Trotz versiegter Einnahmequelle: Projekte in Tschanad gehen weiter

Für den Bürgermeister gibt es auch eine Zeit nach dem Duty-Free

Mittwoch, 03. Oktober 2012

Vor allem Dienstleister sind in der Grenzgemeinde angesiedelt: Versicherungen und Wechselstuben sind nach der Grenzeröffnung für PkW eine Notwendigkeit geworden. Etwa 2500 Personen reisen im Transitverkehr in bzw. aus Richtung Westeuropa durch Tschanad. Vor Feiertagen sind es um nahezu ein Drittel mehr. Foto: Zoltán Pázmány

4000 Einwohner zählt die Gemeinde Tschanad/Cenad an der rumänisch-ungarischen Grenze. Die Landwirtschaft, der Handel und der Dienstleistungssektor sind die Wirtschaftszweige im Ort. Die Duty-Free-Läden an der Grenze haben einige Jahre lang viel Geld in die Gemeindekasse gebracht. Seit der Schließung der Läden baut der deutschstämmige Bürgermeister Nikolaus Cr²ciun auf EU- und Regierungsprojekte, mit denen der ehemalige Buchhalter seine Gemeinde weiter auf Vordermann bringen will. Ausgedehnte Landwirtschaftsflächen liegen um den Ort, aber mit der Grenzeröffnung liegt der Fokus auch auf Dienstleitungen. Der erste katholische Bischofssitz und die erste Schule auf dem Gebiet Rumäniens (1030) verankern den Ort am Marosch-Fluss auch in der Geschichte.

„Komm, schau dir mein Zimmer an. Wie im Hotel in der Stadt“, hatte der ehemalige Tschanader Nikolaus Schüssler seine zeitweilige Bleibe in seinem Heimatort gelobt. Er ist einer der nach Deutschland ausgewanderten Schwaben, die es dann und wann nach Rumänien zieht. Zimmer beziehen sie dann meist in der Pension „Anka“ im Zentrum der Gemeinde an der rumänisch-ungarischen Grenze. „Die Tatsache, dass die Grenze geöffnet wurde, war überhaupt Anreiz, diese Pension einzurichten“, sagt die Betreiberin Carmen Jurcă. Ein Drittel ihrer Kunden sind Ausgewanderte, die vor allem im Sommer heimkehren. Auch wenn diese noch entferntere Verwandte im Ort haben, ziehen sie jedoch „in die Anka“ ein, denn oft sind ihre Kontaktpersonen im Dorf schon betagt oder nach zwei Jahrzehnten in Deutschland „hat man eben ein wenig höhere Ansprüche, als bei den Verwandten in einem Bauernhaus“, sagt einer, der lieber ungenannt bleibt, da seine Aussage nicht beleidigend für die Dorfbewohner wirken soll.

Die Pensionsinhaberin Carmen Jurc² hat ihre Arbeit „und jene der Großeltern in dieses Unterfangen investiert“. Sie weiß auch, dass 80 Prozent der Heimkehrer nicht ins Dorf kommen könnten, hätten sie keine richtige Bleibe.

 

Der Gemeindebürgermeister Nikolaus Cr²ciun hat in diesem Sommer seine vierte Amtszeit als Ortsvorsteher angetreten. Im Alter von 39 Jahren wurde er im Jahr 2000 zum Bürgermeister gewählt, seine erneute Wiederwahl im Juni d.J. erfolgte in überzeugender Manier mit mehr als zwei Drittel der Stimmen. In den ersten Jahren seines Mandats ist ein wahrer Geldsegen über den Ort gekommen. Die Duty-Free-Shops an der Grenze brachten der Gemeinde Einkommen wie nie zuvor. Nach deren Schließung wurden neue Finanzierungswege notwendig. EU-Projekte ersetzen derzeit die fehlenden Mittel aus dem Hauhalt. „EU-Projekte können nicht politisch beeinflusst werden, denn die Regeln sind dort sehr klar“, sagt Nikolaus Cr²ciun, danach gefragt, wie wichtig es denn sei, seine eigene Partei an der Regierung zu haben. Derzeit läuft in der Gemeinde ein EU-Projekt, das Infrastruktur, Soziales und Kultur beinhaltet: Infrastruktur heißt in diesem Fall zehn Kilometer Straßenbau, Soziales die Einrichtung einer Kinderkrippe und für die Sparte Kultur gilt eine Volkstrachtensammlung.

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