Träumen und Erwachen: 25 Jahre nach der Revolution

Internationales Symposium in Temeswar

Freitag, 28. November 2014

Hoher Besuch in der Revolutions-Gedenkstätte: Im Juni 2014 besuchte eine Delegation des Deutschen Bundestags unter der Leitung von Günter Baumann die Einrichtung.
Foto: Zoltán Pázmány

In diesem Dezember jähren sich 25 Jahre seit der Wende, dem Ende des Kommunismus in Rumänien und dem Start in die Demokratie, jedoch auch seit dem epochalen Ereignis, das alles erst möglich gemacht hat: die Revolution, eingeleitet durch die Volksrevolte der Temeswarer Bevölkerung vom 16. bis 22. Dezember 1989. Wo sollen heute, nach einem Vierteljahrhundert, das  eben so viele Hoffnungen ausgelöst hat,  wie Enttäuschungen verursacht hat, die Akzente beim Gedenken an die rumänische Revolution von 1989 (heute noch von etlichen Fachleuten als maskierter Staatsstreich der Wendekommunisten und ersten neuen Machthaber um die Front der Nationalen Rettung nach dem Sturz des Ceauşescu-Regimes angesehen) gesetzt werden?

Wo sollen die Akzente gesetzt werden beim Gedenken an die spontane Volkserhebung, entfacht am 16. Dezember vor dem Pfarrhaus des reformierten Pastors Lászlo Tökés, die dann durch Massendemonstrationen und blutigen Straßenkämpfe mit zahlreichen Opfern aus der Zivilbevölkerung dazu geführt hat, dass die Begastadt am 22. Dezember 1989 zur ersten Stadt Rumäniens erklärt wurde, die frei vom Kommunismus war? Oder sollte man heute immer noch mit Beharrlichkeit die Erinnerung an eines der dunkelsten Kapitel unserer und der Geschichte Europas des 20. Jahrhunderts wachhalten, um auch in Zukunft nicht zu vergessen, was der Kommunismus war, ist und immer wieder von Neuem sein könnte?

Antworten auf diese nach wie vor aktuellen Fragen versucht das zum Anlass des 25. Revolutionsjubiläums veranstaltete internationale Symposium „25 Jahre danach: Was haben wir uns erträumt? Wie sind wir erwacht?“ in Temeswar/Timişoara zu geben. Stattfinden wird es am 2. und 3. Dezember im Europa-Saal des Temescher Kreisrats. Organisatoren sind die Stiftung der Bürgerakademie der Opfer des Kommunismus und des Widerstands sowie der Verein der Gedächtnisstätte der Revolution vom 16. bis 22. Dezember 1989 in Temeswar.

Finanziert wird das Gesamtprojekt vom Temescher Kreisrat. Zum Programm des internationalen Events gehören Besichtigungen der Gedenkorte, die in diesen 25 Jahren der Dezemberrevolution in Temeswar gewidmet wurden, des neuen Gebäudes der Gedächtnisstätte der Revolution in der Popa-Şapcă-Straße mit den zahlreichen Ausstellungen, Vorführungen von Dokumentarfilmen zum Revolutionsthema und Buchpräsentationen. Das Hauptaugenmerk gilt dem internationalen Symposium, woran sich namhafte Persönlichkeiten aus Deutschland, Frankreich, Belgien, Tschechien, Polen, Ungarn, der Republik Moldau und Rumänien beteiligen werden. Am Vormittag des 1. Dezember werden alle Teilnehmer und Gäste zu einem Stadtrundgang zur Besichtigung der Revolutionsdenkmäler eingeladen, die in fast allen Stadtteilen Temeswars als Mahnmale an den wichtigsten Orten der Demonstrationen und Kämpfe errichtet wurden. Nach einer Besichtigung der Gedenkstätte der Revolution auf dem Universitätscampus werden von 17 bis 20 Uhr die Filme „Wir sterben nicht“ von Gabriel Burza und „Videogramme einer Revolution“ der deutschen Dokumentarfilmer Harun Farocki und Andrei Ujică gezeigt.

Die Vorträge im Rahmen des internationalen Symposiums sind am Dienstag und Mittwoch, bzw., am 2. und 3. Dezember, jeweils ab 9.30 Uhr, im Europa-Saal des Temescher Kreisrats eingeplant. Moderatoren sind Traian Orban, der Vorsitzende der Revolutions-Gedenkstätte Temeswar, sowie die bekannte Schriftstellerin Ana Blandiana. Mit Referaten beteiligen sich in vier thematischen Sektionen Stéphane Courtois, Edward Kanterian, Romulus Rusan, Thierry Wolton, Roman Wyborski, Filip Šisler, Viorel Marineasa, Dragoş Petrescu, Stefano Bottoni, Dumitru Tomoni, Romeo Bălan, Lucian Vasile Szabo, Alexandru Zub, Anneli Ute Gabanyi, Anatol Petrencu, Florian Mihalcea, Daniel Vighi, Alexandru Gussi, Smaranda Vultur, Cristian Vasile, Cristina Petrescu und Brându{a Armanca. Zum Abschluss des Symposiums werden etliche neue Buchveröffentlichungen und andere Publikationen zum Thema der Dezemberrevolution präsentiert.

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