Tourismusvereine zwischen Initiativen und Erfolgen

Abgabetermin für Projekte im Bereich bis Dezember 2013

Dienstag, 03. September 2013

Die Restaurierung der Repser Burg wurde heuer beendet. Möglich wurde diese auch durch die teilweise ausländische Finanzierung des Projektes.
Foto: Waldemar Stadler

Wurde bis zur Wende Fogarasch als Chemiestadt bezeichnet – eine Industriebranche, die Tausende Arbeitsplätze bot –, so sieht der Bürgermeister der Stadt Sorin Mănduc die Zukunft der Ortschaft nun im Tourismus, wobei wichtigster Anziehungspunkt die hiesige Burg ist. Das Ritterturnier und die „Fogarascher Tage“ ziehen jährlich Tausende Personen an. Aber auch zu anderen Zeiten kommen immer mehr Touristen nach Fogarasch, angezogen von diesem Baudenkmal und dem darin bestehenden Museum des Fogarascher Landes.
Foto: Dieter Drotleff

Öffentliche Institutionen und vor allem Kreisräte haben in den letzten Jahren Vereine gegründet, um im Hinblick auf europäische Finanzierungen gemeinsame Entwicklungsprojekte auszuarbeiten und einzureichen. Dieses Verfahren wurde auch im Kronstädter Kreisgebiet angewendet und viele Bürgermeisterämter der Ortschaften, die derartigen Vereinen beigetreten sind, erhoffen sich nun Erfolge. Auf Kreisebene gibt es zwei derartige Organisationen. Als erste wurde 2009 die Gruppe für Lokalinitiative „Verein Transsylvanien Kronstadt/Braşov Nord“ (GALATBN) gegründet. Ein Jahr darauf wurde das Regionalzentrum für nachhaltige Entwicklung und Förderung des Tourismus im Fogarascher Land ins Leben gerufen. Doch werfen wir einen Rückblick auf die Entwicklung der beiden Vereine, die jeweils einen Großteil der im geografischen Umfeld liegenden Ortschaften umfassen.

Die Partnerschaft zur Gründung von GALATBN, dem der Kreisrat, öffentliche Institutionen, unabhängige Regierungsorganisationen beigetreten sind, umfasst insgesamt 68 derartige Mitglieder, die sich 2009 zusammengeschlossen haben. Es wurde eine Entwicklungsstrategie ausgearbeitet und anschließend wurde der Verein auch als juristische Person eingetragen. Diesem traten 13 Ortschaften aus genanntem Gebiet bei: Apaţa, Augustin, Bodendorf/Buneşti, Katzendorf/Caţa, Hoghiz, Hamruden/Homorod, Seiburg/Jibert, Nußbach/Măieruş, Ormeniş, Racoş, Reps/Rupea, Deutsch-Tekes/Ticuş, Galt/Ungra. Im September 2011 wurde der Verein vom Landwirtschaftsministerium als Gruppe für Lokalaktionen (GAL) autorisiert. Infolgedessen kann diese, vermittels des Landesprogramms für ländliche Entwicklung, eine Summe von 2,3 Millionen Euro für Entwicklungsprojekte erhalten, eine Finanzierung, die nicht rückerstattet werden muss.

GALATBN fällt auch die Aufgabe zu, die Mitglieder zu informieren, Beratung zu bieten und die besten Projekte zu bestimmen. Diese beziehen sich auf verschiedene festgelegte Maßnahmen, wie berufliche Ausbildung (Maßnahme 111), effizientere Nutzung der Waldbestände (122), Unterstützung bei der Gründung und Entwicklung von Kleinbetrieben (312), Unterstützung und Förderung der touristischen Tätigkeiten (313), Modernisierung und Entwicklung der Dörfer, Verbesserung der Dienstleistungen für die Landbevölkerung (322) u. a. Allein im ersten Jahr wurden über 300 potenzielle Nutznießer über diese Möglichkeiten informiert, wobei es besonderes wichtig für die Bürgermeisterämter ist, Finanzierungen für die Maßnahmen 313 und 322 anzustreben. Es bleibt vor allem den lokalen Verantwortungsträgern überlassen, sich für eine dynamische Entwicklung in ihren Ortschaften einzusetzen. Diesbezügliche Projekte können in der Zeitspanne April 2012 bis Dezember 2013 eingereicht werden. In den folgenden beiden Jahren fällt dem Verein GALATBN die Aufgabe zu, die eingereichten Projekte zu überprüfen, um dafür  europäische Finanzierungen für die Zeitspanne 2014 bis 2020 zu erhalten.

Im Jahr 2010 haben 18 Bürgermeister den Grundstein  zum Regionalzentrum für nachhaltige Entwicklung und Förderung des Tourismus im Fogarascher Land gelegt. Die Initiative ging vom ländlichen Gebiet aus, von den dazu gehörenden 17 Gemeinden mit ihren Dörfern und Weilern, sowie von Viktoriastadt/Oraşul Victoria. Die Gemeinden sind folgende: Drăguş, Voila, Viştea, Recea, Sâmbăta de Sus, Scharosch/Şoarş, Părău, Ucea, Şinca Veche, Beclean, Schirkanyen/Şercaia, Hârseni, Mândra, Şinca Nouă, Lisa, Arpaşu de Jos, Cârţişoara. Die Grundidee, die von einem anderen Verein, das Bucegi-Gebirge betreffend, übernommen worden war, ist, das touristische Potenzial des Fogarascher Gebirges zu verwerten. Bedenkt man, dass fast der ganze nördliche Teil dieses Gebirgszuges mit dem höchsten Gipfel, Moldoveanu (2544 m), und Teilen der Transfogarascher Hochgebirgsstraße, aber auch Bau- und Kulturdenkmäler – Klöster, mittelalterliche Wehranlagen, Museen – und andere touristische Anziehungspunkte, wie das Gestüt von Sâmbăta de Jos, dazugehören, so ist die Initiative zur Gründung dieses Regionalzentrums voll zu begrüßen.

Es gibt auch noch den Narzissen-Wiese-Verein, dem fünf Ortschaften angehören, die sich zum Teil auch in dem Regionalzentrum für nachhaltige Entwicklung und Förderung des Tourismus im Fogarascher Land wiederfinden. Auch dieser Verein hatte zum Ziel, europäische Finanzierungen für Projekte im Bereich heranzuziehen. Schwierigkeiten bereiten den Bürgermeisterämtern die Ausarbeitung der Projekte. Das tun die Beamten der jeweiligen Rathäuser, benötigen aber die erforderlichen Berater, die von dem Verein empfohlen werden. In diese Projekte hat z. B. das Bürgermeisteramt von Sâmbăta de Sus den Bau eines Ambulatoriums aufgenommen. Ein solches ist notwendig wegen der großen Anzahl der Touristen und Besucher, besonders im orthodoxen Kloster „Constantin Brâncoveanu“. Vermittels des touristischen Vereins findet eine bessere Koordination der einzelnen Projekte statt, insbesondere was die Infrastruktur betrifft. Beispielsweise gibt es eine Straße, die am Fuße des Fogarascher Gebirges von Cârţişoara bis Viktoriastadt führt, die jährlich von bis zu 6000 Autos befahren wird und die dementsprechend hergerichtet werden muss.

Entlang dieser Gebirgsstraße könnten Herbergen, Fischteiche u. a. touristische Ziele eingerichtet werden. Da liegen auch mehrere Ausgangspunkte zu dem Fogarascher Gebirge und dessen Gipfel. Anderseits ist Cârţişoara verwaltungsmäßig dem Hermannstädter Kreis zugehörig, doch hat sich die Ortschaft diesem Verein angeschlossen. Auch geht von da aus die Transfogarascher Gebirgsstraße weg, die jährlich Tausende Touristen anzieht. Auch die Wiederaufnahme lokaler Bräuche, die Verwertung der Folklore spielen in diesen Projekten eine wichtige Rolle. Bestes Beispiel ist das des Bürgermeisters von Şinca Nouă, der selbst das hiesige Volkskunstensemble anleitet und bei der kürzlich stattgefundenen Tournee in Belgien die Goldmedaille bei einem Folklorefestival erzielte. Der letzte Abgabetermin für die Projekte nähert sich, somit ist Eile geboten. Mehr Informationen zum Regionalzentrum für nachhaltige Entwicklung und Förderung des Tourismus im Fogarascher Land sind über www.tarafagarasului romania.ro einzuholen.  

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