Unbekannter, barocker Bildhauer

Elisabeth Binder hielt im Teutsch-Haus einen Vortrag über Sigismund Möß

Donnerstag, 24. Januar 2013

Museumsleiterin Elisabeth Binder (re.) musste nach dem Vortrag noch viele Fragen aus dem Publikum beantworten.
Foto: Holger Wermke

Hermannstadt - Aus der Zips (heute Slowakei) gab es im 18. Jahrhundert eine recht bemerkenswerte Einwanderung nach Siebenbürgen. Unter den häufig protestantischen Einwanderern waren einige begabte Handwerker, die es beispielsweise in Hermannstadt/Sibiu zu einiger Bekanntheit brachten. Erinnert sei an den Goldschmied Sebastian Hann, die Maler Paul Demosch und Jeremias Stranovius, der Musiker Gabriel Reilich oder der Orgelbauer Johannes Vest.

Ein weiterer gebürtiger Zipser, der seine Spuren in der sächsischen Kunstgeschichte hinterließ, ist Sigismund Möß. Möß kam um 1670 nach Hermannstadt. Urkundlich bezeugt ist seine Heirat „mit der Jungfrau Barbara im Jahr 1673“. Der Name des 1687 gestorbenen Bildhauers und Bildschnitzers ist in der breiten Öffentlichkeit wenig bekannt. Wohl auch deshalb kamen mehr als 50 Besucher am Dienstag in den Terrassensaal des Begegnungs- und Kulturzentrums „Friedrich Teutsch“, um bei einem Vortrag mehr über den Künstler und seine barocke Altarkunst zu erfahren.

Als Möß-Expertin präsentierte sich Elisabeth Binder, die seit September 2012 das landeskirchliche Museum im Teutsch-Haus leitet. Die 25-Jährige schloss im vergangenen Jahr ihr Studium als Restauratorin ab mit einer Master-Arbeit über eben diesen Möß und seine Arbeiten. Sie interessiere sich für Altarkunst und während in der Literatur über die siebenbürgische Kunstgeschichte die gotischen Flügelaltäre im Mittelpunkt stehen, weiß man über die barocken Altäre noch vergleichswiese wenig, sagte Binder.

Dies war mit ein Grund, warum sie sich auf die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstandenen Altäre in den Kirchen in Hammersdorf/Guşteriţa  (im Depot des Kunstmuseums Klausenburg/Cluj) und Urwegen/Gârbova. Bis vor Kurzem glaubte man, der Hammersdorfer Altar wäre der einzige Altar aus der Werkstatt des Meisters. Binder wies durch technologische Untersuchungen, Vergleiche und das Studieren des Schnitzwerkes jedoch auch den Urweger Altar Möß zu. Ein wesentlicher Hinweis entdeckte sie unter der jetzigen Bemalung, nämlich die Signatur „S M Sc“, die sie als „Sigismund Möß Sculptor“ entzifferte.

Weitere gesicherte Arbeiten aus der Hand von Möß sind die Kanzeldeckel in den evangelischen Stadtpfarrkirchen in Mediasch/Mediaş und Mühlbach/Sebeş, das Semriger-Epitaph in der Ferula der evangelischen Stadtpfarrkirche Hermannstadt sowie die ebenfalls in der Ferula befindlichen Porträtgrabsteinplatten der Sachsengrafen Andreas Fleischer und Matthias Semriger. Mögliche weitere Werke von Möß sind der alte Altar im Heltauer Burgmuseum und der Orgelprospekt in der Hermannstädter Stadtpfarrkirche, wobei in diesen Fällen nähere Untersuchungen nötig sind.

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