UCMR wurde von Verbrechernetzwerk in die Insolvenz getrieben

Neue Einzelheiten zum Fall Reschitzaer Maschinenbauwerk

Samstag, 14. Februar 2015

Wie bereits mehrmals berichtet, befinden sich die beiden ehemaligen Köpfe der Millionen-Euro-Unterschlagungen im Reschitzaer Maschinenbauwerk UCMR, Ex-Präsident-Generaldirektor Adrian Chebuţiu und Ex-Wirtschaftsdirektor Adrian Coriolan Preda, in Untersuchungshaft. Die ebenso an der Unterschlagung beteiligte Frau Chebuţius, Lăcrămioara, blieb auf freiem Fuß, weil sie zuhause – in der durch Raubmethoden unter den Nagel gerissenen ehemaligen Villa Renk – minderjährige Zwillinge betreuen muss. Die Betrügergruppe, zu der als Hauptakteure auch der Libanese Said Baaklini und der Ex-Generaldirektor des Hafens Konstanza, Eugen Bogatu, gehören, ficht vor dem Bukarester Obersten Gerichtshof die Berufung der Gerichtsurteile aus. Bisher wurde die ganze Bande zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt.

Schrott 1168mal aufgewertet

Nun tauchen allmählich Schlussfolgerungen der Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (DNA), die in der Affäre seit 2010 ermittelt, im Original auf. Diese zeigen, wie eines der größten, traditionsreichsten und produktivsten Staatsunternehmen Rumäniens nach dessen Privatisierung von skrupellosen Egomanen in die Insolvenz getrieben und nicht nur zerstückelt, sondern regelrecht entwertet wurde. Dabei fielen alle Filetstücke direkt oder indirekt dem Trio, bestehend aus der Familie Chebuţiu und Preda, zu, die „urplötzlich“ als Euro-Multimillionäre dastanden. Das Reststück des Maschinenbauwerks von Reschitza wurde total überschuldet zurückgelassen und wird von einem gerichtlich bestellten Insolvenzverwalter abgewickelt. Die höchste Unverschämtheit des Trios: Es versucht beharrlich, den Gerichten weiszumachen, dass die einzige Rettungsmöglichkeit für UCMR in ihren Händen liegt – wenn sie denn freigelassen werden.

Ausgelöst wurde einer der größten Unterschlagungsfälle der neueren Geschichte Rumäniens durch den Verkauf von Produktionsschrott, der seit mehr als 20 Jahren im Hof von UCMR verrostete: vier Schiffsdieselmotoren, die seinerzeit nicht mehr abgeholt wurden, weil nach der Wende in rumänischen Staatswerften kaum noch Schiffe gebaut wurden, und zwei Dieselgeneratoren, die ebenfalls nach der Pleite einer Werft Anfang der 1990er Jahre keine Verwendung mehr fanden. Ihr Schrottwert lag bei immerhin noch 213.800 Euro, wie eine innerbetriebliche Inventurliste von UCMR es bestätigt. Die beiden Köpfe des ersten und alles weitere auslösenden Unterschlagungsskandals, Chebuţiu und der Libanese Baaklini mit seiner SC Libarom Agri SRL, machten in ihren abgehörten Telefonaten, deren Transkripte inzwischen größtenteils veröffentlicht wurden, das Geschäft perfekt.

Fiktive Geschäfte, Scheinzahlungen

Die DNA fasst das in ihrer Anklageschrift so zusammen: „Um eine glaubhafte Rechtfertigung zur Differenz zwischen dem Schrottwert der sechs Maschinen und dem geforderten und formell akzeptierten Verkaufswert von 250 Millionen Euro plus Mehrwertsteuer, also dem 1.168fachen des Nominalwerts, zu liefern, wurden in den Kreislauf zwei Briefkastenfirmen eingeschaltet, die SC Mike Trading & Investment SRL und die SC Beta Trading & Investment SRL.“ Diese sollten unter anderem Ersatzteile sowie Zusatzausrüstungen, technische Handbücher der Maschinen nachliefern. Dafür sollte die Mike T&I 100 Millionen Euro plus Mehrwertsteuer, die Beta T&I 145 Millionen Euro plus Mehrwertsteuer kassieren und von UCMR fiktiv einstreichen. Denn der Deal sah auch „das Finden eines Kunden“ für die sechs Maschinen vor – welcher allerdings lange vorher mit Said Baaklini, der das Ganze mit eingefädelt hatte, und seiner „Libarom Agri“ feststand. Weder „Mike“ noch „Beta“ haben in der Sache auch nur einen Finger gerührt, aber fiktiv ihr Geld „bekommen“.

Leider hat auch der Endkunde, die Republik Guinea im tropischen Afrika, keinen der Motoren, die als Stromaggregate eingesetzt werden sollten, gesehen. Der „Export“ wurde vor der Hafenausfahrt von Konstanza gestoppt. Das Geschäft war aufgeflogen wegen der unverschämten Rückerstattungsforderung von Bakklini und Chebuţiu, die, mittels Handlanger Preda, vom rumänischen Staat 60 Millionen Euro Mehrwertsteuer einforderten. Nach vier Jahren staatsanwaltschaftlicher Untersuchungen wurde die Unterschlagungsbande dann zerschlagen.

Insgesamt handelte es sich um eine unglaubliche, vorgegaukelte Geschäftsblase. Denn außer den Schrottmotoren und den fiktiv abgeschlossenen Verträgen und Zahlungsanweisungen, gab es nur eine einzige reale Geldüberweisung: fünf Millionen Euro (ohne Mehrwertsteuer) zahlte Baaklinis Libarom Agri SRL an UCMR (immer noch ein enormer Betrag für sechs schrottreife Motoren im Wert von 213.000 Euro). Dieser Betrag sollte zum Abschluss des „Geschäfts“, in der „Endbilanz“, so die telefonische Abmachung Baklinis mit Chebuţiu, „verrechnet“, also zurückerstattet werden. Faktisch hätte bei diesem „Geschäft“ der Unterschlagung für jeden der mitwissenden Beteiligten ein Viertel der vom Staat zurückgeforderten 60 Millionen Euro abfallen müssen – minus der fünf Millionen Euro. Denn die Familie Chebuţiu war, seit der Präsident-Generaldirektor nach Scheidung seine Sprecherin geheiratet hatte, immer zu gleichen Teilen an solchen „Geschäften“ beteiligt.

Hauptakteure und Handlanger

Die Schlussfolgerungen der Antikorruptionsstaatsanwaltschaft DNA gehen auch genauer auf die Rolle des Chebuţiu-Kumpels und -Vertrauten Adrian Preda ein: „Der Beschuldigte Adrian Chebuţiu, in seiner Eigenschaft als Präsident des Verwaltungsrats der SC UCM Reschita SA, war die einzig berechtigte Person, die vier Verkaufsverträge zu unterzeichnen.“ Er ist folglich der Hauptschuldige an dem unglaublichen Betrug. Chebuţiu unterzeichnete die betreffenden Verträge, wohl wissend, dass die Waren, die er für 250 Millionen Euro plus Mehrwertsteuer liefern sollte, alt, abgenutzt, überholt und funktionsunfähig waren. Sie konnten nie den von der Libarom Agri SA angegebenen Exportzweck erfüllen: Strom liefern für die Bevölkerung der Republik Guinea.

Während der gesamten Abwicklung der Unterschlagungsvorgänge ging Chebuţiu auf alle Zusatzforderungen Baaklinis durch Zusätze zum Hauptvertrag ein. Mit der Redigierung des Vertrags und Umsetzung der Forderungen wurde der Beschuldigte Adrian Coriolan Preda beauftragt, der dazu als Geschäftsführer bevollmächtigt und mit dem Hauptstempel der Firma ausgestattet wurde. Preda trug jedoch keinen der Zusatzverträge im Vertragsregister von UCMR ein. Er erledigte auch die anstehenden Fahrten zur Libarom Agri und verfügte die fälligen Geldüberweisungen in der einzigen realen Geldtransaktion des Vorgangs. Preda war sich die ganze Zeit des rein fiktiven Charakters und der Finalität der Vorgänge bewusst, die auf die Unterschlagung von 60 Millionen Euro durch falsche Rückerstattung der Mehrwertsteuer abzielten.
Auf Forderung des Beschuldigten Baaklini hin und mit Wissen und stillschweigender Akzeptanz des Beschuldigten Chebuţiu war Preda derjenige, der an das Außenhandelsinstitut ANCEX schrieb. In dem Schreiben bestätigte er, dass die von UCMR an Baaklinis Libarom Agri gelieferten Maschinen und Aggregate als Waren in die Republik Guinea gelangen sollen, wo sie den humanitären Zweck der Stromlieferung an die Bevölkerung erfüllen sollen. Aus diesem Grund forderte er die Erstattung der Mehrwertsteuer. Das Schreiben trägt die bekräftigende Unterschrift des damaligen Generaldirektors des Schwarz-meerhafens Konstanza, Bogatu.

Kommentare zu diesem Artikel

norbert, 16.02 2015, 00:13
Herr Dirk. .Erstens wohne ich in Deutschland. ..bin in Mainz geboren. .und schreibe dies jetzt zum hundertsten mal. .ich betrachte Rumänen aus deutscher Sicht aus Deutschland. .der deutsche neigt dazu in einer Zeitung aus Rumänien über rumänische Themen genau darüber zu schreiben. .und in einer deutschen Zeitung über deutsche Themen genau über diese zu schreiben. ..die rumänische koruption ist etwas ganz ganz anderes als die in Mitteleuropa. .sie hat in rumänien Auswirkungen. .in Mitteleuropa gar nicht messbar. .auch wenn die Summen dort viel höher sind als in rumänien. .wenn die rumänen das nicht erkennen können. .für uns in Deutschland vollkommen unwichtig. .wenn sie keine Hilfe annehmen wollen. .ist uns auch egal. .da gibt es nur einen kleinen Unterschied. ..die deutschen bekommen keine Milliarden euro Unterstützung pro Jahr von rumänien. .und deswegen steht rumänien. .unter 24 Stunden Kontrolle. .von EZB. IWF. .europäische Union und von Deutschland. .und wegen ihrer koruption ziehen Millionen weg. Frauen bekommen kaum noch Kinder. .und die Sterblichkeit ist hoch. .das nennt man rumänische Problemlösung. .das interresiert in Deutschland niemand. .rumänien will nicht. Kann nicht. .uns in Deutschland geht's gut. .mir geht es sehr gut. .ich bin stolz ein deutscher in Deutschland zu sein. .die rumänien lösen sich auf jedes jahr ein paar hundert tausend weniger. .so ist es. .so war es. .so bleibt es. .der Rumäne genau wie sie denkt und schreibt. .ich nicht nur die andern. Lesen Sie mal ihren Bericht durch. .was sie sie schreiben. Rumänien ist das Armenhaus Europas. .und würde den Kitt von den Fenstern fressen. .wenn sie nicht mit Milliarden von Geldern aus dem Ausland unterstützt werden. .aber sie vergleichen sich mit Deutschland. .da gibt es nur eine einzige Antwort. .hoffnungslos irre. .solange die Menschen so denken. .erlebe ich in 10 bis 15 Jahren. Das die rumänen die größte ethnie..im neuen Roma Land sein werden. .
sraffa, 15.02 2015, 21:38
@Dirk : Wissen Sie, vieles von dem was Norbert hier zum Besten gibt ist Allen hier im Forum bestens bekannt und es gibt bezüglich der Fakten auch kaum Dissens. Der Dissens liegt in der offensichtlich unterschiedlichen Bewertung und Wertschätzung der Rumänischen Kultur und Geschichte, welche ja nicht auf Korruption beschränkt werden kann und die ansonsten stark volksverhetzende Art und Weise seiner Darstellungen und Bewertungen. Eine ordentliche Rheinländische Staatsanwaltschaft hätte hier schon längst ein Verfahren eröffnet.
Dirk, 15.02 2015, 11:43
Norbert, Deine These hat bedauerlicherweise einen Funken Wahrheit, eine Art Science Fiction.
Aber was die Korruption anbelangt, da muss ich leider Deine Vorstellung enttäuschen.
In Rumänien, weil Sie dort Dinge einfach handwerklich nicht so gut machen, fällt natürlich die Korruption viel eher auf als in sogenannten kultivierten Ländern wie Deutschland, Frankreich usw.
Schau dir mal die Atomkonzerne in Deutschland an! Die Gliedern Ihren Müll juristisch aus und überlassen ihn dem Steuerzahler! Jetzt machen Sie Riesenwerbung, als hätten Sie die Erneuerbare Energien erfunden! Die SPD geführte Regierung von NRW unterstützt die Kohleindustrie wie vor 30 Jahren! Pfui auf ganzer Linie!! Und Mami Angela und alle anderen schauen nur zu!! Und die Bevölkerung ist zufrieden, weil ja der Strom aus der Steckdose kommt und ob man von den Lebensmittel Krebs bekommt ist ja auch egal! Hauptsache auf den TV Kultursendern ( SAT1, RTL, VOX ... ) kommt Deutschland sucht den Superstar, Shoppingqueen etc.etc. Das ist im Prinzip klassisch römisch, nämlich Circus Maximus, Opium fürs Volk !
Wenn wir so weiter machen sind wir bald so weltfremd, gleichgültig und geistig minderbemittelt wie die Masse der Amerikaner!! Aber laut Mami Angela ist Amerika ja unsere Leitkultur!!??
Du kennst ja das Einstein Zitat:
"Ob das Weltall unendlich ist, bin ich mir nicht sicher aber die Dummheit der Menschen ist es ganz sicher" ( sinngemäß )
norbert, 14.02 2015, 05:34
Die koruption ist tief in der rumänischen kultur verankert. Basta..kein mensch auf den Welt interessiert das. .weil die Welt das weiß. .in Italien gibt's es die Mafia. .die Welt weis es. Keinen interresiert dies. Die Rumänen haben eine eigene Losung gefunden. Wenig Geburten. .hohe Sterblichkeit. .und starker wegzug. So das sich nicht nur die einwohnerzahl soweit reduziert. .bis die romas die mehr stellen. Sondern auch die tief in der rumänischen kultur verankerten koruption. .eine kluge Lösung. .man löst sich auf.
Sraffa, 14.02 2015, 04:13
Vielen Dank, Herr Kremm, für die plastische, detaillierte Schilderung dessem was vermutlich geschah. Es ist schon unglaublich , mit welchen billigen Tricks hier Betrug am Staat versucht wurde. Ich hoffe daß die Gerichte das komplette Vermögen der Beschuldigten konfiszieren werden.

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