Trotz komischen Texten erfolgreich

Top-Songs mit schlechtem Satzbau oder merkwürdigen Inhalten

Sonntag, 02. Oktober 2016

Bild: pixabay.com

Es war die „Liebe aus dem Lindenbaum“, die im Jahr 2004 das moldauische Trio O-Zone direkt auf Platz 1 der deutschen Charts steigen ließ. Sage und schreibe 14 Wochen lang weilte die Musikgruppe O-Zone mit dem rumänischsprachigen Song „Dragostea din tei“ auf Platz 1 – der Song wurde anschließend zur erfolgreichsten Single der Jahrescharts 2004 gekürt. So erfolgreich der Song auch war, so „einfach“ die Zeilen: „Du willst weggehen und du nimmst mich nicht mit,/ nimmst mich nicht mit/ Dein Gesicht und die Liebe aus dem Lindenbaum/ erinnern mich an deine Augen“. Dass Erfolg manchmal indirekt proportional mit den Inhalten ist, die Songs vermitteln, wurde im Laufe der Zeit wiederholt klar. Immer wieder steigen Lieder in die Charts auf, bei deren Texten man sich fragen muss, ob der Autor keinen blassen Schimmer von Grammatik oder einfach nur einen schlechten Tag gehabt hat.

Egal, ob gewollt oder ungewollt dumm: Songs überraschen mit schlechtem Satzbau, seltsamen Aussagen oder einfach nur durch nichtssagende Texte. Das gilt nicht nur für rumänische, sondern auch für deutsche-, englische- oder anderssprachige Songtexte. Und das soll schon lange nicht heißen, dass die Songs nicht gefallen. Ganz im Gegenteil: Viele Lieder mir sagenhaft dummen Lyrics erfreuten und erfreuen sich immer noch großen Erfolgs.

Wadde hadde dudde da?

So unglaublich das auch erscheinen mag: Im Jahr 2000 qualifizierte sich der deutsche TV-Moderator Stefan Raab mit dem Titel „Wadde hadde dudde da?“ über den deutschen Vorentscheid „Countdown Grand Prix 2000“ mit 57,4 Prozent der Stimmen für den Eurovision Song Contest in Stockholm. „Wadde hadde dudde da?“ ist eine Art Verniedlichung der Frage „Was hast du denn da?“. Der Song mit lustigem Text enthält nicht nur deutsche, sondern auch englische Abschnitte, die englischen Ausdrücke sind allerdings in einem unkorrekten Englisch geschrieben, das sich quasi der deutschen Grammatik anpasst. So zum Beispiel klingt es da: „I just wanna know what you there have“ (Ich will wissen, was du da hast), anstatt „I just wanna know what you have there“, wie es die richtige Reihenfolge der Satzglieder in englischer Sprache fordert. Die Zeilen sind so grammatisch falsch, dass sie witzig klingen. Und trotzdem: Der Song erfreute sich großen Erfolgs beim Eurovision-Wettbewerb 2000. Mit 96 Punkten erreichte „Wadde hadde dudde da?“ den fünften Platz und war somit viel beliebter als viele andere Lieder mit ernsten und – vor allem – richtigen Songtexten. Für Stefan Raab war es der zweite Grand-Prix-Beitrag, nachdem er Guildo Horns „Guildo hat euch lieb“ geschrieben und produziert hatte.

Zwar sind ihre Songtexte ernst, doch sie klingen manchmal ganz schön daneben: Es geht um die sensible Sängerin Yvonne Catterfeld. Die Karriere der 36-jährigen Musikerin, Schauspielerin und Moderatorin startete 2003 mit Dieter
Bohlen als Produzent. Damals erreichte ihr Lied „Für dich“ Platz 1 der deutschen Singlecharts. Ein Jahr später wiederholte sie mit „Du hast mein Herz gebrochen“ den Erfolg des vergangenen Jahres. Der Refrain von „Du hast mein Herz gebrochen“ klingt schon etwas komisch: „Du hast mein Herz gebrochen, als du bei ihr warst!/ Aus Tagen wurden Wochen oder auch ein Jahr“. Wurde es schließlich ein Jahr oder nicht? Für die Fans ist es allemal egal.

Die Liebe wie bei der Wettervorhersage

Rumänische Lieder scheinen schon zu überwiegen, wenn es um sinnlose Songtexte geht. „Ca la meteo“ (Wie bei der Wettervorhersage) heißt der Song von Andra feat. What´s Up, bei dem es um eine turbulente Beziehung geht. „Wir belügen uns wie bei der Wettervorhersage/ Vielleicht scheint die Sonne, aber ich sehe sie nicht“, singt die rumänische Sängerin Andra. Das Lied war 2012 in allen rumänischen Radiosendern zu hören. Ebenfalls bei Andra gibt es eine komische Zeile in dem Lied „Un ocean de-ai fi“ (deutsch: Wenn du ein Ozean wärst). Die klingt nämlich so: „Wenn du ein Ozean wärst, würde ich täglich ertrinken.“ Ob Andra neun Leben hat, wie eine Katze, ist ungewiss…

Dass nicht nur Pop-Sängerinnen und –Sänger manchmal ganz schön daneben liegen können, wurde des Öfteren klar. Die legendäre Rock-Band „Iris“ aus Rumänien hat in ihrem Song „Baby“ eine Zeile, die ziemlich peinlich klingt: „Baby, Baby, Baby, du wirst mein sein/ Du bist die einzige Liebe/ Sogar die letzte“. Einzige oder letzte Liebe? Lead-Sänger Cristi Minculescu sollte da für Aufklärung sorgen.
Auch international haben es die Stars nicht immer auf den Punkt gebracht. So zum Beispiel Avril Lavigne in ihrem 2000 erschienenen Lied „Sk8er Boi“. „Er war ein Junge, sie war ein Mädchen. Kann es offensichtlicher sein?“, singt sie in dem Song, in dem es um Teenie-Liebe geht. Was ist so offensichtlich?, fragt man sich da. Muss es immer funken, wenn ein Junge ein Mädchen trifft? Avril Lavigne findet, schon.
„Life“ heißt das 1998 bekannt gewordene Lied von Des´ree, indem es um das Leben selbst geht. Die Lyrics sind aber so banal, dass einem der Kopf weh tut. „Ich möchte keinen Geist sehen/ Das fürchte ich am meisten/ Am liebsten esse ich ein Stück Toast-Brot/ Und schaue mir die Nachmittagsnachrichten an“. In einer Umfrage im amerikanischen Fernsehsender BBC wurden die Zeilen dieses Lieds als die schlechtesten aller Zeiten gewählt. So schlecht sie auch seien: Der Song war nach seiner Bekanntmachung sehr schnell in aller Munde.

Shakira hat mit dem Song „Whenever, wher-ever“ aus dem Jahr 2001 ebenfalls einen peinlichen Volltreffer gelandet: „Zum Glück sind meine Brüste klein,
sodass du sie nicht mit Bergen verwechseln kannst“. Da kann man ihr nur eines raten: Liebe Shakira, mach dir keine Sorgen, denn nicht einmal die größten Brüste der Welt werden mit Bergen verwechselt! Zum Lachen ist es allemal.

Ob-la-di ob-la-da

Sinnlos klingen auch manche Lyrics von Rock-Songs. Vielleicht steckt aber mehr dahinter. So auch bei Bob Dylans „Ballad of a Thin Man“: „Jetzt siehst du diesen einäugigen Zwerg, der das Wort ‘JETZT‘ ruft, und du sagst, ‘Zu welchem Zweck?‘, und er sagt, ‘Wie?‘, und du sagst, ‘Was bedeutet das?‘ und er ruft zurück, ‘Du bist eine Kuh, gib mir Milch oder geh‘ nach Hause‘… Ziemlich falsch ist eine Zeile aus „Hotel California“ von den Eagles: „Also habe ich den Kapitän gebeten, ‘Bitte bring mit meinen Wein‘, er sagte, ‘Wir haben diese Spirituose hier seit 1969 nicht mehr‘“. Wein ist bekanntlich keine Spirituose. Hat der Autor da doch was anderes damit gemeint? Lustig ist wohl das Beatles-Lied „Ob-la-di ob-la-da“. Man würde meinen, dass die Verse nichts bedeuten, doch das stimmt nicht. In nigerianischer Sprache bedeuten sie gerade das, was das Lied weiter sagt: „Das Leben geht weiter“. Paul McCartney hatte diesen Ausdruck von einem nigerianischen Musiker, mit dem er befreundet war, gelernt.

Die Liste der komischen, dummen und unkorrekten Verse könnte mit Sicherheit weitergehen. Musiker, Texter und Produzenten haben jedoch bewiesen, dass es nicht der Text ist, der den Erfolg eines Lieds garantiert oder nicht. Vielmehr geht es darum, dass sich die Hörerinnen und Hörer ein Lied merken und dieses nachsingen können. Der Weg zum Erfolg führt schließlich über den kürzesten und einfachsten Weg.

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