Über das Kulturerbe der Siebenbürger Sachsen

Neuer aufschlussreicher Band von Dr. Michael Kroner in der Reihe der Eckartschriften erschienen

Sonntag, 11. Mai 2014

Michael Kroner, „Baudenkmäler der Siebenbürger Sachsen. Zeugnisse eines jahrhundertealten Kulturerbes“, Eckartschrift 214, Österreichische Landsmannschaft, Wien März 2014, ISBN 978-3-902350-51-0 Preis 8.80 Euro zuzüglich Porto.

Unter dem Titel „Baudenkmäler der Siebenbürger Sachsen – Zeugnisse eines jahrhundertealten Kulturerbes“ ist im Rahmen der Eckartschriften (Nr.214) ein neuer aufschlussreicher Band von Dr. Michael Kroner kürzlich erschienen, der nun auch in unserer Redaktion vorliegt. Der 1934 in Weißkirch bei Schäßburg geborene und seit 1979 in Deutschland lebende Autor, ist einer der namhaftestes siebenbürgisch-sächsischen Historiker die mehrere gut dokumentierte, wissenschaftliche Bücher und Studien zur Geschichte der Siebenbürger Sachsen aber auch Rumäniens veröffentlicht hat.

In seinem Vorwort zum aufliegenden Band schreibt Dr. Karl Scheerer, stellvertretender Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Siebenbürgen: „Es ist das Verdienst von Dr. Michael Kroner, mit seiner sehr verständlichen Darstellung auf diese Hinterlassenschaft kenntnisreich hinzuweisen, sie in den historischen Rahmen zu setzen und die vielfältigen Bemühungen um ihren Erhalt zu würdigen. Sein Beitrag schließt in hervorragender Weise die Lücke im Wissen über diesen besonderen Aspekt Siebenbürgens und gehört in die Hand jedes Besuchers dieses schönen Landes.“ Somit wäre es begrüßenswert, wenn dieser rund 100 Seiten starke, reich illustrierte Band auch in rumänischer und englischer Sprache herausgebracht werden könnte, um vor allem die Angehörigen der Mehrheitsbevölkerung des Landes, aber auch ausländische Touristen, besser mit der Geschichte der Siebenbürger Sachsen vertraut zu machen, die von diesen errichteten Baudenkmäler gezielt in ihre Besucherrouten aufzunehmen. „Die siebenbürgisch-sächsischen Städte bewahren an historischen Kultur- und Baudenkmälern bis heute das alte Altstadtbild mit Marktplatz und Straßen, Teilen der Ringmauern und Wehrtürmen, Patrizier-, Bürger- und Ratshäusern, Verkaufsständen mit Arkaden, vor allem aber eindrucksvollen gotischen Stadtpfarrkirchen. Die am besten erhaltene mittelalterliche Stadt ist Schäßburg, die auch in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen wurde“, heißt es u.a. in dem Begleitschreiben des Verlags zu dem aufliegenden Band.

Nach einem einleitenden kulturgeschichtlichen Überblick, in dem der  Autor besonders ausführlich die Geschichte der Siebenbürger Sachsen von der Ansiedlung bis zur Gegenwart in einem Umriss vorstellt, geht er in einem zweiten Kapitel auf deren Baudenkmäler ein. Vorgestellt wird das sächsische Dorfbild  in seiner Entwicklung, wobei festgehalten wird, dass das sächsische Bauernhaus in Siebenbürgen architektonische Gemeinsamkeiten  mit denen vom Rhein und der Mosel aufweist. Wurden anfangs die Häuser zum Großteil aus Holz gebaut, ordnete 1754 der Kronstädter Magistrat für die Burzenländer Gemeinden an, dass in Zukunft keine neu zu bauende Häuser aus Holz errichtet werden sollen.

Michael Kroner beschreibt  kurz  die Häuser nach dem 18. Jahrhundert, die bekanntlich durch ihre Architektur, Ausmaße und Nutzbarkeit  bei den anderen Dorfbewohnern Aufsehen erregten und die nach der Aussiedlung der Sachsen im 20. Jahrhundert in das Mutterland auch von den Andersnationalen sehr begehrt wurden. Die städtebauliche Entwicklung hat über Jahrhunderte ihre spezifischen Eigenschaften in den Innenstädten bis heute bewahrt. Beste Beispiele dafür sind Schäßburg, Hermannstadt, Kronstadt, Bistritz, Mühlbach, später auch Mediasch. Insbesondere sind die Patrizierhäuser dabei zu erwähnen  die durch ihre Ausmaße und Architektur einen besonderen Platz einnehmen. Diesbezüglich ist die ständige Ausstellung im Kronstädter Museum der städtischen Wohnkultur aufschlussreich, vor allem für Touristen. Die am Anfang des 20. Jahrhunderts errichteten Gebäude  im Jugendstil bilden auch heute zum Teil noch architektonische Schmuckstücke  jeweiliger Städte.

Weiter stellt der Autor romanische und gotische Kirchen, getrennt gotische Stadtpfarrkirchen vor. Präsentiert werden dabei die  gotischen Stadtpfarrkirchen von Mühlbach, Kronstadt, Klausenburg, Hermannstadt, Schäßburg, Mediasch, Bistritz. In einem weiteren Abschnitt beschreibt  der Autor  die städtischen Wehranlagen, Ringmauern und Wehrtürme, und deren Bedeutung für die Ortsbewohner. Die Kirchenburgen zwischen Mythos und Wahrheit  sind ein weiteres wichtiges Thema. Sie sind  heute auch in der internationalen Architekturgeschichte zu einem Begriff geworden. „Diese Kirchen sind etwas so Eigenartiges in ihrer Art, ihr Aussehen und ihr Baustil ist so eigentümlich, dass es sich wohl der Mühe lohnt, diesen Gegenstand eingehender zu besprechen, der des Neuen und Interessanten so viel bietet...“ schreibt 1860 der englische Reisende Charles Boner.

Der aufliegende Band ist auch an die Aktualität gebunden. So bietet Dr. Michael Kroner in dem letzten Kapitel Aufklärung über Maßnahmen die zur Erhaltung dieser Baudenkmäler getroffen wurden, die sowohl von den ausgesiedelten Sachsen vermittels verschiedener Stiftungen aber auch von der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien kommen. Auch vermisst er nicht das Projekt „Entdecke die Seele Siebenbürgens“ vorzustellen und die Rolle von Prinz Charles als Förderer der siebenbürgisch-sächsischen Kulturlandschaft zu unterstreichen.

Im Anhang ist ein Verzeichnis der deutsch-rumänischen Ortsnamen aus dem Buch, ein Literatur- und Bildnachweis, sowie biografische Daten über den Verfasser enthalten. Durch sein Konzept und den Inhalt eignet sich der Band bestens als populär-wissenschaftliche Arbeit, die einem breiten Leserkreis zugänglich gemacht werden sollte.

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