TV-Serien, die süchtig machen

Wie ein Magnet ziehen Streaming-Dienste ihre Fans vor den Bildschirm

Sonntag, 15. April 2018

„Dark“ – die erste deutsche Serienproduktion auf Netflix erzählt über Zeitreisen.
Foto: IMDB

„Handmaid´s Tale“ versetzt in eine hypothetische, besorgniserregende Zukunft.
Foto: www.fangsforthefantasy.com

Seriensüchtige haben oft eine Vorliebe für Antihelden wie Walter White aus „Breaking Bad“
Foto: Wikipedia

„Game Of Thrones“ ist eine der beliebtesten TV-Serien aller Zeiten.
Foto: Wikipedia

Allein, zu zweit oder mit Freunden, TV-Serien halten einen vor dem Fernseher oder Computer fest - und das für mehr als nur eine einzige Folge. Man drückt auf „Play“ und taucht augenblicklich in eine völlig andere Welt ein, erlebt Geschichten, die einen einfach an die Couch fesseln. „Eine Folge schaue ich noch“ ist wohl die häufigste Selbstlüge. Folge für Folge verbringen Serien-Begeisterte stundenlang vor dem Bildschirm. Binge-Watching (zu deutsch: Serien-Marathon) ist in der Zwischenzeit mehr als nur ein Trend für junge Leute geworden. Fernsehserien können süchtig machen.

Game Of Thrones, Breaking Bad, Westworld, Narcos, Handmaid´s Tail, Grey´s Anatomy, Friends – die Liste der fesselnden Serien wird länger, von einem Monat zum anderen. Jedes Jahr werden neue Serien herausgebracht, die Anzahl der Fans nimmt ständig zu.

Unter „Fortsetzung folgt“ musste man vor Jahren bei klassischer TV-Ausstrahlung tagelang auf die neuesten Folgen der Lieblingsserien warten. Heutzutage werden viele Staffeln mit all ihren Folgen gleich mit einem Schlag auf Streaming-Diensten wie Netflix oder HBO Go verfügbar gemacht. So ist auch der Begriff „Binge Watching“ entstanden. Darunter versteht man das Ansehen von mehreren Folgen einer Serie, einer ganzen Staffel, oder, in exzessiven Fällen, gar von ganzen Serien an einem Stück – meist an wenigen aufeinanderfolgenden Tagen. Durch Streaming-Dienste erhält man weltweit und günstig Zugang zu Staffeln hunderterlei Serien, von Horror über Action, Drama und Comedy. Neben den klassischen Comedy-Serien sind heutzutage Produktionen mit „bösen Buben“ sehr beliebt. Auch Serien mit hohem Gruselfaktor und blutigen Erlebnissen kommen beim Publikum an.
Der Suchtfaktor von TV-Serien greift bei vielen Produktionen schon ab den ersten Folgen. So ist das auch bei „Breaking Bad“ der Fall. Die Geschichte des US-amerikanischen Chemielehrers aus New Mexico, der zum Drogenbaron mutiert, um trotz seiner fortschreitenden Krebserkrankung seine Familie finanziell abzusichern, wurde 2008 veröffentlicht. Fünf Staffeln hatte die Serie, die in diesem Jahr ihr zehnjähriges Jubiläum feiert und die von vielen Fans rund um die Welt als beste TV-Serie der Welt bewertet wurde. Die US-Serie bekam in der Ausgabe des Guinness Buchs der Rekorde 2014 einen Eintrag als „beliebteste TV-Serie“ und erhielt zahlreiche Emmy-Preise.

Ganz hoch auf der Liste der besten Serien der Welt steht auch „Game of Thrones“ (deutsch: „Spiel der Throne“). Die US-amerikanische Fantasy-Serie von David Benioff und D. B. Weiss auf dem US-Kabelsender HBO basiert auf der Romanreihe „A Song of Ice and Fire“ („Das Lied von Eis und Feuer“) von George R. R. Martin. Die Handlung ist in einer fiktiven Welt angesiedelt und spielt auf den Kontinenten Westeros und Essos. Die sieben Königreiche von Westeros ähneln dem europäischen Mittelalter und sind durch eine riesige Mauer von einem Gebiet des ewigen Winters im Norden abgeschirmt. Frühling, Sommer, Herbst und Winter können mehrere Jahre oder gar Jahrzehnte andauern, ihre Länge ist variabel und nicht vorhersehbar. Die Geschichte beginnt am Ende eines langen Sommers und wird in drei Handlungssträngen weitgehend parallel erzählt. Zwischen den mächtigen Adelshäusern des Reiches bauen sich Spannungen auf, die schließlich zum offenen Thronkampf führen.

Die Erstausstrahlung erfolgte April 2011 auf HBO. Insgesamt sind acht Staffeln von „Game of Thrones“ geplant. Die ersten sieben hielten Fans vor ihren Bildschirmen wie in Ketten gefesselt. Die Aufregung wird 2018 für die achte Staffel nur noch verstärkt. Dieses Jahr wird keine einzige neue Folge vorgestellt. Die letzte Staffel der Serie soll erst 2019 ausgestrahlt werden.

Je innovativer das Thema, desto sicherer ist der Erfolg. Dessen sind sich immer mehr Produzenten bewusst. So entstehen TV-Serien zu den kuriosesten Themen. Ausgefallen ist auch das der ersten deutschen Serienproduktion auf dem Streaming-Dienst Netflix: Die erste Staffel von „Dark“ wurde Dezember 2017 veröffentlicht. In über zehn rund 50-minütigen Episoden erzählt die Mystery-Serie von vier durch das Schicksal verbundenen Familien in einer deutschen Kleinstadt namens Winden, von verstörenden Vorkommnissen und einem Geheimnis, das lange zurückliegt und die Grenze zwischen Raum und Zeit verfließen lässt. Spannung und Geheimnis werden groß geschrieben. Einschalten lohnt sich!

Für deutschsprachige Zuschauer kommt 2018 eine weitere gute Nachricht von Netflix: Ende vergangenen Jahres haben die Dreharbeiten für die zweite Produktion begonnen, „Dogs of Berlin“ von Christian Alvart. Mit Felix Kramer als Ostberliner Polizist Kurt Grimmer und Fahri Yardim in der Rolle des deutsch-türkischen Cops Erol Birkan nimmt darin ein Ermittlerduo den Kampf gegen die Verbrechen in der Berliner Unterwelt auf. Laut Netflix soll die zehnteilige Serie 2018 zu sehen sein. (Quelle: www.nw.de)

Bei Streaming-Diensten gibt es etwas für alle. Die Serie „Stranger Things“ richtet sich zum Beispiel an Nostalgiker. Dort finden sich zahlreiche visuelle Referenzen an bekannte Filme aus den 1970er- und 80er-Jahren wie „E.T.“, „Alien“, „Stand by Me“, „Poltergeist“ und „Shining“.

Die Geschichte von Pablo Escobar und den größten Drogenhändlern der Welt lebt durch die Serie „Narcos“ wieder auf. Die US-amerikanische Krimi- und Historiendrama-Serie über Drogenkartelle in den 1980er und 90er Jahren in Kolumbien fesselt Zuschauer vor dem Fernseher wie ein Magnet. Die Serie behandelt den Aufstieg von Pablo Escobar und dem kolumbianischen Medellín-Kartell zu einem der mächtigsten Drogenkartelle der Welt in den 1970er- und 80er-Jahren. In den 70ern verdrängte Kokain zunehmend das bis dahin vorherrschende Marihuana als Modedroge in Florida. Durch den Schmuggel von Kolumbien in die Vereinigten Staaten und später auch den Anbau im kolumbianischen Urwald konnte Escobar enorme Gewinne erwirtschaften. Gezeigt wird auch die große Brutalität und extreme Korruption, die mit diesem Aufstieg einhergingen. Der Kampf der kolumbianischen Behörden gegen die mächtige und skrupellose Drogenmafia nahm dabei zeitweise die Ausmaße eines Bürgerkriegs an, in dem unter anderem durch Bombenanschläge auch zahlreiche Zivilisten getötet wurden und die Mafia Kopfgelder auf Polizisten und andere Staatsbedienstete aussetzte.
Während die ersten beiden Staffeln die Geschichte von Pablo Escobar und dem Medellín-Kartell erzählen, geht es in der dritten Staffel um die Geschichte des Cali-Kartells. Die erste Staffel wurde am 28. August 2015 von Netflix per Streaming veröffentlicht. Eine zweite Staffel wurde nur sechs Tage später bestellt. Die weltweite Veröffentlichung der zweiten Staffel erfolgte am 2. September 2016. Am 6. September 2016 verlängerte Netflix die Serie um eine dritte und vierte Staffel. Die Veröffentlichung der dritten Staffel erfolgte am 1. September 2017.

Doch was zieht Serien-Begeisterte eigentlich vor den Bildschirm? „Ich bevorzuge TV-Serien, da sie kürzer sind als Spielfilme. Ich kann mich für 40 Minuten von meinem Alltag trennen. Meistens verfolge ich Komödien und Serien, die für Spannung sorgen – die meisten davon auf HBO Go“, erzählt Simona Ignat. Die Temeswarerin schaut sich fast jeden Abend mindestens eine Folge einer ihrer Lieblingsserien an. „Traditionelle Serien wie Seinfeld, Friends, Big Bang Theory entspannen mich, doch mich interessieren auch weniger bekannte Produktionen, die interessante Themen behandeln. Eine der letzten Serien, die ich mir angeschaut habe, ist Killing Eve und Tagged. Mein Suchfaktor ist auf kein bestimmtes Genre eingeschränkt, alles hängt von meiner Stimmung ab. Zum Glück ist die Auswahl groß.“

Als TV-Sensation gilt auch die Serienadaption des dystopischen Romans „Der Report der Magd“ (Originaltitel: „The Handmaid’s Tale“) von Margaret Atwood. Die Serie wurde 2017 veröffentlicht und bereitet nun die Ausstrahlung der zweiten Staffel vor.

Die Produktion versetzt den Zuschauer in eine mögliche Zukunft, in der eine christliche Fundamentalisten-Gruppe in den USA die Macht übernommen und die Verfassung außer Kraft gesetzt hat. Unter dem Namen Gilead ist eine neue Gesellschaft entstanden, deren totalitäre Regierung mit eiserner Faust das Leben aller Einwohner bestimmt. Frauen haben in dieser Welt keine Rechte, sie sind das Eigentum des Staates und der leitenden Männer, die sogenannte Hausmädchen in ihren Diensten halten. Da Unfruchtbarkeit aufgrund schädlicher Umwelteinflüsse immer verbreiteter ist und diese Hausmädchen zu den wenigen, noch gebärfähigen Frauen gehören, dienen sie in erster Linie dazu, Nachkommen mit ihren Besitzern hervorzubringen, um die Zukunft von Gilead zu sichern. Eine von ihnen ist Offred, die im Dienst von Commander Fred Waterford steht und dabei jede Menge Qualen über sich ergehen lassen muss. Doch das will sie irgendwann nicht länger hinnehmen...

„So eine Handlung nimmt einem den Atem. Man kann die Augen vom Bildschirm nicht abwenden“, gesteht Ciprian Stolojescu. Der junge IT-Fachmann versucht immer wieder, neue TV-Serien zu entdecken. „Wenn die ersten drei Folgen nichts Spannendes bieten, dann ist das nichts für mich und ich breche ab. Ich suche innovative Themen in den Serien, die ich verfolge. Wenn schon das Thema nicht neu ist, dann spielen die Atmosphäre und der Soundtrack eine wichtige Rolle für mich“, schließt Ciprian.

Manchmal beeinflussen Serien das eigene Leben so sehr, dass einige Folgen gleich mehrmals angesehen werden. Zitate aus dem Film werden dann zu üblichen Sprüchen im Alltag und manchmal bekommen auch Haustiere Namen, die aus bestimmten Serien inspiriert sind. So hat Gabriela Bora, zum Beispiel, ihren Hund nach dem Schattenwolf des Hauses Stark aus der „Game Of Thrones“-Produktion getauft.

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