Todesgefahr für Fußgänger

Immer mehr Unfälle auf den Kronstädter Zebrastreifen

Samstag, 20. Februar 2016

Symbolfoto: freeimages.com

4. Januar 2016. Mihai Donţu, Kronstädter Parlamentsmitglied, verursacht an einem Fußgängerübergang in der Nähe der Einkaufszentren in der Bukarester Straße/Calea Bucureşti einen Unfall, bei dem ein 60jähriger sein Leben verliert. Der Unfall ereignet sich spät am Abend. Später erklärt Donţu der Polizei, dass er den Fußgänger wegen Nebel und Dunkelheit nicht gesehen hat.

5. Januar 2016. Weniger als 24 Stunden nach diesem tragischen Vorfall wird ein 54jähriger Mann, der die Independenţei-Straße im Tractoru-Viertel auf einem Zebrastreifen überqueren will, von einem Auto angefahren und tödlich verletzt.

19. Januar 2016. Ein 73jähriger Autofahrer verursacht einen tödlichen Unfall auf der Bukarester Straße. Opfer ist eine 64-Jährige, die die Straße auf dem Zebrastreifen überqueren wollte.

4. Februar 2016. Beim Überqueren des Fußgängerübergangs vor dem Kronstädter Bahnhof wird ein Mann schwer verletzt. Am selben Abend passiert ein anderer Verkehrsunfall auf der Griviţei-Straße, in der Nähe des Onix-Einkaufszentrums. Ein junger Mann wird auf dem Zebrastreifen angefahren. An derselben Stelle gab es auch im Dezember 2015 einen Unfall. Eine junge Frau, die von einem Auto angefahren wurde, lag mehrere Tage im Koma.
Der Fußgängerüberweg sollte laut den Verkehrsregeln den Fußgängern Vorrang vor Autos einräumen. Trotzdem kommt es an Zebrastreifen zu Unfällen. Diese haben sich leider in Kronstadt erschreckend vermehrt. Polizei und Bürgermeisteramt suchen verzweifelt nach einer Lösung, um die Straßen für Fußgänger sicherer zu machen.
 

Polizei-Kampagne

Laut Angaben der Kronstädter Polizei verunglückten im Vorjahr 3 Menschen tödlich, während sie die Straße auf einem Fußgängerübergang überquerten. 2016 wurde diese schwarze Bilanz schon im ersten Monat des Jahrs erreicht. Da die Anzahl dieser Tragödien immer größer wird, hat die Kronstädter Polizei neulich eine Kampagne für die Vorbeugung der Unfälle auf dem Zebrastreifen gestartet. Der Hauptgrund, weshalb so viele Unfälle passieren, ist dass viele Fahrer vergessen, in der Nähe der Zebrastreifen die Geschwindigkeit zu verringern.

In einer einzigen Woche wurde 86 Autofahrern der Führerschein genommen, nachdem sie bei den Zebrastreifen den Fußgängern keinen Vortritt gewährt haben. Autofahrerhaben jedoch die Pflicht, sich den Zebrastreifen langsam zu nähern. Doch auch als Fußgänger muss man be-sonders aufmerksam sein, bevor man eine Straße überquert.

Die Polizei wird auch in Zukunft permanent den Verkehr überwachen und mit Fußgängern und Autofahrern Gespräche führen. Ein Grund für die Unfälle sind aber auch die nicht hinreichend gekennzeichneten Zebrastreifen. Die Verkehrspolizei hat vor Kurzem alle Fußgängerübergänge der Stadt kontrolliert. „Mehr als 30 Fußgängerüberwege sind während der Nacht nur schwach beleuchtet. Außerdem gibt es eine Vielzahl von Zebrastreifen, die nicht ausreichend markiert und gekennzeichnet sind. Deshalb werden sie von Autofahrern nicht rechtzeitig bemerkt“, meint Liviu Naghi, Sprecher der Kronstädter Verkehrspolizei.
 

Die gefährlichsten Zebrastreifen der Stadt

Welches sind, der Meinung der Kronstädter nach, die gefährlichsten Zebrastreifen in der Stadt? Laut den Informationen auf Internetforen gibt es eine Vielzahl von Orten, wo das Überqueren der Straße gefährlich ist: der Zebrastreifen vor dem „Allianz“-Gebäude gegenüber dem Kreiskrankenhaus, wo die Fahrer mit hoher Geschwindigkeit in eine Kurve mit wenig Sicht kommen, die beiden Zebrastreifen auf der Griviţei-Straße (bei „Onix“ und in der Nähe der Post), die überhaupt nicht markiert sind, der Übergang in der Nähe der Station „Brastar-Druckerei“ auf der Marienburger Straße/Calea Feldioarei, der Zebrastreifen vor dem Bartholomäher Bahnhof, wo es eine mehrspurige Straße gibt und Autos aus mehreren Richtungen, oft mit großer Geschwindigkeit kommen. Auch in der Nähe der Verkehrsinsel bei Făget, vor dem Orizont-Kaufhaus auf dem Saturn-Boulevard und beim Transformator auf der Fabrikstraße/Str. Mihai Viteazu gibt es Zebrastreifen, auf denen oft Unfälle passieren.
 

Markierungen und Rüttelschwellen

Wie kann man Unfälle vermeiden? Erstens sollten sowohl Fußgänger, als auch Autofahrer aufmerksamer sein. Zweitens sollten die Zebrastreifen richtig geplant und ausgestattet sein. Man sollte die Fußgängerübergänge durch auffällige Beschilderung und Markierung gut erkennen. Die Zebrastreifen sollten während der Nacht gut beleuchtet werden. Die Markierungen müssen dringend erneuert werden, um andere Tragödien zu vermeiden. Ampeln für Fußgänger, die auf Knopfdruck auf Grün für Fußgänger und Rot für die Autos umschalten (z.B. beim Modarom-Gebäude, beim Star-Kaufhaus, auf der Klostergasse oder auf dem Vlaicu-Boulevard bei der orthodoxen Kathedrale) oder Unterführungen für Fußgänger (wie bei Hidromecanica oder auf dem Victoriei-Boulevard) könnten eben-falls eine Lösung sein.

Eine andere Variante wäre, laut dem Stadtverwalter Miklos Gantz, das Anbringen von Rüttelschwellen in unmittelbarer Nähe der Zebrastreifen. Neue Rüttelschwellen wurden schon vor dem Fußgängerübergang auf der Iuliu-Maniu Straße in der Nähe von SIF Transilvania angelegt.

Kommentare zu diesem Artikel

Manfred, 22.02 2016, 02:03
Ottmar-wenn ich als Fußgänger weis,wie rücksichtslos viele Autofahrer sind(das sind sie,da hast Du recht),gehört es zum Selbstschutz,sich abzusichern...Recht haben,aber tot sein,davon habe ich nichts.
Ottmar, 21.02 2016, 23:23
Manfred das Problem sind nicht die Fussgänger,
das Problem sind die Machos die in Rumänien ans Steuer dürfen.
Mein RO-Ranking
SUV/Mercedes,BMW Kombi/ Passat/GOLF/Dacia neu/Dacia alt/ Radfahrer + Fussgänger = tot
Manfred, 21.02 2016, 22:36
Bei dem erstgenannten Unfall war ich natürlich nicht dabei...aber ganz so einfach ist es nicht immer.Ich persönlich habe es auch schon erlebt,das die Mutter mit Kinderwagen und Handy am Ohr völlig unvermittelt(ohne nach links und rechts zu blicken) den Zebrastreifen betrat.Wenn dann noch ein Sprinter direkt am Zebrastreifen parkt...Auch Fußgänger müssen in RO aufmerksamer sein.
Ottmar, 21.02 2016, 20:01
Sraffa die hauptsächliche Ursache dieser Unfälle ist der unsägliche Egoismus der Machos (Männer und Frauen gleich) auf Rumäniens Straßen. Mich hat auch einmal in Bukarest am Zebrastreifen ein Mitarbeiter der Securitate Police angefahren. Er rief die Straßenpolizei die mich mit MPs empfingen. Letztendlich musste sich der Polizist bei mir vor ca. 150 Passanten entschuldigen. War die Höchststrafe für einen Rumänen. Meine kaputte Uhr habe ich mir dann lieber selber bezahlt da ich sonst 5 Tage mit Behördenwillkür hätte verbringen müssen. So ist Rumänien. Der Mensch gilt nur etwas in einem SUV.
Sraffa, 21.02 2016, 03:38
Die Ursache ist mangelnde Qualifikation der Autofahrer(innen). Wer erlebt hat wie in Osteuropa Führerscheine erworben werden weiß daß Verantwortungsbewusstsein und Verantwortungsbereitschaft und Verantwortungsübernahme hier schon sprachliche Fremdwörter sind geschweige denn begriffen oder praktiziert werden.
Tourist, 21.02 2016, 00:26
der Hauptgrund für die meisten Unfälle ist mangelnde bauliche Infrastruktur. Zebrastreifen müssen baulich gesichert werden, nicht einfach nur ein paar Farbstriche auf den Asfalt malen und fertig. Und ja, in Rumänien ist der Straßenverkehr oft sehr gefährlich. Hält man sich innerhalb von Ortschaften an das Tempolimit, oder fährt bei Nacht und Nebel sogar noch langsamer, kracht einem hinter der nächsten Lastwagen oder Bus rein. Fährt man normal wie alle andern, hat man keine Chance dunkel gekleidete Personen in der Nacht bei schlechten Sichtverhältnissen (Nebel, keine Straßenbeleuchtung) rechtzeitig zu sehen. In vielen Straßendörfern gibt es kein Trottoir, alle Fußgänger spazieren direkt neben dem Durchzugsverkehr, auch bei Dunkelheit, und die ist im Januar eben schon um 16:30.
Hugo, 20.02 2016, 16:20
Wenn Herr Donţu angibt, "dass er den Fußgänger wegen Nebel und Dunkelheit nicht gesehen hat", hat er praktisch schon ein Geständnis abgelegt, daß er zu schnell gefahren ist. Bei schlechten Sichtverhältnissen hat er so zu fahren, daß er jederzeit ausreichend Reaktionszeit hat, auszuweichen oder anzuhalten.
Neben schlechter Kennzeichnung der Überwege ist ein Grund für Unfälle sicher die bekannte und beliebte "Raserei" und Rücksichtslosigkeit der Rumänen im Strassenverkehr, gepaart mit völligem Fehlen eines vorausschauenden Verhaltens und Gefahrbewusstseins. Kommt ja im Artikel auch zum Ausdruck, wenn mehrfach von "hoher Geschwindigkeit" auf städtischen Strassen die Rede ist.
Ich wurde selbst schon am Zebrastreifen rechts überholt, als ich einen Fußgänger passieren ließ, schlimmer geht's wohl nimmer!
Die Ausbildung in der Fahrschule ist meist erbärmlich schlecht, weil der "Lehrer" selbst nicht die Verkehrsregeln beachtet oder mit dem Handy telefoniert, statt seinen Schüler anzuleiten, und teils werden die Führerscheine mit entsprechendem Bestechungsgeld einfach gekauft.
Und ein Tag im Jahr, an dem demonstrativ zahlreiche Führerscheine an Zebrastreifen einkassiert werden, ist eben keine Kontrolle, die wirklich etwas bringt, da in der übrigen Zeit straflos die Regeln mißachtet werden können.

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