Tourist im Reich der Mitte

Teil 2: Was man unbedingt in Shanghai (und Peking) tun sollte

Sonntag, 29. Januar 2017

Mit der Gondel unterwegs durch das Venedig Chinas

Winkende Katzen bringen Glück.

In den Wasserstädten ist das alte China noch lebendig.

Dieser Mann macht auf dem Heiratsmarkt Werbung für seinen Sohn.
Fotos: die Verfasserin

Es gibt Millionen von Dingen, die man in Shanghai tun kann. Davon sollte man wenigstens die 15 ausprobieren, die in diesem Artikel beschrieben sind. Man kann jedoch diese kleine „Do do“-Liste auch einfach ignorieren, ziellos durch die Straßen ziehen und zuschauen, wie sich das tägliche Leben abspielt. Besonders auf den kleinen und engen Straßen von Shanghai ist immer etwas los: Bunte Scooter fahren hupend durch die Gegend, alte Frauen hängen ihre Unterhosen zum Trocknen an die Telefonleitungen, Nachbarn spielen Schach miteinander, aus geöffneten Fenstern dringt Suppengeruch.

Außerdem sollte man das facebook- und googlefreie Leben in vollen Zügen genießen. China hat die strengste Internetzensur der Welt – Facebook, Google, Twitter, Youtube, Skype sind gesperrt und auf viele Webseiten kann man nicht zugreifen. Außerdem funktionieren die Internetverbindungen sehr schlecht. Die Zensur kann zwar mit VPN-Programmen überlistet werden – trotzdem sind internetfreie Urlaubstage nur zu empfehlen. Man ist schließlich an einem der aufregendsten Orte der Welt, und wenn man dauernd ins Smartphone blickt, verpasst man vieles.

Das „Propaganda Poster Art-Centre“ in Shanghai besuchen: Das kleine Museum mit nur zwei Räumen beherbergt eine überraschend große Auswahl an Postern aus der Mao-Zeit, besonders aus den Jahren der Kulturellen Revolution. Der Inhaber des Museums, Yang Pei Ming, hat im Jahr 1995 angefangen, die Poster zu sammeln. Manche von ihnen erinnern an Plakate aus der kommunistischen Zeit in Rumänien.

In eine Karaoke-Bar gehen: Ein Karaoke-Raum kann zusammen mit mehreren Freunden gemietet werden. Hier gibt es einen Fernseher, auf dem die Karaoke-Videos gezeigt werden. Über eine Fernbedienung kann man sich das gewünschte Lied aussuchen. Meist gibt es tausende Karaoke-Videos im Angebot. Sehr oft sieht man in China die Buchstaben „KTV“ an Karaoke-Bars.
Das Künstlerviertel Tianzifang erkunden: Bars, Cafés, Galerien und Boutiquen, interessante Kunstwerke, Grafitti, Installationen, Malerei – wer diese Begriffe liebt, ist hier richtig. Außerdem sollte man das „M50“ (Moganshan-Straße Nr. 50) besuchen, wo hunderte Galerien in eine alte Fabrik gezogen sind.

Das Shanghai Museum besuchen: Auf vier Etagen werden hier kulturelle Schätze der vergangenen Dynastien ausgestellt. Der Eintritt ist kostenlos, die Wartezeiten relativ lang.

Über den Heiratsmarkt schlendern: Immer am Wochenende zwischen 12 und 15 Uhr versammeln sich ältere Leute im People’s Park im Zentrum von Shanghai. Viele sitzen hinter einem aufgespannten Regenschirm, als hätten sie einen Marktstand aufgebaut. An den Regenschirmen stecken DIN A4-Blätter. Auf den Blättern stehen Informationen wie zum Beispiel: männlich, geboren im September 1983, Größe: 172 cm, Mitglied der Kommunistischen Partei, hat Wirtschaft studiert, arbeitet bei einer amerikanischen Firma. Oft ist dem Text auch ein Foto beigefügt. Die älteren Leute hinter den Schirmen sind Eltern, die Werbung für ihre Kinder machen. Es ist eine Art Partnerschaftsbörse unter freiem Himmel. Dass Eltern die Ehen der Kinder arrangieren hat eine lange Tradition in China. Inzwischen haben sich die Teilnehmer am Heiratsmarkt auch an neugierige Touristen gewöhnt.

Sich ein Papercut-Portrait machen lassen: Der Scherenschnitt ist eine der ältesten Volkskünste Chinas. Dabei wird Papier oder ein anderes flaches Material mittels einer Schere so bearbeitet, dass entweder der verbleibende Umriss oder die Ausschnitte oder beides ein anschauliches Bild ergeben. Im Tianzifang-Viertel, wo viele Touristen Souvenirs kaufen, hat der Papercut-Künstler Jerry sein winziges Atelier. Das Profil des Kunden als Scherenschnitt zu realisieren dauert weniger als fünf Minuten. Es kostet etwa 100 RMB, also umgerechnet 60 Lei. Sogar der Präsident Österreichs hat sich hier porträtieren lassen.

Im Hot Pot-Lokal essen: Ein „Hot Pot“ (Feuertopf)  ist ein Topf aus Metall, der mit kochender Brühe aus unterschiedlichen Zutaten in die Mitte eines Esstisches gestellt wird. Während der Feuertopf am Kochen gehalten wird, kann man selbst ausgewählte Zutaten hinzufügen und am Tisch kochen. Es macht großen Spaß und schmeckt köstlich.
Ein Teehaus besuchen: Wenn man eine riesige Teekanne bestellt, ist ein kostenloses Buffet inbegriffen. Der Besuch in einem Teehaus ist daher die perfekte Chance, um verschiedene kulinarische Spezialitäten auszuprobieren. Zum Beispiel findet man hier heraus, dass chinesische Süßigkeiten furchtbar schmecken.

Eine Wasserstadt erleben: „Das Venedig Chinas“. So wird die uralte Wasserstadt Zhujiajiao, rund anderthalb Autostunden von Shanghai entfernt, genannt. Unzählige Kanäle und Brücken, buddhistische Tempel-Gärten und jahrhundertealte Steinhäuser durchziehen die malerische Stadt. Wie in Venedig kann man auch hier auf Holzbooten durch die Kanäle fahren. An diesem Ort ist das alte China noch lebendig. Andere Wasserstädte sind Zhouzhuang, Tongli, Xitang und Wuzhen.

Nach Peking fahren: 1300 Kilometer sind es von Shanghai bis in die chinesische Hauptstadt Peking. Obwohl Zugfahrten nicht gerade billig sind, lohnt sich ein Peking-Ausflug schon ab der ersten Minute. Ein chinesischer Bahnhof ist ein Erlebnis an sich. Am besten ist es, man nimmt am Abend den Nachtzug Shanghai-Peking (in zwölf Stunden ist man in der Hauptstadt), bucht eine Übernachtung in Peking und kommt am nächsten Tag mit dem Bullet-Train, dem schnellsten Personenzug der Welt, zurück. Der Zug legt die 1300 Kilometer in knapp fünf Stunden zurück.
Peking ist ganz anders als Shanghai: es gibt keine Wolkenkratzer, in den U-Bahnen herrscht viel mehr Gedränge, es ist kälter, die Luft ist schlechter, es gibt riesengroße Plätze, breite Straßen und viel Grau. Unbedingt sollte man den Tianamen-Platz und die Verbotene Stadt besuchen, aber auch ein Spaziergang durch die Hutongs - enge Gassen, die eigentlichen Reste der historischen Innenstadt- ist zu empfehlen. In Peking gibt es außerdem ein absolut beneidenswertes Fahrradweg-Netz. Und von hier gelangt man am leichtesten zur Großen Mauer. Bei Badaling, 70 Kilometer von Peking entfernt, liegt der populärste Abschnitt der Chinesischen Mauer.

Sich mit Einwohnern fotografieren lassen: Kaum ist man aus Shanghai heraus, wird man von wildfremden Menschen auf der Straße angestarrt. Sie winken und sagen „Hello“, oder bitten, dass man ein Foto mit ihnen macht. Als Ausländer ist man für viele eine Rarität.

Chenglish Plakate suchen und knipsen: Über „Chenglish“, den kreativen Mischmasch aus chinesischer Grammatik und englischem Wörterbuch, wurden schon ganze Bücher geschrieben. Chenglish-Beispiele findet man überall: auf Speisekarten, in Toiletten großer Unternehmen, in Souvenir-Läden, auf Gesichtscreme-Verpackungen. Ein Beispiel: „Nach einem kultivierten Urinieren können Sie die frische Luft genießen“. 

Über einen Fake-Market bummeln: Gefälschte Prada-Taschen, Dolce&Gabanna-Brillen, die dem Original verblüffend ähnlich sehen oder sogar gefälschte DVDs mit den neuesten Spielfilmen – hier gibt es viel zu sehen. Gucken lohnt sich auf jeden Fall, kaufen sollte man allerdings nichts, da man mit dem Kauf den echten Unternehmen erheblichen Schaden zufügt.

Das Disney-Resort in Shanghai besuchen: Es ist das billigste Disneyland der Welt.  Also die beste Gelegenheit, sich einen Kindheitstraum zu erfüllen.

Eine Glückskatze kaufen: Die Manekineko (winkende Katze oder Glückskatze) ist ein japanischer Glücksbringer in Gestalt einer aufrecht sitzenden Katze, die den Betrachter mit ihrer rechten oder linken Pfote herbeiwinkt und auch in China sehr beliebt ist. Sie wird sowohl in Läden, Einkaufspassagen und auf Marktplätzen aufgestellt (hier bringen sie geschäftliches Glück), als auch in privaten Häusern, um Wohlstand zu bringen und Unglück fernzuhalten. Sie sind in jedem Souvenirladen  in allen möglichen Größen erhältlich. Die Preise beginnen bei 15 RMB (etwa 10 Lei).

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