Umfassendes Forschungs-programm erfolgreich fortgesetzt

Zweiter Band der Serie „Die Siebenbürger Sachsen über sich selbst“, der Neustadt gewidmet ist, erschienen

Donnerstag, 27. August 2015

Nach über sechs Jahren  nach Erscheinen des ersten Bandes der Serie „Die Siebenbürger Sachsen über sich selbst“, der Deutsch-Weißkirch und Meschendorf gewidmet worden war, konnte kürzlich nun auch der zweite Band erscheinen, der die Forschungsergebnisse, die in Neustadt im Burzenland vorgenommen worden sind, umfasst. Die als Ergänzung zur „Denkmaltopographie Siebenbürgens“ gedachte Serie, die vom Ethnographiemuseum von Kronstadt herausgebracht wird, geht auf Details des Lebens der jeweiligen Ortsgemeinschaft ein durch Feldforschungen, Interviews mit Ortsbewohnern, Einführung in die Geschichte von Siebenbürgen. Das Forscherkollektiv des  Kronstädter Volkskundemuseums hat nach der politischen Wende von 1989 ethnologische Bestandsaufnahmen in rund 60 Gemeinden und Dörfern in Siebenbürgen vorgenommen, die als wertvolle Dokumentation über Jahre hinweg dienen werden. Nach der in den Jahren des Kommunismus erfolgten Auswanderung und dem Massenexodus, der in den ersten Jahren nach der Wende folgte, erwies es sich als dringlich erforderlich, das Leben der sächsischen Gemeinschaft von allen Standpunkten her dokumentarisch festzuhalten.

Die Wahl für den zweiten aufliegenden Band war auf Neustadt gefallen, als repräsentative Gemeinde für das Burzenland. Traditionen, Brauchtum, Nachbarschaften, Feste, wirtschaftlicher Fortschritt, Schule, Kultur  werden einer eingehenden Analyse unterzogen, ergänzt durch die mit Gemeindebewohnern geführten Interviews. Dem von Dr. Ligia Fulga geleiteten Forschungskollektiv ist volle Anerkennung für dieses Unterfangen auszusprechen, was auch bei der  am 9. Juni l.J. erfolgten  Vorstellung des Bandes im Kronstädter Ethnograhiemuseum voll zum Ausdruck kam. Der Kulturhistoriker und Denkmalpfleger Dr. Dr.h.c. Christoph Machat, Mitglied im ICOMOS-Vorstand, der seit Jahren die Tätigkeit der Kronstädter Ethnologen beratend unterstützt und wissenschaftlicher Gutachter des Bandes ist, betonte dabei, dass man die sächsische Kultur nur so verstehen kann, wenn man vor Ort die ganze Gemeinschaft kennt. Das ist eben den Kronstädter Forschern auch in diesem Fall gelungen. Sabina Ispas, Mitglied der Rumänischen Akademie, bezeichnete den aufliegenden Band als eine Filigranarbeit. Der Ethnologe Dr. Ioan Opriş, der seine Kindheit in Urwegen verbrachte und die sächsischen Traditionen sehr gut kennt, äußerte seine Wertschätzung für den Band. Altdechant Pfr. Klaus Daniel betonte, es sei die 12. Stunde gewesen für das Erscheinen dieses  Forschungsbandes, da immer weniger Zeitzeugen vorzufinden sind. Seitens des Kronstädter Kreisrates, der den Band finanziert hat, betonte Prof. Dr. Claudiu Coman, stellvertretender Vorsitzender, den fundamentalen Beitrag, den die Sachsen zur Entwicklung diese Gebietes erbracht haben.

Prof. Dr. Konrad Gündisch führt den Leser des zweisprachigen Bandes – rumänisch, deutsch - in die Geschichte und Identität der Siebenbürger Sachsen ein. Abschließend unterstreicht er „Die Erfahrungen, die die Siebenbürger Sachsen jahrhundertelang fast selbstverständlich als Ver- und Übermittler gesammelt, die ‘Strategien der Koexistenz’, die sie im Zusammenleben mit ihren Nachbarn entwickelt haben, dürfte heute besonders gefragt sein, wenn allerorten mit Recht die Bedeutung von Kulturtransfer und die Notwendigkeit grenzüberschreitender Maßnahmen hervorgehoben wird. Und diese Strategien der Koexistenz haben sich vor Ort bewährt“.

Die weiteren Autoren der Referate und Beiträge sind Dr. Ligia Fulga, Gabriela Chiru, Dr. Ioan-George Andron, Dr. Alina Mandai, Dr. Corina Popa. Zu den Mitarbeitern gehören Rosemarie Chrestels ,die einen besonderen Beitrag vorweist und hilfreich den Autoren zur Seite stand, Dr. Volker Wollmann,  Michael Farsch aus dessen Nachlass ein Referat über das Schulwesen übernommen wurde. Nicht zu übersehen der Beitrag von Arpad Udvardi als Fotograf, der eine besonders gute Illustration gesichert hat, und die von Prof. Dr. Horst Schuller, der mit seiner bekannten Kompetenz die deutsche Übersetzung gesichert hat. Zu den Neustädtern, die Interviews  erteilten, zählen u.a. Klaus Daniel, Friedrich Tobias, Martha Boltres, Erhard Porr, Heinrich Kasper, Werner Hans Zintz, Gerda Filip, Hans Chrestels, Emma Schuster, Rosa Müller.  Abgeschlossen wird der fast 400 Seiten starke Band mit Anmerkungen, mit einem Glossar der Wörter im siebenbürgisch-sächsischen Dialekt von Neustadt sowie den deutschen und rumänischen Entsprechungen, dem Namensverzeichnis samt Fotos  der Gewährpersonen, die Interviews und Daten über Neustadt geliefert haben – übrigens erhielten alle Anwesenden, darunter  zahlreiche Vertreter aus Neustadt, die bei der Buchvorstellung anwesend waren, je ein Gratisexemplar -,  mit einem Bildnachweis und der Auswahlbibliographie. Der Transilvania Expres Verlag von Kronstadt hat wesentlich zum guten Gelingen dieses Vorhabens beigetragen.
Dieter Drotleff
 
Zu: „Saşii despre ei înşişi/Die Siebenbürger Sachsen über sich selbst“ Band II, Cristian/Neustadt bei Kronstadt, Ethnographisches Museum Kronstadt, Herausgeber Ligia Fulga, Verlag Transilvania Expres Kronstadt 2015. Der Band kann im Museum gekauft werden.

Kommentare zu diesem Artikel

dan, 27.08 2015, 08:54
Gündisch sagt " Die Erfahrungen, die die Siebenbürger Sachsen jahrhundertelang fast selbstverständlich als Ver- und Übermittler gesammelt, die ‘Strategien der Koexistenz’, die sie im Zusammenleben mit ihren Nachbarn entwickelt haben, dürfte heute besonders gefragt sein"

Die Frage ist: Wo denn sind die Sb. Sachsen gefragt??
Denn in 99% der interkulturellen, interethnischen und wirtschaftlichen Entitäten, die sich um die "Brücke" zwischen Rumänien und Europa und der Welt kümmern, sitzen keine Sb. Sachsen.
Dort sitzen meistens Anverwandte oder Lakaien der in Bukarest sitzenden Parlamentarier...
Und K. Iohannis ist kein Repräsentant der Sb. Sachsen- das sagt er auch selbst.

In Deutschland ist das Bild noch grausiger, da dort 80% der Sb. Sachsen zwar Bürger sind, aber von niemanden repräsentiert werden.
B. Fabritius sitzt zwar im Bundestag, doch ist er kein Repräsentant der Sb. Sachsen - da er nichts für die Sb. tut.
Die sonstigen sächsischen Intelektuellen, die in nichtsächsischen irgendwelchen Stiftungen, Verbänden sitzen, sind unbekannt.
Die sächsischen Organisationen in Deutschland sind schwach, vom Untergang bedroht (Gundelsheim) wie ihre "Verwandte" in Rumänien.

Der Autor hat wohl Recht, daß die Sb. Sachsen aufgrund ihrer Erfahrungen, Kompetenzen und Werte prädestiniert wären als Vermittler zwischen Rumänien und Europa und der Welt zu arbeiten.
Doch wollen weder die rumänischen Machthaber, noch die Deutschen bisher so etwas.

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