Trotz Programmvielfalt: Weinsalon eher spärlich besetzt

Qualitätsweise brauchen Produktmarketing und Maschinen

Mittwoch, 16. April 2014

Die Aussteller hatten ihre besten Weine mitgebracht - Messebesucher durften verkosten so viel sie wollten.
Foto: Zoltan Pazmany

Reichlich Freiräume zwischen den Ausstellern und öffentliche Institutionen als Notnagel, um das allgemeine Bild zu wahren, zeigten die Zurückhaltung der Branche für die Weinmesse, die am vergangenen Wochenende im Regionalen Geschäftszentrum der Temescher IHK über die Bühne gegangen ist. Bekannte Weinstuben aus Rumänien ließen ihre Stände unbesetzt, auch wenn sie ihre Präsenz beim 11. Temeswarer Weinsalon angesagt hatten. Dabei wissen doch gerade Unternehmen westlicher Wirtschaft, dass „Präsenz zeigen“ allein schon Grund genug ist, auf einer Messe dabei zu sein. Möglicherweise haben sie ihrer Meinung nach auch ausreichend Kundschaft und glauben, nicht mehr werben zu müssen, sagte einer der eher spärlichen Besucher, die sich am Sonntag Nachmittag eingefunden hatten. Um doch noch welche anzulocken, hatten die Veranstalter sogar auf das Eintrittsgeld verzichtet – ein Zulauf wurde es jedoch auch dann nicht.

Verschieden auch die Gemütslage unter den Ausstellern: Weinhersteller hatten ihr Soll erreicht, die Vertreter von Zubehör und Notwendigem aus und für die Weinindustrie waren dann schon eher zurückhaltend in ihrer Euphorie. Für sie waren Schaulustige keineswegs die wirklichen Bezugspartner, sondern die Weinindustrie war die Zielgruppe, doch diese war dann in ihrer Anzahl erheblich geringer vertreten, als in anderen Jahren. Am Stand von Gastrotech, internationaler Vertreter aus der Wein-Zulieferindustrie, mit Rumäniensitz in Neumarkt/ Târgu Mures, fand man die knapp über zwanzig Weinproduzenten und -händler als recht gering, um auf eine wirklich erfolgreiche Messe zurückzublicken. Vom deutschen Anbau-Geräte-Hersteller „Braun“ war eigens der  Geschäftsführer des Unternehmens, Stefan Braun, angereist und präsentierte die Maschinen, die schon bald auch im rumänischen Weinbau massiv Einzug halten sollten. Mit dem Preis für eine Maschine zur Bearbeitung des Bodens im Weingarten, die Braun auf der Messe in Temeswar zeigte, könne man sich einen Audi kaufen, habe ihm im Laufe des Tages ein Besucher gesagt, erzählt Stefan Braun. „Ich habe ihm aber gesagt, dass er sich mit dieser Maschine auch einen Audi verdienen kann“, so Stefan Braun der BZ gegenüber. Keine Eintagsfliege sei sein Unternehmen, sondern eines, das langfristig plant. Er weiß auch, dass es „seine Zeit braucht, um in Rumänien auf den Markt zu kommen“. Deshalb sei es für ihn auch wichtig gewesen, Kontakte zu knüpfen und „die Geräte zu präsentieren“, sagte der Geschäftsführer des Unternehmens. Die Weingüter werden künftig Investitionen auch in teure Geräte tätigen; derzeit warten sie jedoch noch auf die Subventionen, sagt Braun. Auf der Messe hätte er sich ebenfalls etwas mehr Weinproduzenten gewünscht, doch generell schätzt er den Temeswarer Weinsalon als „klein, aber fein“. Fiorenzo Rista, vom Unternehmen Metamorfosis, hat seine ersten Weine aus eigener Produktion aus dem Kreis Prahova einschenken können. Der Italiener war zum ersten Mal auf der Temeswarer Weinmesse dabei: „Im nächsten Jahr bin ich wieder da“, sagte er wenige Minuten vor Abschluss der Weinmesse. Zwar hätte er sich mehr Weinproduzenten auf der Messe gewünscht, doch „es waren viele Besucher da, viele Neugierige und die Gespräche waren gut und interessant“.

Gegenseitige Lobesworte standen bei der Eröffnung der drei Tage dauernden Messe immer wieder im Vordergrund. Die Veranstalter lobten ihre Partner und die Behörden, diese wieder sprachen dem Veranstalter Vinvest und deren Leiterin Lucia Pârvu ihre Anerkennung aus. Die fachlichen Reden zum Thema Weinbau blieben möglicherweise gerade aus Zeitgründen aus, vielleicht waren auch manche aus der großen Schar der Offiziellen nur dabei, weil das sich so standesgemäß gehört. Die Tourismusministerin Maria Grapini kam auf jeden Fall auf ihre Kosten, als die Vinvest-Chefin diskret aber trotzdem unmissverständlich Wahlwerbung für die Ministerin und Kandidatin für das EU-Parlament betrieb. Pârvu und die Ministerin waren andererseits auch die einzigen Personen, die im Endeffekt über wenig aussagekräftige Floskeln hinauskamen. Die Imageförderung sei ein ganz wichtiger Aspekt um rumänische Produkte zu vermarkten. Durch zwei großen Messen, die vom Hauhalt finanziert werden, soll die Hürde fehlenden Images für rumänische Produkte weg, sagte Grapini.

Die Veranstalterin Lucia Pârvu hatte sich unter dem Dachbegriff „Tage des Weines, der Gastronomie und der Internationalen Kultur“ Festmomente einfallen lassen. Die Schirmherrschaft dafür hatte das Serbische Generalkonsulat in Temeswar und das Spanische Honorarkonsulat übernommen.

Gastronomische Shows, Vorstellung neuer Weinmarken und der Nationale Weinwettbewerb gehörten mit zur Veranstaltung. „Die Teilnahme an der Veranstaltung Vinvest 2014 bedeutet Präsenz zu zeigen, und jenen aus anderen Bereichen die Kunst, Wein herzustellen und zu verkosten aufzuzeigen“, so die Veranstalterin und Weinexpertin Lucia Pârvu.

 

 

Kommentare zu diesem Artikel

Deutscher, 17.04 2014, 11:19
Rumänen sind keine Weintrinker, wenn Alkohol am Tisch, dann muss es mit dem Trinken schnell gehen. Ebenso wenig sind die Rumänen Bauern mit einer langfristigen Planung und dazu gehört eben auch der Weinbau. Schnell Geld verdienen, schnell ein grosses Auto kaufen um dann schnell wieder abzustürzen, das hat man immer schon so gemacht und daran wird sich nichts ändern.

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*