Tote Eskorte: Staatschef fordert offizielle Erklärungen

„Oprea, Rücktritt“ – Straßenproteste in Bukarest

Dienstag, 27. Oktober 2015

Mehr als 1000 Menschen zogen am Sonntag in einem Protestmarsch vor den Regierungssitz und das Innenministerium, um den umgehenden Rücktritt von Vizepremier und Innenminister Gabriel Oprea zu fordern.
Foto: Agerpres

Bukarest (ADZ) - Im Eklat um den Unfalltod einer Motorrad-Eskorte von Innenminister Gabriel Oprea hat Staatschef Klaus Johannis am Sonntag Stellung bezogen: Die „Herren Oprea und Ponta“ hätten „schleunigst Erklärungen zu liefern“, es sei „unerhört“, dass die Regierung nach so vielen Tagen noch keine Stellungnahme abgegeben habe, obwohl ein Mensch ums Leben gekommen sei, so Johannis.

In Bukarest gingen am Sonntag mehr als 1000 Menschen auf die Straße, um Opreas Rücktritt zu fordern. Die Welle der Empörung ist nach wie vor hoch, zumal die Zivilgesellschaft Vertuschungsaktionen des Innenressorts und der Polizeileitung befürchtet und die wegen fahrlässiger Tötung ermittelnden Bukarester Staatsanwälte bereits bekanntgaben, bisher nur „einen Teil“ der geforderten Unterlagen erhalten zu haben.

Der angeschlagene Vizepremier meldete sich schließlich Montag zu Wort: Er habe sich wegen der bereits laufenden Ermittlungen bisher ausgeschwiegen, sagte Oprea, der sodann „die unverantwortlichen Anschuldigungen etlicher Spitzenpolitiker“ zurückwies. Allerdings bestätigte Oprea auch, was die Presse seit Tagen kolportiert: Nämlich dass seine Limousine am Unfallort gar nicht anhielt, sondern an dem verunglückten Polizisten einfach vorbeizog. Er habe den Unfall überhaupt nicht mitbekommen und bloß gemerkt, dass sein Wagen kurz halte und von einem Polizisten sofort weitergewunken werde, so Oprea.

Kommentare zu diesem Artikel

Sraffa, 28.10 2015, 00:56
Er scheint ja auch seine Eskorte zu schikanieren, in dem er sehr enge zeitliche Vorgaben macht; dabei hat er formal noch nicht mal ein Recht auf Eskorte. Seine Eskorten gefährden dann durch ihre völlig übertriebene Geschwindigkeit auch noch den sonstigen Verkehr in der Stadt.
Manfred, 27.10 2015, 20:37
Wenn ihm von Rechts wegen keine offizielle Eskorde zusteht,er aber eine aus eigener Tasche bezahlt,ist so lange nichts dagegen einzuwenden,wenn grundlegende gesetzliche Vorschriften eingehalten werden...Mit Sondersignalen z.B. dürfte er dann nicht eskortiert werden.
Tourist, 27.10 2015, 16:55
bleiben wir einmal am Boden: ein Politiker, immerhin Innenminister, lässt sich regelmässig von einer Polizei-Motorradeskorte begleiten. Naja, kann man darüber streiten, ob das notwendig ist oder nicht. Ungewöhnlich ist es jedenfalls nicht. Innenminister ist ein sehr wichtiges Amt, mit dem auch ein gewisses Gefährdungspotential einher geht. Punkt zwei: in Bukarest gibt es schlecht gekennzeichnete Baugruben mitten auf der Straße, von denen sogar die Polizei nichts weiß, jedenfalls nicht die Abteilung, die die Eskorte plant und durchführt. Das ist der eigentliche Skandal. Die Anschuldigung "fahrlässige Tötung" ist jedoch kompletter Blödsinn.
Sraffa, 27.10 2015, 03:21
Nun sollte sich die Staatsanwaltschaft um das Verhalten Opreas kümmern.

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