Topographie der Kronstädter Baudenkmäler in Sicht

Kurzgespräch mit dem Kunsthistoriker und Denkmalpfleger Dr. Dr. h.c. Christoph Machat

Mittwoch, 26. August 2015

Dr. Dr. h.c. Christoph Machat im Kronstädter Ethnographiemuseum. Foto: Dieter Drotleff

Als wissenschaftlicher Gutachter des kürzlich erschienen zweiten Bandes der Serie „Die Sachsen über sich selbst“, der vom Kronstädter Ethnographiemuseum herausgebracht wurde, wurde  der Kunsthistoriker und Denkmalpfleger Dr. Dr. h.c. Christoph Machat als Ehrengast zu der Buchvorstellung eingeladen. Der 1946 in Schäßburg geborene und 1973 ausgewanderte Wissenschaftler gehört zu den international anerkannten Persönlichkeiten in dem Bereich.  Mitglied im Internationalen Rat für Denkmalpflege (ICOMOS) der UNESCO bemüht er sich weltweit um die Denkmalpflege. Als Autor oder Herausgeber mehrerer Bücher zur Denkmalpflege und Kunstgeschichte Siebenbürgens wurde er zum Ehrendoktor der Klausenburger Babeş Bolyai-Universität ernannt, 2009 mit dem Georg Dehio-Kulturpreis, 2014 mit dem Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturpreis ausgezeichnet. Er koordiniert die Herausgabe der Denkmaltopographie Siebenbürgens , die eine flächendeckende Erfassung der  Kulturlandschaft sichert. Seinen kürzlich  stattgefundenen kurzen Aufenthalt in Kronstadt nahmen wir zum Anlass, um einige Fragen an Dr. Christoph Machat zu stellen.

Wie schätzen Sie den bisherigen Verlauf der Aktion zur Ausarbeitung der Denkmaltopographie ein, die von Ihnen betreut wird?

Es ist auch heute erstaunlich, wie schnell ich mit meinen rumänischen Kollegen die vollständige  flächendeckende Erfassung der siebenbürgisch-sächsischen Ortschaften in den Jahren 1991 – 1998 durchführen konnte. Auch die Ausarbeitung der Endergebnisse ist sehr schnell verlaufen.  Das war eigentlich nicht vorgesehen. Ich habe lange benötigt, bis ich die Ministerien und  Mittelverwalter überzeugen konnte, dass die Unterlagen aufliegen. Die Ergebnisse sind vorhanden als Unterlagen in Bukarest, in Hermannstadt, in Kronstadt, in Klausenburg. Die Forschungsergebnisse  sollen aber nicht in Archiven bleiben. Keiner will aber diese nun zusammenfügen, da er nicht die Verantwortung übernimmt, um diese zu veröffentlichen. Von den insgesamt 21 geplanten Bänden sind vier erschienen.   

Wie schätzen Sie den aufliegenden zweiten Band der Serie „Die Siebenbürger Sachsen über sich selbst“ ein?

Er ist sehr ausführlich und und interessant, geht auf alle Aspekte des Gemeindelebens, der Traditionen in Neustadt ein. Der Inhalt des aufliegenden Bandes  wurde nach den wichtigsten Themen lokaler Identität strukturiert. Die Rolle der Nachbarschaften, der Gemeindefeste, die Kleiderordnungen für Trachtenträger werden hervorgehoben, was in Neustadt als Tradition fortgeführt wurde, trotz der nahen Lage zu Kronstadt.

An was arbeiten Sie gegenwärtig?

Ich arbeite an dem Kronstadt-Band der Denkmaltopographie. Anschließend soll jener über Mediasch erscheinen. Dann bereite ich einen Band für den Druck vor über die wichtigen archäologischen Grabungen, die 2005 und 2006 in Hermannstadt durchgeführt wurden, wobei der alte Friedhof, der von Anfang bis zum 19. Jahrhundert archäologisch untersucht worden ist, sehr interessante Forschungsergebnisse mit sich brachte. Auch die archäologischen Grabungen, die am Kronstädter Kirchhof vorgenommen worden sind, sowie bei der Bergkirche in Schäßburg, zeigen zum Teil ganz neue Erkenntnisse,  die in der Geschichtsschreibung noch nicht aufgenommen wurden. Sie zeigen auch, dass ich nicht ganz recht hatte in meiner Dissertation, die ich in Köln verteidigt hatte. Alle Ergebnisse der Grabungen am Honterushof von Kronstadt habe ich in die Topographie aufgenommen.

Welches ist der Anlass Ihres gegenwärtigen Aufenthaltes hier?

Ich habe zum Anlass diese Buchvorstellung hier in Kronstadt genommen, die ich mit anderen Aufgaben, auch als Vorstandmitglied von ICOMOS verbunden habe. Ich nehme auch andere Pflichten wahr, u.a. als Vorsitzender des Vereins Messerschmitt. Es ist die rumänische Variante der Messerschmitt-Stiftung, die das Haus mit dem Hirschgeweih in Schäßburg restauriert hat und die nun die jährliche Vorstandssitzung abhält.

Vielen Dank für Ihre Ausführungen!

Dieter Drotleff  

Kommentare zu diesem Artikel

Armin Maurer, 27.08 2015, 13:12
„Ich habe lange benötigt, bis ich die Ministerien und Mittelverwalter überzeugen konnte, dass die Unterlagen aufliegen.“ (Dr. Christoph Machat)

Er hätte lieber dafür sorgen sollen, dass die gefälschten Unterlagen auffliegen. ;-)
Armin Maurer, 27.08 2015, 10:19
Wie man sich selber die Posten schafft! Starke Aussage von Dr. Christoph Machat, nachdem er das Schäßburger Haus mit dem Hirschgeweih hat stehlen helfen:

„Ich nehme auch andere Pflichten wahr, u.a. als Vorsitzender des Vereins Messerschmitt. Es ist die rumänische Variante der Messerschmitt-Stiftung, die das Haus mit dem Hirschgeweih in Schäßburg restauriert hat und die nun die jährliche Vorstandssitzung abhält.“

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