Tschakowaer Kula wird saniert

Ältester Banater Wehrbau soll in den touristischen Kreislauf eingeführt werden

Mittwoch, 20. Januar 2016

Die Kula in Tschakowa im Kreis Temesch soll touristisch aufgewertet werden.
Foto: Zoltán Pázmány

Temeswar – Die Kula, das Herzstück der ehemaligen mittelalterlichen Festung aus der Temescher Kleinstadt Tschakowa/Ciacova, 28 Kilometer von Temeswar/Timişoara, soll, laut Ankündigung von Petru Filip, dem Tschakowaer Bürgermeister, nach Plänen der Stadtverwaltung saniert und in den touristischen Kreislauf eingeführt werden.

Die Pläne dazu haben eine Gruppe Jungarchitekten von der Temeswarer Baufakultät erarbeitet. Laut Bürgermeister Filip sollen für die Arbeiten gar EU-Gelder beantragt werden. Geplant ist, den Wasserbehälter aus dem seit 1936 von der Stadt als Wasserturm genutzten Bau zu entfernen. Die Temeswarer Firma Aquatim hat nämlich schon zu 80 Prozent die neue städtische Wasserleitung eingeführt, auch eine neue moderne Kläranlage steht vor ihrer Übergabe. Die Kula soll in nächster Zukunft Touristenattraktion und Stadtmuseum mit Ausstellungen zum Thema Stadtgeschichte werden.

Der Turm, heute Stadtsymbol und auch Stadtwappen, ist ein Überbleibsel der alten Tschak-Festung, die im 14. Jahrhundert auf Anordnung von Nikolaus Tschak, dem Temescher Obergespan, Comes Temesiensis, zu Wehrzwecken erbaut worden war. Die Festung, von den Historikern als älteste mittelalterliche Wehrburg des Banater Flachlands ausgewiesen, wurde in einem gemischt romanisch-gotischen Stil errichtet und hatte eine Gesamtfläche von 11.500 Quadratmetern. Der Bau war auf allen vier Seiten durch Kanäle vom Wasser der Temesch geschützt.

Die damalige Burg, eine typische Wasserburg, wie es sie im Banat in Temeswar, Tschanad/Cenad oder Lippa/Lipova, aber auch in Werschetz (Serbien) und Gyula (Ungarn) gab, konnte zwischen ihren Mauern 100 Reiter und 200 Mann Fußtruppen fassen. Der Turm, im Laufe der Geschichte auch Römerturm oder Türkenturm, von den Türken und der hiesigen serbischen Bevölkerung einfach Turm (Kula) genannt (einen ähnlichen Turm gibt es auch in Cheresig, Kreis Bihor), ist heute der einzige derartige Wehrbau des Landes, der noch Reste der Originalzinnen und eine Verteidigungsplattform hat. Der rechteckige Bau (10,5 x 9,8 Meter) hat eine Höhe von 27 Meter, Parterre, I. Stock und drei weitere Stockwerke. Der Eingang (heute durch eine Eisentür im Parterre) lag anfänglich im I. Stock, das Baumaterial waren Brennziegel. Die Mauern im Parterre, die auch Steine enthielten, hatten eine Dicke von 2,7 Metern.

Aus der Frühgeschichte der Burg: Nach zwei erfolglosen Versuchen zur Einnahme der Festung übernahmen die Türken diese dann doch 1551. Für die Osmanen hatte die Festung, „25 Tagesritte von Istanbul entfernt“, einen hohen strategischen Wert. Die Osmanen errichteten hier auch ein türkisches Viertel mit Moschee und Friedhof. Die Festung wurde jedoch 1699 zerstört, nur der heutige Turm blieb erhalten. Aus der Türkenzeit blieb in Tschakowa allein noch die sogenannte „Türkische Brücke“, auf dem Weg zwischen Tschakowa und Cebza übrig.

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