Traum von der Hochzeitsnacht im Eishotel

Wohnen hinter Eiswänden, Schlafen auf Eisbetten, Essen aus Eistellern, Trinken aus Eisgläsern

Samstag, 07. März 2015

Eisige Hotelpagen begrüßen die Gäste im Eishotel auf dem Bulea-See.

Rücksiedlerfamilie Klingeis sen., meine Führer

Der Altar ist ein Eisblock. Christus ist aus dem Eis des Bulea-Sees modelliert. Das Innere der Eiskirche beim Eishotel der Familie Klingeis.
Fotos: der Verfasser

Will man’s nicht irgendwie, wenn man von der Piste, von der Langlauf-Loipe oder von einer ausgedehnten Schneewanderung zurückkommt, kuschelig warm haben? Freut man sich da nicht, zumal bei klirrenden Minustemperaturen draußen, über einen Kachelofen oder zumindest über ein gut eingeheiztes Zimmer?
Nicht unbedingt, nicht überall, werde ich eines Besseren belehrt. Manchmal hat eisige Kälte ja auch ihren Charme – selbst beim abendlichen Dinner ... oder sogar nachts.

Der so genannte  “Bâlea Lac”, der Bulea-See zu deutsch, liegt mitten in Rumänien, auf  exakt 2034 Metern Seehöhe, in den Südkarpaten. Und dort ist es bis Anfang April garantiert eisig kalt – für einige Besucher auch nach Sonnenuntergang. Sie übernachten nämlich im einzigen Eishotel Südosteuropas – nicht am, sondern auf dem See, der allerdings komplett zugefroren ist. Und gleich nebendran steht dann auch eine Kirche, ebenfalls komplett aus Eis, in der bereits Pfarrer aller Konfessionen gepredigt haben, echt ökumenisch, wenn auch reihum.
Als Reporter hat mich das alles neugerig gemacht. Ich habe mich, mit dicker Jacke, Pudelmütze und Mikrofon ausgestattet, auf dicke Wintersocken gemacht (übrigens: im Deutsch-Weißkirch/Viscri des Prinzen Charles gekauft) – in Richtung Eishotel auf dem vereisten Bulea-See in Rumänien.

Winters geht´s nur mit der Seilbahn rauf

Oben, nach der ersten Etappe der Anreise über Freck/Avrig, empfängt dich erst mal ein Stimmengewirr. Hier wird mal Deutsch, mal Rumänisch gesprochen: in dem steinernen Gebäude, aus dem zwei dicke ölige Stahlseile steil nach oben führen, hinein in jene schroffen, hohen und durchgängig schneebedeckten Felswände des zentralrumänischen Fogarascher-Gebirges,  gut eine Autostunde vom siebenbürgischen Hermannstadt/Sibiu, entfernt.  Regina und Günter Klingeis, zwei Rumäniendeutsche, betreiben die Seilbahn. Und die führt zu einem außergewöhnlichen Ziel.

„Wir fahren jetzt zum Bâlea-See. Das ist auf 2034 Meter Seehöhe. Und dann werden wir das Eishotel antreffen. Das Eishotel. Da ist alles aus Eis und Schnee gebaut. Das ist mit Zimmern, mit einem Speisesaal, mit einer Bar. Das sind zwölf Zimmer, zehn Tische, alles aus Eis. Zuerst aber fahren wir oberhalb vom Bâlea-Wasserfall………“
15 Minuten dauert die Fahrt. Es geht über steil ansteigende Felswände, die wie aufrechte Messer in der Landschaft stehen.

Die Gondel öffnet sich. Urplötzlich wird es ziemlich frostig.

„So, jetzt sind wir an der oberen Station, Bâlea-See. Auf 2034 Metern. Da können wir genau schauen, wie kalt es ist? Minus elf Grad, minus elf Grad sind’s hier oben….“

Unterm Schneehaufen ein Hotel

Man tut gut daran, anfangs kleine, vorsichtige Schritte zu machen beim Aussteigen: Wer die Bergstation verlässt, findet sich unmittelbar auf einer spiegelglatten Eisfläche wieder – der Balea-See, im Winter komplett zugefroren. Günter Klingeis zeigt mit dem Finger nach rechts, auf ein Gebilde, das so aussieht wie ein Riesen-Schneehaufen: „Da unten, in diesem Schnee, befindet sich das Eishotel, am Bâlea-See. Das ganze Eis wird herausgeschnitten mit der Motorsäge, aus dem See……“

So unförmig das Schnee-und-Eis-Gebäude von außen wirken mag – von innen erinnert es tatsächlich an ein kleines Hotel. Im Foyer: Zwei stumme Hotelpagen, nicht aus Fleisch und Blut, sondern... aus Eis. Dahinter: Ein riesiger Torbogen, mit allerlei eingearbeiteten Skulpturen. Auch sie: Aus Eis.

„So, jetzt sind wir erst mal im Restaurant: Es wird der Tisch eingedeckt, genau, mit Gläsern, Besteck. Die Vorspeise wird sogar auf Eistellern serviert. Und dann: Der Nachtisch.“

Lediglich mit Vorhängen voneinander abgetrennt: Die zwölf Zimmer, benannt nach den zwölf Tierkreiszeichen. „Balan]a“ steht für Waage,  „Rac“ für Krebs, „Leu“ für Löwe. Auf den Eis-Betten liegen Isomatten und Felle. Eine Einladung zum Übernachten. Luise und Amy Watson sind aus dem  britischen Cambridge ins Fogarasch-Gebirge gereist – und haben sich im Eishotel ein Zimmer genommen: „It looks absolut amazing…… fantastic…amazing…you don’t know where to look first.” („Das schaut ja absolut faszinierend aus, wirklich. Man weiß ja gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll.“)

Praktizierte Ökumene im Eis

„Jetzt gehen wir rüber. Auf der anderen Seite haben wir wieder die Eiskirche,“ sagen meine Führer. Ein Schneehaufen mit einem Kreuz drauf – so sieht die Eiskirche gleich gegenüber von außen aus. Günther Klingeis geht durch die Öffnung, zeigt auf den Eisblock am anderen Ende, dem mit dem Kreuz darüber: Der Altar. „Vor diesem Altar predigen die Pfarrer. Wir haben acht Konfessionen, alle, die an Christus glauben, orthodox, römisch-katholisch, griechisch...waren alle schon da.“

Es gibt viel zu sehen rund um den zugefrorenen „Bâlea Lac.“ In über 2000 Metern Höhe.  Hier hatte der Sohn von Regine und Günter Klingeis vor zehn Jahren die  Idee zum Bau des Eishotels, nach entsprechenden Vorbildern in skandinavischen Ländern.

Rücksiedlerfamilie Klingeis

Seine Eltern lebten zu diesem Zeitpunkt schon zehn Jahre lang als rumäniendeutsche Aussiedler in Deutschland, auf der Schwäbischen Alb.  Dann kam der Anruf des Sohnes. „Könnt ihr mir helfen, bei meinem neuen Projekt?“  Regine und Günther Klingeis mussten da nicht lange überlegen: „Als Kind habe ich mit meinem Vater die ganzen Berge betreten und Kammwanderungen gemacht und so. Und es hat mich hergezogen: Es ist ein wenig anders als in Deutschland: Es ist ein bisschen wilder! Heimweh war`s, auf jeden Fall, Heimweh. Und wir haben es probiert. Wir haben es riskiert. Wir haben gesagt: Ok, wir kommen, wir machen uns selbständig. Ob alles klappt? Und so arbeiten wir jetzt wieder hier.“

Mittlerweile kommen Touristen aus ganz Europa an den Bâlea Lac auf 2000 Metern Seehöhe in den Südkarpaten, unter anderem Luise und Amy Watson. Sie stehen an der Eisbar, schauen nach vorne,  können sich gar nicht satt sehen an den Eistischen, Eisbetten, Eisskulpturen.

Und sie sind sich in einem völlig einig: Irgendwann kommen sie ein weiteres Mal hier her – zu einem ganz besonderen Anlass: „A wedding……not the same  boring wedding. It’s different.” ( „Eine Hochzeit hier feiern – mal nicht im langweiligen,  klassischen Stil, sondern hier. Das wär wirklich mal was anderes!“)

Aber: Eine Hochzeit und dann eine heiße Hochzeitsnacht im frostigen Eishotel mitten in Rumänien – ist so etwas überhaupt vorstellbar?Amüsiert-überlegenes Gelächter:….. „Yes, yeah!!“

Kommentare zu diesem Artikel

Ingo, 09.03 2015, 20:58
Ich war da, im vorigen Jahr, allerdings im Sommer. Es ist wunderschön dort, ganz bestimmt zu jeder Jahreszeit. Im Winter kann ich leider nicht, aus beruflichen Gründen, vielleicht sehe ich mir das Eishotel dann an wenn ich mal Rentner bin. Aber ich finde Rumänien an sich sehr schön. Ich hoffe es werden jedes Jahr mehr Leute, die dieses Land besuchen und ich hoffe auch, die Bedingungen dafür werden jedes Jahr besser. Also Leute traut euch Rumänien zu besuchen, ich bin sicher ihr werdet nicht enttäuscht.

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