Transsylvania Mythologica

Linol- und Holzstiche von Sieglinde Bottesch zu siebenbürgisch-sächsischen Sagen und Sprichwörtern

Samstag, 04. Juni 2016

Ijän Hiërd, Guld wiërt. – Eigener Herd ist Goldes wert.

Im Mai diesen Jahres erhielt Sieglinde Bottesch auf dem Jahrestreffen in Dinkelsbühl den Kulturpreis der Siebenbürger Sachsen für ihr Lebenswerk. Viele werden sich an ihre Illustrationen in der Hermannstädter Zeitung „Die Woche“ oder im Bukarester „Neuen Weg“ erinnern. Als kleine kunstvolle Vignetten zur wöchentlich erscheinenden Rubrik oder als veritable Kalenderblätter – schwarz auf weiß, oder umgekehrt als Negativ – bannten diese Linolschnitte prägnant den Inhalt der von Friedrich Schuster gesammelten Sagen und Sprichwörter ins Bild. Anlässlich ihrer Ausstellung, die noch bis zum 19. Juli im Teutsch-Haus in Hermannstadt gezeigt wird, dem die 1938 geborene Hermannstädterin 150 ihrer Linolschnitte und Holzstiche stiftete, können diese nun auch in Buchform bewundert werden. Diese Illustrationen würden sie als Siebenbürgerin definieren, bekennt Sieglinde Bottesch anlässlich der Ausstellung in Hermannstadt. Dass ihr Werk, seit sie in Ingolstadt lebt, auch noch andere Facetten aufzuweisen hat, steht dazu nicht im Widerspruch, sondern kann als Bereicherung ihrer komplexen künstlerischen Persönlichkeit gedeutet werden.

Zeitlich stammen diese meist dem siebenbürgisch-bäuerlichen Milieu angehörenden Darstellungen überwiegend aus den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts bis zu ihrer Ausreise 1987. Aber Neuschöpfungen passend zum Genre der Märchen und Mythen aus den Jahren nach 2001 zuletzt sogar noch 2016 sind hier auch zu finden. So stammen die Holzstiche, die von den knappen Texten Friedrich Schusters zu den jüngst gesammelten Sagen begleitet werden, aus dem Jahr 2001. Im Anhang sind die ursprünglichen Erzähler samt Heimatort aufgeführt. Dies gilt auch für die Sagen-Anthologie von Claus Stephani, die 1982 entstand. Hier stehen ganz die märchenhaften phantasievollen Bilder im Vordergrund, während die Texte eher eine flankierend erklärende Funktion einnehmen. Neben den Kalenderblättern, die sächsische Sprichwörter illustrieren, beziehen sich die Sagen und Märchen auf den bäuerlichen Alltag, so die „Milchhexe im Stall“ oder unerklärliche Wetterphänomene, wie „die Wetterdrachen“. Daneben gibt es jedoch auch ganz konkrete Orte oder geschichtliche Ereignisse, die hier in die Sagen- und Mythenwelt überführt werden. Die Türkenkriege oder der Bauernaufstand von 1848, aber auch historische Personen, wie der König Matthias Corvinius, spielen eine prominente Rolle. Die Welt der Siebenbürger Sachsen hat durch ihre Kunst ein für viele vertrautes Gesicht erhalten.

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