Trinkwasserversorgung und ihr Management

Die Kronstädter „Compania APA“ zahlte Lehrgeld für Kommunikationsprobleme

Dienstag, 19. Juni 2018

In Stadtteil Gârcin in Săcele holen viele ihr Wasser noch mit dem Eimer.
Asociația Proactivi pentru Gârcin

Das Kronstädter Trinkwasser hat einen guten Ruf, dem es aber nicht immer gerecht wird. Das letzte Mal, als es Probleme im Zusammenhang mit der Trinkwasserversorgung gab, war im März dieses Jahres. Nach starken Regenfällen musste der Stausee am Tatrang bei Săcele entleert werden. Das führte zur Überlastung der Kläranlagen, sodass in Kronstadt/Brașov das Leitungswasser nicht mehr sauber war. „Compania APA Brașov“ erwies sich für eine solche Situation im Bereich Kommunikation als unvorbereitet. Eine interne Vorlage für Notfälle, wo vor dem Trinkwassergebrauch gewarnt wurde, gelangte inoffiziell über ein soziales Netzwerk an die Öffentlichkeit und sorgte für Panik bei vielen Kronstädtern, die sofort die Läden stürmten, um sich Mineralwasser-Vorräte zu besorgen. Gleichzeitig kam auch eine Warnung seitens des öffentlichen Gesundheitsdienstes, in der das Kochen des Leitungswassers empfohlen wurde. Erst später kam die offizielle Stellungnahme seitens des Wasserwerkes an die Öffentlichkeit, als festgestellt wurde, dass das Wasser zum Trinken wieder geeignet war.

Diese Panne wurde prompt auch politisch ausgeschlachtet. Denn Hauptaktionäre bei Compania APA sind der Kreisrat und der Stadtrat Kronstadt mit je 42 Prozent des Grundkapitals. In beiden Gremien hat die Nationalliberale Partei (PNL) die Mehrheit, sodass die Sozialdemokraten prompt ein Audit in Sachen Management des Wasserwerkes verlangten.

Gutes Wasser ist nicht kostenlos zu haben

Die Unzufriedenheiten mit der Wasserversorgung sind in Kronstadt nicht neu. Der Preis des Trinkwassers gilt landesweit als ziemlich teuer. In einer Statistik aus dem Vorjahr wird für Kronstadt Platz 20 in Rumänien angegeben (Gesamtpreis 7,11 Lei/Kubikmeter, wobei der eigentliche Trinkwasserpreis bei 4,05 Lei liegt und die Differenz für Kanalisationsgebühren steht). Wie in anderen Städten wurden auch in Kronstadt in den vergangenen Jahren umfassende und nicht gerade billige Modernisierungsarbeiten am Wasserversorgungsnetz, aber auch am Kanalisationssystem durchgeführt. Die damals aufgenommenen Darlehen kommen nun zum Teil auch auf die Rechnung des Endverbrauchers, heißt es. Außer Kronstadt sind noch folgende Ortschaften Aktionäre bei Compania APA: Reps/Rupea (3,4 %), Weidenbach/Ghimbav (3,1%), Honigberg/Hărman (2,8%), Heldsdorf/Hălchiu (2,7%), Petersberg/Sânpetru (2,2%) und Apața (1,8%). Es fällt auf, dass Fogarasch und das Umland ihr Wasser nicht vom Kronstädter Wasserwerk beziehen. Dort hatte man sich nämlich seinerzeit für eine Angliederung an das Hermannstädter Wasserwerk („Apa Canal Sibiu“) entschlossen.

Wer die Zustände im Roma-Viertel Gârcin bei Săcele kennt oder von den Problemen der Wasserversorgung in Reps Bescheid weiß, der wird schnell verstehen, wie viel Arbeit in diesem Bereich bei Compania Apa noch ansteht. In Kronstadt selber funktioniert die Trinkwasserversorgung gut, obwohl im Stadtgebiet über Wasserreservoirs und Pumpstationen ziemlich große Höhenunterschiede überwunden werden müssen. Beim Wasserwerk verweist man übrigens stolz darauf, dass am 11. Dezember 125 Jahre vergangen sein werden, seit in Kronstadt erstmals ein öffentliches Gebäude (die „Rentenkasse“, heute der Sitz des Universitätsrektorats auf der Postwiese) an ein Wasserversorgungsnetz angeschlossen werden konnte. Das Wasser stammte aus Quellen aus dem heutigen Burggrundviertel sowie von den Salamonsfelsen, die Entwurfsarbeiten hatte Ingenieur Christian Kertsch ausgearbeitet.

„Wasser ist ein Menschenrecht“

Unter diesem Titel (die englische, bekanntere Variante lautet „Right2Water“) ist eine erste erfolgreiche europäische Bürgerinitiative bereits Ende 2013 gelaufen. Über sie wurden die EU-Institutionen und die Mitgliedsstaaten aufgefordert, das Recht aller Bürger auf Trinkwasserversorgung und sanitäre Grundversorgung zu respektieren. Das setzt auch voraus, dass die Wasserwirtschaft nicht liberalisiert werden soll. Denn in diesem lebenswichtigen Bereich werden auch Millionen von Euro umgesetzt. Für Rumänien wird für 2020 ein Umsatz von 925 Millionen Euro in der Wasserversorgung geschätzt. 2014 waren es 806 Millionen Euro. Für „Right2Water“ lagen im Dezember 2013 rund 1.660.000 Unterschriften vor, wobei mit Abstand die meisten aus Deutschland kamen (1.236.455). In Rumänien unterschrieben 3176 Personen diese Initiative. Der Erfolg dieser Bürgerbewegung zwang die EU zu einem Umdenken, z. B. wenn es um die Privatisierung von Wasserversorgung geht.

International wird Rumänien eine Verbesserung der Trinkwasserqualität bescheinigt. Unser Land nimmt in einem internationalen Vergleich der Wasserqualität von 122 Ländern Platz 61 ein – „ein durchaus guter Platz“, wie auf www.wasserqualität-trinkwasserqualität.de zu lesen ist. Anpassung an internationale Normen, mehr Kontrollen haben ihre Wirkung gezeigt. Trotzdem: „ Ein Fokus liegt immer noch auf der Nitratbelastung des Trinkwassers. Wasserwerke testen in Rumänien die Wasserqualität, doch kann es durch äußere Einflüsse, die Hausinstallation oder durch die Eigenversorgung (Brunnen) dazu führen, dass schädliche Stoffe in das Trinkwasser gelangen.“ Die Anforderungen steigen und ihnen muss man auch in Rumänien nachkommen.

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