Traian Băsescu: Die Eliten müssen in die Politik gehen

Jahrestreffen des Politischen Klubs im Schloss Cotroceni

Mittwoch, 01. Oktober 2014

Bukarest  (Mediafax/ADZ) - Die meisten Bürger hatten nichts davon gehört, dass es einen „Politischen Klub“ gibt. Auch Präsident Traian Băsescu, der zum Jahrestreffen eingeladen worden war, musste nachprüfen lassen, worum es sich handelt. Das erzählt er selber in der Rede, die er dann im Schloss Cotroceni hielt. Der Klub sei gewöhnlich in einem Restaurant oder sonst einem öffentlichen Lokal zusammengekommen, mit 15 – 20 Teilnehmern. Da habe er sich gedacht: Wenn schon Jahrestreffen und wenn ich schon eingeladen bin, dann im Schloss Cotroceni. Das haben einige so verstanden, dass dies ein Abschiedsessen von Băsescu sei.

Dementsprechend war auch die Rede des scheidenden Präsidenten aufgebaut: In 25 Jahren sei die politische Klasse zur Gänze unglaubwürdig geworden. Jetzt brauche man mindestens fünf, sechs Jahre, um dieses Vertrauen wieder herzustellen. Băsescu sprach von den 588 Mitgliedern des Parlaments, die seiner Meinung nach nicht wissen, für welche Gesetze sie stimmen. Băsescu rief die Eliten auf, nicht länger abseits zu stehen, sondern aktiv in die Politik einzutreten. So könnte eine Verbesserung der Qualität der politischen Klasse erzielt werden.

Premier Victor Ponta wurde von der Presse gefragt, ob er zum Politischen Klub nach Cotroceni eingeladen wurde. Er antwortete: Ich habe nichts davon gewusst, und wenn ich es gewusst hätte, wäre ich sowieso nicht gegangen.

Kommentare zu diesem Artikel

dan, 02.10 2014, 12:30
Zumindest ist dieser politische Club ein ziviles Projekt, er scheint nicht von der Politik/Basescu initiiert zu sein.
Hätte Basescu die Leute nach Cotroceni eingeladen, wäre dieser politische Club in Siebenbürgen beheimatet?

Leider haben die meisten Politiker aus Bukarest zu wenig Ahnung, zu wenig Interesse, aber viele Vorurteile gegenüber den Provinzen...
Wie sollen sie auch Ahnung haben, mehrheitlich handelt es sich um Parteikader, deren Kultur und Bildung zulasten eines Talentes für politische Ränkespiele und schnelle Geschäfte zu kurz gekommen ist.
Und warum sollen sie jetzt, wo die meisten von ihnen schnell reich geworden sind, sich kultivieren? Dazu sehen sie keinen Grund, lieber protzen sie mit ihrem Kitsch und Mist, den sie angehäuft haben.

Das war schon unter Ceausescu und auch vor ihm so, das hat System und Tradition... National-Bolschewismus rumänischer Prägung, von der SPD und den EU-Sozis unterstützt.

Viele Intellektuelle, Macher und Talente scheuen sich, in diesem Sumpf an Unkultur und Korruption, den die heutige politische Klasse darstellt, reinzugehen.
Sie wandern aus oder ziehen sich zurück...
Zivilcourage, zivile Verantwortung (auch für das eigene Schicksal) ist in Rumänien nicht aktuell.
So geht die Abdriftung Richtung Orient immer weiter. Ob das die EU so geplant hat?
Sraffa, 02.10 2014, 03:52
Diese Rede scheint ja zu einer der besseren Reden von Basescu in seiner Laufbahn als Chef zu gehören.
Konrad, 02.10 2014, 00:49
Es genuegt nicht, einen politischen Club zu gruenden und in irgendeinem Restaurant die politischen Ereignisse zu diskutieren. Wer etwas aendern will - und dass Aenderungen dringend noetig sind, wird wohl niemend bestreiten - muss seine Meinung publizieren, sie begruenden und sagen, wie man es besser machen kann. Eliten in die Politik einzubinden, ist sicher kein Fehler; Sie sind ja nicht grundlos elitaer geworden. Und eine Frage sei doch wohl erlaubt, Herr Michael Kothen - wieso sinkt man tief, wenn man sich fuer sein Land engagiert ? Und wo kann man dies effektiver tun, als in der Naehe der politischen Akteure ?
Michael Kothen, 01.10 2014, 18:03
Na ja Basescu hat ja auch viel dazu bei´getragen, das die politische Klasse unglaubwürdig ist!
Und ein eintreten in die rumänische Politik? Wie tief soll man denn noch sinken?
Manfred, 01.10 2014, 10:58
100% richtige Einschätzung von Basescu!Ponta scheint selbstkritische Züge an sich zu entdecken,da er die Einladung abgelehnt hätte-zur Elite ist er wirklich nicht zu rechnen.
Hanns, 01.10 2014, 10:34
Wahrscheinlich war Ponta nicht eingeladen, weil er nicht zur Elite gehört. Einer der sein Doktorat auf nicht ehrliche Art und Weise erworben hat, kann man wirklich nicht zur Elite eines Landes zählen!

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