Unabhängigkeit jetzt

Freitag, 01. Juni 2012

Unser Präsident hat die Zügel in der causa Ro{ia Montan² etwas schleifen lassen. Seit der Investitur der neuen Regierung, als er Ratschläge austeilte, hat er die Sache öffentlich nicht mehr angesprochen. Hingegen hat er seine Teilnahme am Nato-Gipfel und den Chicago-Besuch zum Treffen mit dem Chevron-Vizepräsidenten genutzt. Darauf ein verharmlosendes Kommuniqué des Präsidialamtes, dass es um neue Technologien der Energiegewinnung gegangen sei. Der Schiffskapitän als Energieexperte.

Jedermann weiß, dass Chevron in Ostrumänien Schiefergas fördern möchte. Die Gewinnung von Schiefergas ist mit akuten Gefahren für die Umwelt verbunden, denn es wird unter hohem Druck ein Gemisch von Wasser, Sand und Chemikalien in die Tiefe gepresst – niemand garantiert, dass dabei mit der Zeit das Grundwasser nicht verseucht wird. Deshalb die Proteste der aufgescheuchten Landbevölkerung im – dem Ruf nach -  zurückgebliebendsten Verwaltungskreis Rumäniens, Vaslui. Dass die Menschen um ihr und ihrer Haustiere Trinkwasser fürchten, ist wohl nicht ohne Grund. Immer, wenn Experten – auch auf deutschen TV-Sendern – ihr Ehrenwort geben und versichern, eine Technologie sei „sauber und ungefährlich“, muss man hellhörig werden. Das war auch eine der typischen Reaktionen auf kommunistische Propaganda: je lauter man von den guten Absichten der Partei „überzeugt“ wurde, umso misstrauischer wurde man als Bürger.

Băsescu träumt weiter den Ceauşescu-Traum von der energetischen Unabhängigkeit Rumäniens (hauptsächlich von Rußland, zumal der Bau der Nabucco-Pipeline unwahrscheinlich ist). In der Tat können die USA, nicht zuletzt auch dank Chevron-Technologien, das billigste verflüssigte Gas weltweit produzieren und damit nicht nur ihren Eigenbedarf langfristig decken, sondern auch kräftig exportieren. Ihre Preise sind konkurrenzlos. Diverse Länder überlegen bereits den Bau von Häfen zum Anlanden von importiertem amerikanischen Flüssiggas und die Rentabilitätsrechnungen dieser Investitionen zeigen, dass der Bau sich unter Umständen binnen einem Jahrzehnt rechnet.

Da muss man sich fragen, ob es nicht auch für Rumänien rentabler wäre, die Schiefergasreserven einfach ruhen zu lassen – als Reserve für künftige Generationen und unter der Voraussetzung verbesserter Fördertechnologien steigen sie im Wert – und sich auf den Import von Flüssiggas zu verlegen. Wenn schon dem russischen Gasriesen Gazprom und dem hinter ihm stehenden Staat aller Reußen eins ausgewischt werden soll, warum nicht umwelt- und reservenschonend? Trotz aller Globalisierung: sollen doch die Amerikaner ihre Natur und das, was sie an ihre Nachkommen vererben, vernichten!

Aber unser lieber Präsident, der Instinktpolitiker, hat noch nie ein Zeichen gesetzt, dass er ein Herz für die Natur hat. Er gehört zu jenen, die lauthals schreien, sie verkaufen ihr Land nicht – aber bedingungslos dafür sind, ihr Land so zu behandeln, dass es nachher niemand mehr „kaufen“ mag.

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