Umweltschützerangriff auf Umweltschutzüberwachung

GEC Nera verfolgte 2017/2018 die Einhaltung des Verwaltungsvertrags der staatlichen Forstbehörde mit dem Umweltschutzministerium

Samstag, 17. Februar 2018

Buchenmischwälder bester Qualität sind für den Nationalpark Semenik – Karasch-Schluchten charakteristisch.
Foto: der Verfasser

Zwischen November 2017 und Januar 2018 hatte sich die Orawitzaer Umweltschutzorganisation GEC Nera zur Aufgabe gemacht, die Art und Weise unter die Lupe zu nehmen, wie der Nationale Regiebetrieb der Wälder RNP Romsilva – die staatliche Forstbehörde – ihren Verwaltungs- und Hegevertrag (Nr. 113/08.12.2014) erfüllt. Den Vertrag hat die Behörde mit dem Ministerium für Umweltschutz abgeschlossen und in dessen Rahmen hat sie, auf dem für Rumänien und die EU wichtigen Areal „ROSCI 0226”, dem Nationalpark Semenic –Karasch-Schluchten, der Teil des europäischen Netzwerks von Naturschutzgebieten Natura 2000 ist, Naturschutz zu betreiben.

Festgestellt werden musste, dass jüngst dort Bäume gefällt worden sind, dass aber auch in vorherigen Jahren Bäume mit einem Stammdurchmesser von 40 bis 50 cm gefällt wurden, vor allem am linken Ufer des Karasch-Flusses, entlang der Kreisstrasse DJ 581, auf 600 und 900 Höhenmetern, im Weichbild der Gemeinde Goruia. GEC Nera gibt auch die geografischen Koordinaten der Holzschläge an, die durch die Bank auf dem Areal des Natura 2000 – Schutzgebiets liegen (45 Grad, 11' 11,64'' N; 21 Grad 45,44' 98'' O; 45 Grad 11' 7,08'' N und 21 Grad 25' 35,07'' O). Diese Holzschläge befänden sich laut Gesetz zur Gewässerverwaltung auf dem Gebiet, das von der Nationalagentur Apele Române verwaltet wird, also einer Doppelverwaltung unterliegt.

In einem von Fotos begleiteten Schreiben (Nr. 2812/03.01.2018) hat GEC Nera eine Notifizierung über das Vorgefundene an das Kreiskommissariat Karasch-Severin der Nationalen Umweltwacht gesandt, an die Forstwacht in Temeswar und ans Kreisinspektorat Karasch-Severin der Polizei. Das Schreiben enthielt eine Anfrage zur Legalität des Holzfällens in diesen geschützten Arealen, über das Volumen des jüngst gefällten Holzes und dessen, was in den vergangenen Jahren hier „geerntet” wurde, ob RNP Romsilva in diesem oder in vorangegangenen Jahren irgendwie eingegriffen habe, um das illegale Holzfällen zu stoppen, ob die staatliche Forstverwaltung die Apele Române oder die in der Nähe befindlichen Rathäuser über's illegale Holzfällen in Kenntnis gesetzt habe, ob Maßnahmen gegen diejenigen ergriffen wurden, die illegal gefällt haben.

In allen Antworten stehe, dass weder 2018 noch in früheren Jahren wegen illegalem Holzfällen auf den genannten Arealen im Weichbild der Gemeinde Goruia irgendwelche Anzeigen vorgebracht worden wären. Das Polizeiinspektorat und die Temeswarer Forstwacht bestätigen zusätzlich, dass das Holzfällen auf jenen Arealen illegal war und dass es sich um 16,2 Kubikmeter im Jahr 2017 und um 7,32 Kubikmeter 2014 gehandelt habe, dass man zur Bestrafung der Schuldigen Maßnahmen ergriffen habe. Nirgends wird aber zugegeben, dass das Fällen auf einem Areal geschah, das zum europäischen Netzwerk Natura 2000 gehört.
In der Antwort der Nationalagentur zur Verwaltung der Geschützten Areale (ANANP) heißt es zusätzlich, dass man RNP Romsilva ermahnt habe, den Managementplan dieses Nationalparks schleunigst vorzulegen – was seit 13 Jahren nicht geschehen sei. Auch mögen endlich die ständigen Differenzen zwischen Romsilva und der Nationalparkverwaltung beigelegt werden.

Die Garde für Umweltschutz Karasch-Severin CJCSGNM hat bis heute auf das Schreiben von GEC Nera nicht geantwortet. Dabei hält man sie in diesem Fall für eine Schlüsselinstitution, denn sie wurde eigens gegründet, um das Gesetz zum Schutz der Geschützten Areale umzusetzen und über dessen Einhaltung zu wachen. Allerdings verfüge GEC Nera über Beweise, dass CJCSGNM weder 2017 noch in den Vorjahren je auf diesem Areal Kontrollen durchgeführt habe – bis auf wenige Fälle, wo sie erst aktiv wurde, nachdem GEC Nera sie dazu öffentlich aufgefordert hatte. Und auch dann sei sie lax vorgegangen.

Auch sei es „nebelig“ geblieben, wer von den beiden direkt Verantwortlichen übers Areal, Romsilva oder Apele Române, der Hauptschuldige an den Vorfällen sei, die an sich außer Zweifel stehen. Dass die Täter ein paar Einheimische waren, war nicht schwierig festzustellen, bloß sei „Goruia doch kein Dorf ohne Hunde!“ Auch an ANANP, jener Institution, deren Aufgabe es ist, im Namen des Ministeriums für Umweltschutz auf die Einhaltung der Gesetze zum Schutz der Natur zu achten, lässt GEC Nera wenig Gutes.

Konkret fragen die Orawitzaer Umweltschützer, wie ANANP die Einhaltung des Vertrags 113/08.12.2014 im konkreten Einzelfall überwacht, wenn schlussendlich RNP Romsilva bei der jüngsten Benotung ihrer Tätigkeit auf dem letzten Platz unter den regionalen Forstverwaltungen aus Westrumänien landete (ADZ berichtete). Zuletzt fordert GEC Nera einmal mehr, dass das Verwaltungsmonopol von RNP Romsilva gebrochen wird und dass die Nationalparkverwaltung an ANANP übergehen soll, um den – auch in der ADZ wiederholt beschriebenen – Interessenskonflikt der staatlichen Forstverwaltung, zwischen wirtschaftlicher Nutzung der Wälder und deren Totalschutz in Nationalparks, zu vermeiden.

Kommentare zu diesem Artikel

Francois, 17.02 2018, 12:09
Was macht eigentlich die EU-Kommission gegen die laufenden Verstösse Rumäniens gegen EU-Umweltrecht?

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