Geschwister je 260 Euro bezahlen. Für Schulen und Kindergärten stehen Unterrichtsführungen, Modellierkurse, Heimtier- und Verhaltensforschungsseminare sowie Lehrerseminare im Angebot.

Weitere Informationen über den Tiergarten, dessen Geschichte und das Angebot auf www.zoovienna.at.

Das Haus des Meeres

Das größte Aquarium Österreichs ist in einem ehemaligen Flakturm aus dem Zweiten Weltkrieg im Esterhazypark untergebracht. Auf seinen über 5.000 Qadratmetern zeigt es mehr als 10.000 Tiere. Hunderttausende Besucher bewundern dort jährlich Süß- und Seewasserfische aus dem Mittelmeer und heimischen Gewässern, Haie, Krokodile, Schildkröten, Vögel, Gift- und Riesenschlangen oder Äffchen. Besondere Anziehungspunkte sind die Tanks der Schwarz- und Weißspitzenhaie, Bambus- und Hammerhaie. Den mutigsten Besuchern bietet sich hier die Möglichkeit, Haie aus nächster Nähe zu erleben und zu erfahren, wie sich ihre Haut anfühlt, Piranhas tief ins Maul zu sehen, Kobras zu berühren oder Quallenbabys, Seesternaugen und einäugige Cyclopenkrebse durch das Mikroskop zu erkunden.

Die Ausstellung „Erinnern im Innern“ beschäftigt sich im zehnten Stock des Flakturmes mit dessen dunkler Geschichte und zeigt Originalexponate oder Wandtafeln zur Baugeschichte und das im Originalzustand erhaltene Stiegenhaus zwischen dem neunten und zehnten Stock. Vom letzten Stock des Turmes kann man bei verschiedenen Leckerbissen und Getränken nach der ausgiebigen Besichtigung ausruhen und das Wiener Häusermeer aus 35 Metern Höhe bewundern.

Der Lainzer Tiergarten

Am Ende der U-Bahn-Linie U4 liegt, unweit der Station Hütteldorf, der Lainzer Tiergarten. Das für Städter und Touristen beliebte Erholungsgebiet, das 1457 als „Thier- und Saugarten“ erwähnt wurde, bietet eine einmalige Kultur- und Naturlandschaft, eine reiche Pflanzen- und Tierwelt und gleichzeitig die Möglichkeit, irgendwo in der Stadt in die U-Bahn ein- und mitten in der Natur wieder auszusteigen, zu joggen oder zu wandern. Auf den insgesamt rund 2.500 Hektar des Naturschutzgebietes, welches über eine 22 Kilometer lange Umfassungsmauer verfügt, verbinden sich Erholung, Naturerleben und Bildung. Erstmalig wurde der Tiergarten 1941 zum Naturschutzgebiet erklärt und 2008 trat eine neue Verordnung der Wiener Landesregierung zum Schutz des Reservats in Kraft.

Ein besonderer Anziehungspunkt im Naturschutzgebiet ist das Naturwaldreservat Johannser Kogel. Hier befinden sich auch die Überreste eines etwa 400 Jahre alten Eichenbestandes mit Stammumfängen von mehr als vier Metern - ein Naturdenkmal, das für die Besucher des Tiergartens jedoch aus objektiven Gründen gesperrt ist.

Als Naturschutzgebiet sind im Lainzer Tiergarten auch seltene Tierarten wie der Weißrückenspecht und der Schwarzspecht, die Hohltaube, Reptilien und Amphibien, Insekten, Säugetiere und Wildtiere wie Wildschweine, Damhirsche, Rehe und Mufflons zu sehen. Ein ganz besonderes Erlebnis ist es, im Naturreservat spazieren zu gehen und sich den Pfad mit einem ausgewachsenen Keiler zu teilen, der einige Meter weiter Eicheln frisst.

Das Freizeitangebot des Parks bietet Wald- und Naturlehrpfade, Waldspielplätze für Kinder sowie Ausstellungen in der Hermesvilla, welche Kaiserin Elisabeth einst von ihrem Mann, Kaiser Franz Joseph, als Geschenk erhielt und die heutzutage als „Sissis Schloss der Träume“ bekannt ist. Der Tiergarten kann das ganze Jahr über zwischen 8 und 17 Uhr kostenlos besichtigt werden, der Eintritt in die Hermesvilla beträgt 6 Euro für Erwachsene, 4 Euro für Senioren, für Kinder im Alter von bis zu 19 Jahren ist er frei und ebenfalls kostenlos kann die Villa jeden ersten Sonntag im Monat besucht werden.

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