Über das Radiohören

Mittwoch, 15. November 2017

Foto: pixabay.com

Ja, es hat gewisse Vorteile, wenn man regelmäßig im Rundfunk präsent ist, als Beispiel dafür folgende wahre Geschichte: Am letzten Montag unterhielt ich mich in der Bibliothek in Düsseldorf-Benrath mit der Bibliothekarin. Da blieb eine ältere Frau neben mir stehen und fixierte mich; ich hielt inne und schaute sie fragend an, woraufhin sie sagte: „Lassen Sie sich bitte nicht stören, reden Sie ruhig weiter. Ich kenne Ihre Stimme aus dem Osteuropamagazin. Toll! Ich wollte Ihnen einfach nur zuhören.“ O ja, so etwas höre ich gerne. Es hört sich auf jeden Fall wesentlich besser an, als das, was ich täglich von meiner Frau zu hören bekomme: „Sei bitte endlich still und hör auch mal zu!“

Zweites Beispiel: Letztes Jahr stellte ich Dan Lungu, Schriftsteller aus Rumänien, im Freistaat Bayern vor, in der Stadtbücherei Ingolstadt, und am Ende kam ein Ehepaar um die fünfzig auf mich zu, und die beiden meinten, sie würden sehr gerne meine Glossen im WDR hören. „Wie, Sie hören den WDR in Bayern? Und nicht den Bayerischen Rundfunk?! Und fürchten Sie keine Konsequenzen?“, scherzte ich ausgelassen. Und ich erinnerte mich dabei, wie ich im kommunistischen Rumänien den verbotenen Sender Free Europe täglich hörte, bei geschlossenen Fenstern, damit die potenziellen Spitzel in der Nachbarschaft es nicht mitbekamen. Statt der auf den Wecker fallenden kommunistischen Propaganda im staatlichen Rundfunk, mit Marx, Engels und Lenin, gab es dort eine unter die Haut gehende Musiksendung, mit Jimi Hendrix, Janis Joplin, Led Zeppelin und dergleichen. Was aber motivierte das nun vor mir stehende Ehepaar, dem WDR in Bayern zu frönen?

Ich unterhielt mich also neugierig mit den beiden und fand überrascht heraus, dass wir ein sehr ähnliches Schicksal hatten: Die beiden waren wie ich Migranten. Sie kamen zwar nicht aus einem Land im Osten Europas, aber immerhin aus einem fernen Bundesland im Nordwesten Bayerns, aus NRW. Sie waren in Siegen geboren und hatten bis vor zwei Jahren auch dort gelebt. Der Mann war Pneumologe und hatte eine Stelle als Oberarzt in einem Ingolstädter Krankenhaus bekommen und nun untersuchte er bayerische statt nordrhein-westfälische Lungen. Ich habe einst Englisch und Französisch unterrichtet, die Frau wiederum brachte in Bayern ihren Schülern Englisch und Hochdeutsch bei, also auch zwei Fremdsprachen. Und natürlich fielen die beiden genauso wie ich durch ihren fremden Akzent auf, und sie wurden ganz nostalgisch, wenn sie an ihre alte Heimat dachten, und so hörten sie rege - Heimweh zu lindern.

Aber jetzt mal im Ernst: Mir hat es in Ingolstadt besser als in Siegen gefallen, denn durch Ingolstadt fließt die Donau, die mich an den Rhein erinnerte und an Düsseldorf. Und um mit Heine zu sprechen: Die Stadt Düsseldorf, in der ich schon ewig lebe, ist sehr schön, und wenn man in der Ferne an sie denkt, wird einem wunderlich zumute. Ja mei, wenn man dann nach Hause kommt, wird’s etwas problematischer.

Kommentare zu diesem Artikel

Hagen, 15.11 2017, 21:11
So ein schwachsinniger, eitler und selbstgefälliger Artikel, geht es noch???

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