Tourismus: Abzocke und Unsicherheit bleiben

Unternehmerverband will eigene Versicherung

Mittwoch, 15. Januar 2014

Derzeit seien die Versicherungsgesellschaften überaus vorsichtig, beim Abschluss von Policen für Reisen und Reisegesellschaften, sagt Alin Burcea, Erster Vizepräsident des rumänischen Unternehmerverbandes in der Tourismusindustrie (ANAT). In den letzten beiden Jahren haben 3-4 große Reisegesellschaften Insolvenz angemeldet. „In diesem Jahr sind auch nahezu 100 kleine Reiseagenturen eingegangen, was den Versicherungen erhebliche Verluste zugefügt hat“, sagt Burcea. Durch diese Maßnahme sei die Branche blockiert, so der Mann aus der ANAT-Chefetage.

 Etwa 300 Tourismusgesellschaften sind laut Mediafax in den letzten fünf Jahren eingegangen und die Versicherungsgesellschaften weigern sich vor allem kleine Reiseagenturen zu versichern oder nur zu ganz hohen Summen, sagt Burcea. Es gäbe aber auch Versicherer, die gar keine Reisegesellschaften versichern wollen, ganz egal welche Geschäftsbilanzen diese aufweisen.

Um Abhilfe zu schaffen, überlegen nun Tourismusagenturen, ihre eigene Versicherungsgesellschaft zu gründen. Über diese sollen Reiseversicherungen abgeschlossen werden können, aber auch Versicherungen im Falle von Stornierungen und Insolvenzen. Als Alternative zur eigenen Versicherungsgesellschaft kommt im Unternehmerverband aus der Tourismusindustrie ANAT die Anlegung eines Garantiefonds in Frage. Eine Verbands interne Versicherung könne da besser agieren, da sie die Branche und die Problemunternehmen kenne, sagt Burcea. Die Leiterin eines Reisebüros, das sowohl in Deutschland als auch in Rumänien tätig ist, sagt, statt einer eigenen Versicherung sei eine Ethikkommission notwendig. Missbrauch könne nicht durch eine Versicherung aufgehoben werden, so die Reisekauffrau. Große Veranstalter sind da ohnehin nur zu einem Bruchteil abgesichert und keinesfalls komplett. Als Alternative käme in Frage, punktuell nach dem Wert der jeweiligen Reise abzusichern und an eine Reiseveranstalterhaftpflicht zu koppeln, so die Leiterin des Reisebüros auf Nachfrage der BZ.

Seit dem Jahr 2001 verfügt das Tourismusministerium, dass Firmen, die Pakete von Tourismus-Dienstleistungen verkaufen, Versicherungen abschließen müssen. Diese Policen sollen bei Insolvenzen oder Pleiten von Tourismusagenturen absichern, damit Rückreisekosten oder die als Vorschuss bezahlten Summen abgedeckt sind. Die Praxis hat jedoch gezeigt, dass zwischen Ist- und Soll-Zustand erhebliche Lücken klaffen.

Nach wie vor verlassen sich vor allem Jugendliche, die es auf Eigeninitiative versuchen, um Geld zu sparen, auf die Angebote im Internet. So kürzlich eine Studentengruppe aus Temeswar, die im Arieş-Tal eine Berghütte anmieten wollte, um dort Silvester 2014 zu verbringen. Der angebliche Vermieter Ştefan Voinea hatte auf den Internetseiten turistinfo und mercador die Pension „Flora“ in Arie{eni angeboten, sich den Vorschuss in bar ausbezahlen lassen und danach war er nicht mehr erreichbar, berichten die Studenten Adrian Zamfir und Sorin Bucşă. Die Pension „Flora“ in Arieşeni gibt es überhaupt nicht, sein Handy war mit einer Prepaid-Karte versehen... Dies nur einer der Fälle, in denen Touristen betrogen wurden. Bekannt ist auch, dass viele an ihrem Ferienort nicht das vorfinden, womit sie geködert wurden, oder ihre Rückreise zu einem Fiasko wurde, weil plötzlich das Reiseunternehmen während der Urlaubszeit Konkurs gemeldet hatte. Die Entschädigungen gleichen dabei meist dem berühmtem Tropfen auf dem heißen Stein.  

Kommentare zu diesem Artikel

Jens, 15.01 2014, 15:49
Das Leute abgezockt werden wird immer passieren und ist nicht nur auf dieses Land beschränkt.Bei dem "Silvester" Fall wird ein Justizproblem auf die Tourismusbranche abgewälzt.
Auch bei den sitzengelassenen Touristen muss die Justiz in die Gänge kommen und die Versicherungen zwingen zu zahlen. Für diesen Fall gibt es sie.
Bei Prozessen die 10 Jahre oder mehr dauern bzw. gegen übermächtige Versicherungen gehen wird dem aber nicht genüge getan.

Vielleicht sollte zur ANAT noch erwähnt werden, dass die Chefetage mit den großen der Branche besetzt ist, die keinerlei Interesse daran haben das bisherige System zu ändern, da sie, im Verhältnis zu den Touristen die von Ihnen bedient werden, sehr wenig für die Versicherung zahlen.
Jedes Jahr wird die Diskussion neu belebt, aber getan hat sich nichts und so wie es seit Jahren geregelt ist, (es ist nicht neu, dass die Versicherungen die Policen nur unter hohen Auflagen und zu Preisen die für Startups nicht bewältigbar sind herausgeben) diskutiert wird aber jedes Jahr von den Leuten darüber die einen Vorteil davon haben.

Ich selber habe einen Starup und bin kurz vor der Schließung, nicht weil ich kein Geld mit der Idee an und für sich verdienen kann, sondern weil die Versicherungsauflagen zu hoch und die Kosten für selbige ebenfalls in Höhen sind, dass ich mittelfristig das Geld nicht dafür erwirtschaten kann.

Von der ANAT fühlt sich sowieso von den kleineren Unternehmen keiner wirklich vertreten, somit wird auch das jedes Jahr aufs neue Herausgebrachte "es muss sich was änderen" nicht mehr ernst genommen werden.

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