Um einen Symbolpreis verkauft

Invest Nikarom SRL wird Besitzerin der Mechel-Gruppe Rumänien

Freitag, 22. Februar 2013

Ferdinandsberg (ADZ) - Alle Aktiva der russischen Mechel Steel Romania sind zum Symbolpreis von 230 Lei verkauft worden. Als Käufer der Stahl- und Walzwerke und Gießereien tritt die rumänische Investmentgesellschaft Invest Nikarom SRL auf. Dies geht aus einem etwas verwirrenden Pressekommuniqué von Mechel Romania hervor, in welchem von einem „Transfer der Aktien all seiner rumänischen Aktiva“ an die Investmentgesellschaft die Rede ist.

Unter den Gewerkschaftern der metallurgischen Werke herrscht über diese Vorgangsweise nicht die reinste Freude. Victor Sabău von Ductil Steel Ferdinandsberg/Oţelu Roşu, das zur Mechel-Gruppe Rumänien gehört und ursprünglich zum Preis von rund 120 Millionen Euro zum Verkauf angeboten wurde (die gesamte Mechel-Gruppe Rumänien sollte „zwischen 250 und 500 Millionen Euro“ einbringen, hoffte OAO Mechel ursprünglich im Frühherbst 2012): „Wir erwarten nun eine Änderung. Die neuesten Informationen, die mir zur Verfügung stehen, verheißen nichts Gutes. Ursprünglich waren uns Hoffnungen gemacht worden, dass im März die Produktion wieder aufgenommen wird. Jetzt wird darüber spekuliert, dass, der Auftragslage gemäß, im März nur Târgovişte und Buzău die Produktion wieder aufnehmen. Für Ductil Steel Ferdinandsberg ist, soweit uns mitgeteilt wurde, bloß ein Konservierungsbudget genehmigt worden.“

Die Wiederaufnahme der Produktion und die Auftragslage der Mechel-Rumänien-Gruppe ist fast schon eine unendliche Geschichte. Zuerst war bei Ductil Steel Ferdinandsberg im Oktober 2012 die Produktion für einige Wochen aufgenommen worden. Dann gab es im November einen Produktionsstopp, von dem es immer wieder hieß, dass er beendet werde: im Dezember, nach Neujahr, im Februar, zuletzt im März 2013.

In Ferdinandsberg sind 430 Arbeitnehmer des Stahlwerks seit vergangenem November und nach Entlassung der rund 100 Arbeitnehmer mit befristetem Arbeitsvertrag in sogenannter „technisch bedingter Arbeitslosigkeit“, wo sie mit 75 Prozent ihres Monatslohns bezahlt werden. Das Gute daran: Für diesen Zustand gibt es von den ehemaligen Besitzern des Werks aus keine zeitliche Begrenzung. Das Unangenehme: Die neuen Besitzer können den Zustand sehr schnell zeitlich begrenzen, fürchten die Gewerkschaften. „Wir erwarten die Entscheidungen des neuen Administrators“, formulierte es vorsichtig der Gewerkschafter Sabău.

Invest Nikarom SRL ist ab dieser Woche Besitzerin der fünf metallurgischen Werke der Mechel-Romania-Gruppe, Teil der Mechel East Europe Metallurgical Division (die von Moskau gänzlich abgestoßen werden soll):  Ductil Steel Ferdinandsberg und Buzău, Câmpia Turzii SA, Mechel Târgovişte und Laminorul Brăila SA. Was die rumänische Investmentgesellschaft mit diesen Werken vorhat, ist bisher rätselhaft.

Jewgenyi Mikhel, der Generaldirektor der OAO Mechel, erklärte in Moskau: „Diese Transaktion in Rumänien ist Teil der Realisierung unserer aktualisierten Strategie, die darauf abzielt, die Schlüssel-Produktionsrichtungen auszubauen und das Business, das nicht mehr zu unserem neuen Profil passt, abzustoßen. 2012 haben wir unsere Absicht kundgetan, aus dem europäischen metallurgischen Geschehen komplett auszusteigen, das wir in der gegenwärtigen Konjunkturlage und den mittelfristigen Prognosen gemäß für eine chronische Verlustquelle halten. Das hat bisher nicht nur unsere finanziellen Resultate und die Geldflüsse innerhalb der Mechel-Gruppe negativ beeinflusst, es hat auch die Ausgaben aufgebauscht – und so etwas können wir uns nicht mehr leisten.

Wir investieren jetzt in Projekte mit Perspektive, etwa das Elga-Rohstofflager in Sibirien sowie in ein Universal-Schienenwalzwerk für Eisenbahnen. Die rumänischen metallurgischen Werke hätten uns 2013 einen budgetierten Verlust von 2,4 Milliarden Rubel gebracht – deshalb ist der gegenwärtige Transfer als Einsparungsquelle, also aus unserer Sicht positiv, zu sehen. So sehen es auch unsere Aktionäre. Auf diese Weise haben wir Geldquellen frei gemacht, die sonst in den Sand gesetzt worden wären. Und wir haben von unserem Schuldenberg etwas abgebaut.“

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